EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Terrorismus

Hamas-Leibwächter plante Anschläge in Deutschland und Österreich

Einst war »Mr. X« sein Leibwächter: der später getötete Hamas-Führer Ismail Haniye Foto: picture alliance / Wissam Nassar/dpa

Ein ehemaliger Leibwächter des getöteten Hamas-Führers Ismail Haniye hat in Großbritannien Asyl und später die britische Staatsbürgerschaft erhalten. Im vergangenen Jahr soll der Mann eine groß angelegte Terrorserie gegen Juden und Israelis in Europa mitgeplant haben. Das berichtete jetzt die britische Zeitung »The Sunday Times«.

Der Mann, dessen Identität aus rechtlichen Gründen derzeit nicht veröffentlicht werden darf, wird in dem Artikel »Mr. X« genannt. Er soll vor mehr als einem Jahrzehnt aus dem Gazastreifen nach Großbritannien gekommen sein und dann als IT-Berater gearbeitet haben.

Der Palästinenser soll zum persönlichen Sicherheitsteam von Ismail Haniye gehört haben. Der Hamas-Vorsitzende hatte bis zum Jahr 2017 die Terrororganisation im Gazastreifen angeführt und wurde später Vorsitzender des Politbüros. Im Juli 2024 wurde er in Teheran durch einen Anschlag getötet. Haniye hielt sich nach der Amtseinführung des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian in einem Gästehaus der Revolutionsgarden auf. Nach iranischen Angaben sei das Gebäude von einem Geschoss getroffen worden.

Hamas-Zugehörigkeit soll Behörden bekannt gewesen sein

Iran und die Hamas machten Israel verantwortlich. Eine offizielle Bestätigung aus Jerusalem gab es erst im Dezember. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sagte bei einer Veranstaltung damals ausdrücklich, dass tatsächlich Israel hinter der Tötung Haniyes stecke.

Sein Leibwächter war allerdings schon lange zuvor nach Europa geflüchtet. Nach Angaben der Sunday Times soll X vorher in Ägypten festgenommen worden sein. Seinerzeit seien ihm Schmuggel von Waffen und Gold in den Gazastreifen vorgeworfen worden.

Im Jahr 2015 dann habe X Asyl beantragt und einen Aufenthaltsstatus erhalten, durch den er in Großbritannien bleiben konnte. Später wurde ihm sogar die britische Staatsbürgerschaft verliehen, mit der er sich in Europa völlig frei bewegen konnte. Und das, obwohl seine Verbindungen zur Hamas und seine Tätigkeit für Haniye den britischen Behörden bekannt gewesen sein sollen, als über seinen Aufenthaltsstatus entschieden wurde, schreibt die britische Zeitung.

»Mr. X« soll seinen legalen Namen mehrfach geändert und sich ein scheinbar normales Leben in der IT-Branche aufgebaut haben.

Die Tarnidentität soll, so der Bericht, sehr ausgeklügelt gewesen sein. So habe er seinen legalen Namen mehrfach geändert und sich ein scheinbar normales Leben in der IT-Branche aufgebaut.

Im November des letzten Jahres wurde X im Zentrum von London von britischen Sicherheitsbehörden verhaftet. Dies sei im Rahmen einer internationalen Untersuchung gegen ein Hamas-Netzwerk erfolgt, das Anschläge in Europa geplant und vorbereitet haben soll.

Lesen Sie auch

Auch in Deutschland geriet X schließlich ins Visier: Er wird verdächtigt, eine zentrale Rolle bei den Vorbereitungen von Terroranschlägen gespielt zu haben. Auch soll der Hamas-Mann Waffen und Munition von Berlin nach Wien gebracht und dort für eventuelle Angriffe gelagert haben.

Als mögliche Ziele gelten jüdische Gemeinden, israelische Diplomaten und pro-israelische Demonstrationen in Deutschland und Österreich. Die Anschläge sollten rund um den zweiten Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 stattfinden, also im Jahr 2025, so der Bericht weiter.

Mossad und Sicherheitsbehörden in Deutschland informierten britische Kollegen

Die Informationen über die geplanten Anschläge sollen nach Angaben der »Sunday Times« vom israelischen Geheimdienst Mossad und deutschen Sicherheitsbehörden an die britischen Behörden übermittelt worden sein. Derzeit läuft gegen X in Großbritannien ein Strafverfahren. Anschließend soll er angeblich nach Deutschland ausgeliefert werden.

Äußerst ungewöhnlich ist dabei allerdings der Umgang mit seiner Identität: Ein Gericht in London verhängte zunächst eine Nachrichtensperre über 100 Jahre. In dieser Zeit hätte der Name des mutmaßlichen Terroristen nicht veröffentlicht werden dürfen. Nach einem Antrag der Sunday Times sei diese Entscheidung jedoch revidiert worden. Nun darf nach Abschluss der gegen ihn laufenden Strafverfahren in Großbritannien öffentlich gemacht werden, wie X wirklich heißt.

Analyse

Israel steckt mal wieder im Patt

Der rechte Block gewinnt bei der Auszählung an Boden. Doch weder Regierungslager noch Opposition haben eine klare Mehrheit – und die arabischen Parteien werden zum entscheidenden Faktor

von Sabine Brandes  28.10.2026

Jerusalem

Demokraten-Chef fordert Koalition mit arabischen Parteien

Bei Israels Richtungswahl liegt Netanjahus Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Der Chef der Linksliberalen fordert eine Koalition der Opposition mit Beteiligung arabischer Parteien

 28.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026

Jerusalem

Vorfälle bei Parlamentswahl

Für die große Mehrheit der Israelis verlief der Wahltag friedlich. Es gab jedoch Einschüchterungsversuche und sogar Angriffe

 28.10.2026

Jerusalem

Benjamin Netanjahu bei Wahl vorn - aber ohne Mehrheit

Bleibt der heutige Ministerpräsident an der Macht? Oder kommt es zum Regierungswechsel? Der Politikveteran gibt sich in der Wahlnacht trotz unklarem Ausgang siegesgewiss

 28.10.2026 Aktualisiert

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Israel

Wahltag in Blau-Weiß

Bis zuletzt warben die Parteien vor den Wahllokalen um Stimmen - und von denen gab es viele zu holen: Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 1988 nicht mehr. Ein 94-Jähriger gab seine Stimme mit letzter Kraft ab und starb kurz darauf

von Sabine Brandes  27.10.2026