Zigarren, Champagner, eine Luxusvilla nebenan – und nun Millionen für die Kanzlei von Netanjahus Anwalt? Der australische Milliardär James Packer, der dem israelischen Premier einst teure Geschenke gemacht haben soll, überwies laut einer Recherche der Tageszeitung »Sydney Morning Herald« mindestens 1,25 Millionen Dollar an dessen Anwalt.
Das Geld soll an die Anwaltskanzlei Hadad-Roth-Shenhar geflossen sein, jene Kanzlei, die auch den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu vertritt. Dem Bericht zufolge seien die Gelder über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren überwiesen worden, beginnend im September 2024, in monatlichen Raten von jeweils 50.000 Dollar von Packers Konto auf das Konto der Kanzlei bei einer israelischen Bank. Packer hat die Zahlungen nicht bestritten.
Angeblich seien die Geldtransfers kurz nach der Wiederaufnahme der Beziehung zwischen Packer und Netanjahu begannen. Eine Packer nahestehende Quelle habe angegeben, dass die Banküberweisungen für in seinem Auftrag erbrachte Leistungen erfolgt seien, darunter die Identifizierung potenzieller Geschäfte in Israel, und in keinem Zusammenhang mit dem Netanjahu-Prozess stünden so der Bericht. Allerdings seien der australischen Zeitung keinerlei Belege für derartige Geschäfte in Israel vorgelegt worden.
Packer soll per Videoschalte im Netanjahu-Prozess aussagen
Ausgerechnet am selben Tag bat Rechtsanwalt Amit Hadad darum, Packer per Videoschalte als Zeugen im Netanjahu-Prozess aussagen zu lassen. Hadad erklärte, er und seine Kanzlei verträten Unternehmen, die von Packer kontrolliert werden, und zwar in Angelegenheiten, »die in keinerlei Zusammenhang mit dem laufenden Prozess stehen«.
Der Millionär aus Sydney ist im Netanjahu-Prozess als Zeuge der Anklage gelistet. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft ihn bislang jedoch weder als Zeugen aufgerufen noch erklärt, dass sie auf seine Aussage verzichtet. In der Akte werde Packer 34-mal erwähnt wird, seine Rolle im Verlauf des Prozesses kam wiederholt zur Sprache.
Der Geschäftsmann Packer wurde in Israel durch seine Verwicklung in den sogenannten »Fall 1000« bekannt, eine Angelegenheit, die im Dezember 2016 öffentlich wurde und in deren Rahmen gegen Premierminister Netanjahu wegen Bestechungsdelikten ermittelt wurde. Nach Einschätzung der Polizei haben Packer und der israelische Geschäftsmann Arnon Milchan, der in den USA lebt, dem Premier zwischen 2007 und 2016 – angeblich auf dessen Wunsch hin – Zuwendungen im Wert von etwa einer Million Schekel zukommen lassen. Zu den Geschenken zählten unter anderem roséfarbener Champagner, Zigarren und teurer Schmuck.
Der Anklageschrift zufolge bestand zwischen 2014 und 2016 eine persönliche Beziehung zwischen Packer und dem Premierminister. Im Rahmen dieser Beziehung ließ Packer dem Ehepaar Netanjahu wiederholt und bei zahlreichen Gelegenheiten Zigarren sowie Kisten mit Champagner zukommen. Die Anklagebehörde macht geltend, dass diese Zuwendungen einen Gesamtwert von etwa 230.000 Schekel erreichten.
Anwalt von Netanjahu: »Kanzlei vertritt Unternehmen, die von Packer kontrolliert werden, und zwar in Angelegenheiten, die in keinerlei Zusammenhang mit dem Prozess stehen.«
Es ist anzumerken, dass die Beziehung zwischen Netanjahu und Packer – anders als im Fall von Arnon Milchan, bei dem Netanjahu angeblich offizielle Regierungshandlungen vorgenommen haben soll – persönlicher Natur war und auf Packers Bewunderung für Netanjahu beruhte. Zudem erfolgten die Zuwendungen »im Zusammenhang mit seinem Status als Premierminister«.
Der israelische Ministerpräsident hat stets jegliche Schuld von sich gewiesen und die Vorwürfe der Bestechlichkeit kategorisch zurückgewiesen. Den Korruptionsprozess gegen sich und seine Familie bezeichnete er als »Hexenjagd«.
Netanjahu weist Vorwürfe kategorisch zurück
Packer und Netanjahu lernten sich 2014 kennen, nachdem der Milliardär dem Premierminister durch den gemeinsamen Freund Milchan vorgestellt worden war. Packer kaufte später eine luxuriöse Villa in Caesarea, direkt neben dem privaten Wohnhaus der Netanjahus. Nach Berichten aus Israel nutzte die Familie Netanjahu Packers Haus auch persönlich, wenn der Milliardär selbst nicht dort war. Angeblich soll Netanjahu die Villa für Treffen genutzt haben, und auch sein Sohn Yair habe sich dort aufgehalten.
Die persönliche Assistentin Milchans und Mitarbeiterin Packers, Hadas Klein, hatte bereits im Prozess ausgesagt, dass Netanjahu wegen des betreffenden Hauses, das neben seinem eigenen liegt, Kontakt mit Packer aufgenommen habe.
Yair Netanjahu habe laut damaligen Medienberichten ebenfalls von der Großzügigkeit des Milliardärs aus Down Under profitiert. Packer soll ihm längere Aufenthalte in Luxushotels in Tel Aviv, New York und Aspen ermöglicht und ihm seinen Privatjet für Reisen zur Verfügung gestellt haben.
Auch Yair Netanjahu soll von Packers Großzügigkeit profitiert haben
Packer erklärte in einer Aussage, er habe Yair sehr gemocht und viel Zeit mit ihm verbracht. Sie seien gemeinsam in Nachtclubs gegangen. Yair habe in seiner Wohnung in Tel Aviv und in seiner Hotelsuite in New York übernachtet und sei mit seinem Privatjet nach Aspen geflogen. Diese Vergünstigungen hätten ihn nichts gekostet und entsprächen seinem Umgang mit Freunden, so der Geschäftsmann.
Zu dieser Freundschaft gehörte auch die Sängerin Mariah Carey, mit der Packer damals verlobt war. Als Carey 2015 in Israel auftrat, soll Packer nach Medienberichten zehn Konzertkarten für Sara Netanjahu und sieben weitere für den damaligen Leiter des Nationalen Sicherheitsrats, Yossi Cohen, bezahlt haben. Auch Yair Netanjahu wurde mit Carey fotografiert.
Diese Berichte über Aufenthalte in Luxushotels, Flüge im Packer-Privatjet und Konzertkarten der Schmusesängerin sind Teil der Ermittlungen zu den mutmaßlichen Geschenken an die Familie Netanjahu. Premier Netanjahu hatte seinerzeit über seinen Sprecher erklären lassen, dass James Packer ein guter Freund der Familie sei und Yair das Recht habe, von Freunden eingeladen zu werden.
Derweil setzt Rechtsanwalt Hadad am Bezirksgericht Jerusalem sein Kreuzverhör des ehemaligen israelischen Generalstaatsanwalts Avichai Mandelblit fort, der als Zeuge der Verteidigung aussagt. Netanjahus Anwalt Hadad lehnte Anfragen von Journalisten um eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.