»Der Spiegel« berichtet in seiner neuen Ausgabe, dass deutsche und europäische Sicherheitsbehörden eine Serie von Mordanschlägen der Hamas auf jüdische und israelische Ziele in Deutschland und Österreich verhindert haben. Das Magazin verweist dabei auf die 214-seitige Anklageschrift des Generalbundesanwalts in Karlsruhe.
Demnach soll ein aus dem Ausland gesteuertes Terrorkommando 2025 zum zweiten Jahrestag des Hamas-Überfalls vom 7. Oktober 2023 schwere Verbrechen geplant haben. Sieben Teilnehmer des Terrorplots warten derzeit auf ihren Prozess vor dem Berliner Kammergericht.
Als mutmaßlicher Drahtzieher gilt der 40-jährige Mohammed A., Sohn des Hamas-Funktionärs Basem Naim und ehemaliger Leibwächter der Terror-Führung. In einem im Sommer 2025 in Wien aufgezeichneten Video kündigte ein Vermummter – den das Bundeskriminalamt als Mohammed A. identifiziert hat – »Rache« für Israels »Genozid« in Gaza an. Der »bewaffnete Widerstand« werde dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu eine »Botschaft mit Blut« senden, berichtet der »Spiegel«. Mohammed A. sitzt derzeit in Großbritannien in Haft.
Falls sich die Erkenntnisse der Karlsruher Ermittler erhärten, könnte dies einen sicherheitspolitischen Wendepunkt bedeuten, denn Europa galt für die Hamas bislang eher als Rückzugsraum und als Ort, in dem finanzielle Unterstützung für die Aktivitäten im Nahen Osten gesammelt wurde. Nun deutet aber einiges darauf hin, dass die Terrororganisation Personen aus dem kriminellen Milieu in Europa dafür anwirbt, um in ihrem Auftrag auf europäischem Boden zu operieren und Anschläge zu verüben. Israel geht dem Bericht zufolge davon aus, dass die Hamas-Führung bereits vor 2023 den Aufbau von Auslandsbasen für »anspruchsvolle Mordanschläge« angeordnet habe.
So habe das jetzt aufgeflogene mutmaßliche Terrornetzwerk konspirativ über mehrere Landesgrenzen hinweg operiert und in nur wenigen Wochen ein beachtliches Waffenarsenal beschafft, darunter 13 scharfe Pistolen, ein vollautomatisches Zastava-Sturmgewehr und 718 Schuss Munition. Um Geheimdienste zu täuschen, hätten die mutmaßlichen Terroristen am Telefon stets über »Reifen«, »Süßigkeiten« oder »Datteln« gesprochen, wenn sie Schusswaffen und Patronen meinten.
Eine zentrale Rolle in Deutschland spielte offenbar der 37-jährige Abed al G., ein in Berlin eingebürgerter Sicherheitschef einer Flüchtlingsunterkunft. Er soll die von einem Kurier aus Dänemark eingeschmuggelten Pistolen entgegengenommen haben. Die Beschaffung des Sturmgewehrs sei laut Ermittlungsergebnissen über den 61-jährigen Borhan El-K. gelaufen. Ihn hält der israelische Geheimdienst Mossad offenbar für eine Schlüsselfigur bei den Anschlagsplänen. Es handele sich bei EL-K. um einen im Libanon geborenen Dänen mit nachgewiesenen Kontakten zur Rockergruppe der »Banditos«.
Bei einem der Beschaffer der Waffen habe es sich um einen Informanten des deutschen Verfassungsschutzes gehandelt, der die Behörden aber offenbar gezielt getäuscht habe.
Obwohl die Bundesanwaltschaft in ihrer Anklageschrift laut »Spiegel« das Netzwerk als »anschlagsbereit« einstuft, seien die genauen Ziele des geplanten Massakers noch unklar. Über die endgültige Zulassung der Anklage entscheidet nun das Berliner Kammergericht. mth