»Mabat leChadaschot«

Abschied mit Tränen

Mit tränenerstickter Stimme gab Geula Even das Ende von »Mabat leChadaschot« bekannt. Foto: Screenshot JA

Tränen und am Ende die Hatikwa: Am Dienstagabend haben sich die Mitarbeiter von Mabat leChadaschot (Blick in die Nachrichten) in Israels öffentlich-rechtlichem Fernsehen, einem Pendant zur Tagesschau, mit einem emotionalen Auftritt von ihren Zuschauern verabschiedet.

Moderatorin Geula Even gab während der Sendung unter Schluchzen bekannt: »Gerade kam eine Mitteilung (…) aus der Knesset: Heute Abend wird die letzte Ausgabe von ›Mabat‹ gesendet. Ich möchte allen Menschen danken, die hier jahrelang gearbeitet haben.« Sie hoffe, dass alle Beschäftigen in Zukunft ihren beruflichen Weg finden, sagte die weinende Moderatorin. Am Ende der Sendung versammelten sich die Mitarbeiter und sangen vor laufender Kamera die Hatikwa, die israelische Nationalhymne.

Neue Rundfunkbehörde
Mabat wird seit 49 Jahren im Ersten Israelischen Fernsehsender ausgestrahlt und ist eine Institution bei Israels TV-Zuschauern. Regierungschef Benjamin Netanjahu will die staatliche Israelische Rundfunkbehörde (IBA) durch eine neue, reformierte Behörde namens »Kan« ersetzen. Mitarbeiter von Mabat sind der Ansicht, Netanjahu könne kritische Berichterstattung nicht ertragen und wolle die Medien stärker kontrollieren.

Netanjahu selbst äußerte sich am Mittwoch kritisch über das plötzliche Aus für Mabat. Sein Büro teilte mit, der Regierungschef halte die Art und Weise, in der das Absetzen der Sendung mitgeteilt wurde, für »nicht würdig und nicht wertschätzend«. Er habe davon erst aus den Medien erfahren und sei an der Entscheidung nicht beteiligt gewesen, so Netanjahu weiter.

Reuven Rivlin Staatspräsident Reuven Rivlin äußerte sich im Sender »Reschet Bet« des öffentlich-rechtlichen Rundfunks »Kol Israel« zur Zukunft der staatlichen Medien in Israel. Rivlin sagte: »Ein staatlicher Rundfunksender ist sehr wichtig, damit die Regierung ihre Positionen äußern kann. Aber die Behörde gehört der Öffentlichkeit und ist für die Öffentlichkeit bestimmt.« Er sei sich sicher, dass die Leitung der neuen Rundfunkbehörde »Kan« sich bewusst sei, »dass sie nicht dem einen oder anderen Komissar dient, sondern für die Öffentlichkeit arbeitet«.

Zuvor hatte der Leiter des Ersten Israelischen Fernsehsenders, Eli Baba, den Stil, in dem das Aus für Mabat kommuniziert wurde, scharf kritisiert:: »Wir wollten eine Abschiedssendung ausstrahlen (…) und möglicherweise als Übergabe eine gemeinsame Sendung mit der neuen Rundfunkbehörde machen. Jetzt ist alles abgeschnitten worden. Das Herz bricht beim Gedanken an die Mitarbeiter, die nicht einmal rechtzeitig benachrichtigt werden konnten.«

knesset Am kommenden Montag soll die neue Rundfunkbehörde Kan ihre Arbeit aufnehmen – das wurde am Dienstagabend bei einer Marathonsitzung der Knesset vereinbart. Am Mittwoch soll das israelische Parlament darüber abstimmen. Danach sollen die Sendungen auf zwei öffentlich-rechtlichen TV-Kanälen und acht Radiostationen eingestellt und durch Kan-Kanäle ersetzt werden.

David Hahn, Liquidator der IBA, sagte nach Angaben der israelischen Zeitung »Haaretz«, die neue Behörde habe bereits 440 der mehr als 1050 Angestellten der IBA unter Vertrag genommen. In der Knesset wurde demnach am Dienstag vereinbart, dass diese Zahl auf 510 erhöht werden kann. Die restlichen über 500 Beschäftigten sollen sich auf zeitlich befristete Stellen bei der Regierung bewerben dürfen. Die IBA-Mitarbeiter lehnen diese Regelung laut Haaretz ab.

In einem Kommentar der englischsprachigen Online-Ausgabe von Haaretz hieß es am Mittwoch, Benjamin Netanjahu misstraue der Mabat-Moderatorin Geula Even zutiefst, weil sie seit mehreren Jahren mit einem seiner politischen Rivalen, dem Likud-Politiker Gideon Saar, verheiratet ist. »Bibi kann einfach nicht glauben, dass ein Journalist in der Lage ist, objektiv zu sein«, hieß es in dem Kommentar.

www.jpost.com/Israel-News/Watch-Channel-1-anchor-in-tears-announces-last-broadcast-490255

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