Interview

»Hoffnung nach der Katastrophe«

Herr Fakhr al-Din, Ihre Tochter Alma starb zusammen mit elf anderen Kindern und Jugendlichen bei einem Raketenangriff der Terrormiliz Hisbollah im drusischen Ort Majdal Schams auf den Golanhöhen. Wie erinnern Sie sich an diesen Tag?
Es war der 27. Juli 2024 gegen 18 Uhr. Eine Rakete, die aus dem Libanon abgefeuert wurde, landete auf einem Fußballplatz in der Mitte des Dorfes. Es war Samstag, viele Kinder spielten dort. Ich bin sofort hingerannt, weil ich das Gefühl hatte, dass alle meine drei Kinder auf dem Platz waren – die elfjährige Alma und ihre Brüder, neun und 13 Jahre alt. Als ich auf dem Weg war, rief meine Frau an und sagte, dass die Jungen sich bei ihr gemeldet hatten. Ich kam auf das Feld und sah meine Tochter tot auf dem Rasen liegen. Mein erster Gedanke war: Alma, verzeih mir. Ich habe es nicht geschafft, dir zu helfen.

Warum haben Sie das gedacht?
Weil drei Monate davor eine Rakete der Hisbollah neben meinem Büro eingeschlagen war und Alma mich angerufen hatte. Sie sagte damals: Papa, fürchte dich nicht. Wenn dir etwas passieren sollte, komme ich und helfe dir.

Was für ein Mensch war Ihre Tochter?
Alma war hochbegabt, sie sprach Arabisch, Hebräisch, Englisch und Deutsch, sie spielte Basketball, sie tanzte und zeichnete. Sie hatte viele Träume. Und sie wollte Rechtsanwältin werden.

Sie sind kurz vor dem Unglück noch mit Ihrer Familie in Deutschland gewesen …
Ja, zehn Tage vor der Katastrophe waren wir in München. Als wir an der Universität vorbeikamen, schaute sich Alma das Gebäude an, lachte und meinte: Kann ich statt in Harvard nicht lieber in München studieren? Ich habe gesagt: Mach erst mal die Schule zu Ende, dann sehen wir weiter. Auf der Straße hat sie sich später ein glänzendes Armband gekauft. Es hat geglitzert, als ich sie tot auf dem Fußballplatz in Majdal Schams gefunden habe. Daran habe ich sie erkannt. Und sie trug ein rotes Trikot von Bayern München mit der Nummer 6 von Joshua Kimmich. Alma war Fan des FC Bayern München. Nach ihrem Tod schickte uns der Klub ein solches Trikot, auf dem alle Spieler unterschrieben hatten.

Mit Ihrer Frau wollen Sie jetzt eine Stiftung gründen, um in Almas Namen Jurastudenten zu unterstützen.
Wir wollen das Unglück in Hoffnung verwandeln. Es muss auf dieser Erde etwas geben, für das es sich zu leben lohnt. Israel hat nach dem 7. Oktober 2023 einen schrecklichen Krieg durchgemacht. Wir möchten auch anderen helfen.

Was erhoffen Sie sich für die Zukunft?
Unser Land hat gegen die Hisbollah, die Hamas, den Iran gekämpft. Das war nicht leicht. Ich hoffe, dass wir wieder auf die Beine kommen, dass wir weiterleben und siegen. Denn wir sind keine schlechten Menschen.

Mit dem drusischen Ingenieur sprach Ayala Goldmann.

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