Am Ben-Gurion-Flughafen zwischen Lod und Tel Aviv herrschte am Montag eine ausgelassene Stimmung. Mit zahlreichen Flügen trafen Israelis aus aller Welt ein, um an der heutigen Parlamentswahl teilzunehmen, wie »The Times of Israel« berichtet.
Vor allem Anhänger der Opposition empfingen die Rückkehrer mit Fahnen, blauen Luftballons und patriotischen Liedern. Sie sprachen ankommende Passagiere direkt an und versuchten, sie für ihre Parteien zu gewinnen. Der Andrang war zeitweise so groß, dass Sicherheitskräfte eingreifen mussten, damit die Reisenden die Ankunftshalle verlassen konnten.
Besonders präsent waren dem Bericht zufolge Unterstützer der Demokraten von Jair Golan, der Partei Yashar von Gadi Eisenkot sowie des Bündnisses B’Jachad von Naftali Bennett und Jair Lapid. Vertreter der Regierungskoalition waren dagegen kaum zu sehen.
Rucksackreisen in Nepal
Bei einer zweistündigen Beobachtung mehrerer Flüge aus den USA begegnete die Reporterin der »Times of Israel« keinem einzigen ultraorthodoxen Passagier und nur wenigen Anhängern des Likud. Fast alle wollten sich nicht interviewen lassen. Ein besonders lautstarker Likud-Anhänger rief wiederholt »Nur Bibi« und suchte die Auseinandersetzung mit Menschen in T-Shirts des Oppositionslagers.
Die Rückkehrer kamen aus ganz unterschiedlichen Gründen und Lebenssituationen. Manche reisten als ganze Familien an, andere mussten Ehepartner und Kinder im Ausland zurücklassen, weil der Schulbesuch eine gemeinsame Reise verhinderte. Unter den Passagieren waren auch junge Israelis, die ihre Rucksackreisen in Nepal unterbrachen, um ihre Stimme abzugeben.
Orly Goren Tishbi, 46, hatte sich laut »The Times of Israel« für eine besonders kurze Reise entschieden. Sie flog aus San Francisco nach Israel, um bei der Wahl die Demokraten zu unterstützen, und wollte bereits nach 48 Stunden zurückkehren. Ihren Mann Kfir und die beiden Kinder ließ sie in den USA zurück. Die Familie war vor einem Jahr wegen seiner Arbeit in der Technologiebranche dorthin gezogen.
Ankunft aus Hamburg
Am Flughafen nahm Tishbi einen Aufkleber der Partei entgegen. Die Stimmung an Bord habe sie begeistert, sagte sie. »Alle kamen nach Hause, um zu wählen. Ich hoffe und glaube, dass wir etwas verändern werden.«
Aus Kalifornien kam außerdem der konservative Rabbiner Tzvi Graetz, der seit drei Jahren in Rancho Palos Verdes tätig ist. Der in Jerusalem aufgewachsene Israeli mit amerikanischer Staatsbürgerschaft hatte zuvor noch an den US-Zwischenwahlen teilgenommen. Seine Eltern Michael und Naomi waren nach dem Sechstagekrieg 1967 nach Israel eingewandert. Sein inzwischen verstorbener Vater hatte in Omer bei Beerscheba die erste konservative Gemeinde im Negev gegründet.
Wen Graetz bei der israelischen Wahl unterstützen wird, wollte er nicht verraten. Er machte jedoch deutlich, welche politischen Fragen für ihn ausschlaggebend sind: »Ich werde jemanden wählen, der die Ultraorthodoxen zum Dienst in den israelischen Streitkräften verpflichtet. Und ich werde niemanden wählen, der die Ansichten der Diaspora nicht berücksichtigt.«
Matan Kapon, 34, kam mit seiner Frau Ilona sowie den Kindern Leon, vier, und Ada, einem Jahr alt, aus Hamburg nach Israel. Er wollte zwar wählen, erklärte aber, dass er ohnehin im Rahmen einer Delegation nach Israel gereist wäre. Allein für die Stimmabgabe hätte er die Reise nicht unternommen. ja