Tel Aviv

Ex-Geisel Avera Mengistu aus Klinik entlassen

Avera Mengistu wird am 22. Februar 2025 von Hamas-Terroristen an das Rote Kreuz übergeben. Foto: picture alliance/dpa

Fünf Monate nach seiner Freilassung aus der Gewalt der Hamas hat die frühere israelische Geisel Avera Mengistu am Dienstag das Krankenhaus verlassen. Der heute 38-Jährige war über ein Jahrzehnt lang im Gazastreifen festgehalten worden. Seine Familie teilte mit, dass er nun in eine betreute Wohneinrichtung umziehen werde, die auf seine physischen und psychischen Bedürfnisse zugeschnitten sei.

»Ich kann es immer noch nicht fassen, dass er wieder bei uns ist«, sagte seine Schwester Alemnesh Mengistu laut israelischen Medien. Sie lobte die Fortschritte ihres Bruders: »Er hat seit seiner Rückkehr einen bemerkenswerten Heilungsprozess durchlaufen – mit allen Höhen und Tiefen.«

Mengistu, der psychisch krank ist, war im Jahr 2014 in einer seelischen Notlage in den Gazastreifen gelaufen. Die Hamas nahm ihn fest und behauptete fälschlich, er sei ein israelischer Soldat. Tatsächlich war Mengistu nie zum Militär eingezogen worden. Bereits 2003 hatte man ihn als nicht diensttauglich eingestuft.

»Menschlich-sensible Betreuung«

Mehr als zehn Jahre – genau 3821 Tage – blieb er in der Gewalt der palästinensischen Terrororganisation. Immer wieder war seine Freilassung Thema indirekter Verhandlungen, doch erst im Februar dieses Jahres kam er im Zuge eines Geisel-Deals frei.

Nach seiner Rückkehr wurde Mengistu im Ichilov-Krankenhaus in Tel Aviv medizinisch und psychiatrisch behandelt. Die Familie dankte dem Klinikteam ausdrücklich für die »engagierte, intensive und menschlich-sensible Betreuung«. Die Entlassung markiere für ihn einen wichtigen Schritt zurück ins Leben.

Lesen Sie auch

»Die Behandlung hat geholfen, die Kluft zwischen den Jahren der Gefangenschaft und seinem neuen Alltag zu überbrücken«, so seine Schwester. Ihr Bruder sei geistig und körperlich stabiler als je zuvor und bereit, »den nächsten Abschnitt seines Weges anzutreten«.

Die Familie bedankte sich auch bei all jenen, die sich über die Jahre für Mengistus Freilassung eingesetzt hatten – teils unter schwierigen Bedingungen. Mengistu stammt aus einer äthiopisch-israelischen Familie in Aschkelon.

Angehörige hatten in der Vergangenheit kritisiert, dass sein Fall in der Öffentlichkeit kaum Beachtung fand – anders als der Fall des israelischen Soldaten Gilad Schalit, der 2011 im Tausch gegen mehr als 1000 palästinensische Häftlinge freikam. Sie sprachen in diesem Zusammenhang von Rassismus. ja

Tel Aviv

Israel will Einwanderung französischer Juden beschleunigen

Nach den jüngsten Ausschreitungen in Frankreich rechnet Jerusalem mit mehr jüdischen Einwanderern aus dem Land. Was die Regierung unternimmt, um ihnen den Neustart zu erleichtern

 21.10.2026

Boykott?

Weitere Firma verweigert Jerusalemer Seilbahn-Projekt

Die israelische Regierung will per Seilbahn einen direkten Zugang zur hochsymbolischen Klagemauer in Jerusalem schaffen. Aber immer mehr ausländische Partner ziehen sich zurück

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Wahlkampf

Netanjahu stellt sich hinter religiöse Wehrdienstverweigerer

Um an der Macht zu bleiben, braucht Israels Ministerpräsident die Unterstützung der ultraorthodoxen Juden. Wenige Tage vor der Wahl übt er den Schulterschluss mit Religiösen, die sich der Wehrpflicht entziehen

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

Linken-Fraktion vorerst ohne Einigung im Streit um Emde

Eine Abgeordnete, die in ihrer Israel-Kritik immer wieder nachlegt, und eine Fraktionsspitze, die ein Problem mit ihr hat: Im Berliner Koalitionspoker bleibt der Streit um Vanessa Emde ungelöst

 20.10.2026

Hamas

Emiratische Blase in Gaza

Israel erlaubt den VAE Infrastrukturarbeiten nahe Rafah. Den Wiederaufbau der Enklave knüpft Israels Premier Netanjahu an die Entwaffnung der Terrororganisation

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Wehrdienst oder Gefängnis: Armee stellt Chabad-Studenten vor die Wahl

Am Ben-Gurion-Flughafen wurden Dutzende Männer aus der Chabad-Lubawitsch-Bewegung festgenommen, als sie aus New York zurückkehrten

 20.10.2026

Tel Aviv

Gloria Gaynor tritt in Israel auf

Nur wenige ausländische Musiker kommen derzeit nach Israel. Die »Queen of Disco« ist eine von ihnen. Was für ein Verhältnis hat sie zum jüdischen Staat?

 20.10.2026

Israel

»So wollte ich nicht sterben«

Der indische Kapitän des »Fly Dubai«-Fluges schildert erstmals ausführlich, was sich an Bord abspielte

 20.10.2026

Knessetwahl

Gantz zieht die Reißleine

Nach dem Absturz seiner Partei verzichtet der Ex-Generalstabschef auf eine Kandidatur – und wirbt erneut für eine große Einheitsregierung.

von Sabine Brandes  20.10.2026