Israel

Bnei Menasche in Israel gelandet

240 Menschen kamen mit dem ersten Flug. Foto: Maxim Dinshtein for The Jewish Agency

Auf den »Flügeln des Morgengrauens« kamen sie nach Israel. So lautet der Name einer neuen Einwanderungsinitiative des Integrationsministeriums und der Jewish Agency. Die Rede ist von 240 Menschen, die vergangene Woche auf dem Ben-Gurion-Flughafen gelandet sind. Sie alle gehören zu den sogenannten Bnei Menasche.

Gemäß ihrer Überlieferung gehören sie zum Stamm des Menasse, einem der sagenumwobenen zehn jüdischen Stämme, die nach der Eroberung des Nordreichs durch die Assyrer im 8. Jahrhundert v.d.Z. verschleppt und versklavt wurden. Während Historiker diese These oft kritisch sehen, hält die Gemeinschaft an der mündlich überlieferten Geschichte fest, die von einer jahrhundertelangen Wanderung über Persien, Afghanistan, Tibet und China bis nach Nordostindien berichtet. Dabei sollen religiöse Rituale wie die Beschneidung oder bestimmte Speisegesetze bewahrt worden sein.

Rückbesinnung auf jüdische Traditionen

Im 19. Jahrhundert wurden viele Angehörige der Bnei Menasche durch christliche Missionare bekehrt. Rund 100 Jahre später soll eine Rückbesinnung auf jüdische Traditionen eingesetzt haben. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Organisation Shavei Israel, die seit den 90er-Jahren die Einwanderung der Bnei Menasche nach Israel unterstützt. Rund 4000 Menschen haben bereits Alija gemacht, mehrere Tausend leben noch in Indien. Trotz offizieller Hilfe bleibt der Prozess kompliziert: Um die Staatsbürgerschaft zu erhalten, ist ein formaler Übertritt zum Judentum nötig.

Der Flug mit 240 indischen Neueinwanderern war der erste von mehreren, die in den kommenden Wochen in drei Phasen rund 600 Menschen nach Israel bringen sollen. Vorrangig handelt es sich um junge Familien, die zunächst in Aufnahmezentren im Norden Israels untergebracht werden. Die Initiative des Ministeriums und der Jewish Agency zielt darauf ab, die Bnei Menasche nach Israel zu bringen. Bis Ende des Jahres sollen etwa 1200 weitere Menschen folgen, bis 2030 ist die Umsiedlung von rund 6000 Angehörigen geplant.

Lesen Sie auch

Integrationsminister Ofir Sofer sprach bei der Ankunft des ersten Fluges von einem historischen Schritt. Besonders symbolisch sei der Zeitpunkt kurz nach dem 78. Unabhängigkeitstag des Landes – ein Moment, in dem die Neuankömmlinge mit den Worten »Willkommen zu Hause« begrüßt wurden.

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Nachrichten

Auszählung, Expats, Einmischung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sophie Albers Ben Chamo  28.10.2026

Knesset-Wahl

Die arabische Antwort auf Ben-Gvir

Die israelischen Araber könnten zum Königsmacher der nächsten Knesset werden

von Sabine Brandes  28.10.2026

Meinung

In der Sackgasse?

Sabine Brandes wünscht sich nach den Wahlen für Israel neue Bündnisse – trotz aller Schwierigkeiten

von Sabine Brandes  28.10.2026

Analyse

Israel im Patt

Der rechte Block gewinnt bei der Auszählung an Boden. Doch weder Regierungslager noch Opposition haben eine klare Mehrheit – und die arabischen Parteien werden zum entscheidenden Faktor

von Sabine Brandes  28.10.2026

Jerusalem

Demokraten-Chef fordert Koalition mit arabischen Parteien

Bei Israels Richtungswahl liegt Netanjahus Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Der Chef der Linksliberalen fordert eine Koalition der Opposition mit Beteiligung arabischer Parteien

 28.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026