Nachruf

Holocaust-Überlebender und Journalistenlegende: Raul Teitelbaum gestorben

Raul Teitelbaum (1931 - 2026) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nachruf

Holocaust-Überlebender und Journalistenlegende: Raul Teitelbaum gestorben

»Ich war der ranghöchste Kommunist in der israelischen Armee«, sagte der Verstorbene einst

 20.05.2026 09:14 Uhr

Im Alter von 94 Jahren ist in Jerusalem Raul Teitelbaum verstorben, einer der bekanntesten Journalisten Israels und Überlebender des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Unter seinem Pseudonym Israel Tomer veröffentlichte er Hunderte Artikel, Reportagen und Essays – und blieb der Branche bis ins hohe Alter treu. »Ynet« berichtete.

Teitelbaum wurde in Prizren im Kosovo als einziges Kind der einzigen jüdischen Familie der Stadt geboren. Sein Vater Yosef, ein leidenschaftlicher Schachspieler, gab ihm den Namen Raul in Anlehnung an den kubanischen Weltschachmeister José Raúl Capablanca.

1945 wurde die Familie in Bergen-Belsen inhaftiert und kurz vor der Befreiung des Lagers durch die Briten auf einem der letzten Transporte in Richtung Zentraldeutschland deportiert. Am 23. April flohen die deutschen Wachen, und russische Soldaten befreiten die Überlebenden – darunter die Familie Teitelbaum.

Kandidat für die Knesset

Nach dem Krieg studierte Teitelbaum in Belgrad und engagierte sich in der kommunistischen Jugendbewegung. Auf Drängen seiner Mutter, die Verwandte in Israel hatte, wanderte die Familie 1949 aus. In Israel trat er dem Artilleriekorps bei und diente in der Reserve als stellvertretender Bataillonskommandeur. Über sich selbst sagte er gern: »Ich war der ranghöchste Kommunist in der israelischen Armee.«

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Zwölf Jahre lang schrieb Teitelbaum für die Zeitung der kommunistischen Maki-Partei, »Kol HaAm«, als Wirtschafts- und Knesset-Korrespondent. Er kandidierte auch selbst für die Knesset. Nach dem Ende der Zeitung wechselte er zu »Yedioth Ahronoth«, wo er drei Jahrzehnte lang als Wirtschaftsjournalist und Parlamentskorrespondent arbeitete. Seinen letzten Posten dort hatte er als Deutschlandkorrespondent des Blattes.

Über seine journalistische Arbeit hinaus war Teitelbaum langjähriger Vorsitzender des Ethikausschusses des israelischen Journalistenverbandes und verfasste mehrere Bücher über die Schoa. 2018 entzündete er bei der zentralen Gedenkfeier in Yad Vashem eine der Fackeln zum Holocaustgedenktag – eine Auszeichnung, die Israel seinen bedeutendsten Überlebenden vorbehält.

Raul Teitelbaum war 60 Jahre mit seiner Frau Aliza verheiratet und hinterlässt zwei Töchter, Anat und Iris. Die Beerdigung findet am Donnerstag um 12 Uhr im Kibbuz Yad Hanna statt. im

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