Die zentrale israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat bekannt gegeben, dass ihr erstes Bildungszentrum in Deutschland in München entstehen soll. Erstmals seit der Eröffnung im Jahr 1953 wird das Museum damit um einen Standort außerhalb Israels erweitert.
Zu diesem Schritt entschließt sich das Museum nach eigenen Angaben »in einer Zeit, in der weltweit verzerrte Darstellungen der Geschichte des Holocaust zunehmen und der Antisemitismus sich weiter ausbreitet«. Das neue Zentrum soll am Karolinenplatz 4 und damit in unmittelbarer Nähe zum israelischen Generalkonsulat und zum NS-Dokumentationszentrum im Herzen Münchens entstehen – bewusst im ehemaligen »Parteiviertel« der NSDAP.
Geplant ist die Eröffnung des Bildungszentrums innerhalb der kommenden drei Jahre, eine Außenstelle soll zudem in Leipzig entstehen. Als Plattform für Aufklärung über den Holocaust werden diese Standorte nicht nur Besucher aus Deutschland ansprechen, sondern auch Gästen aus den europäischen Nachbarländern das Expertenwissen des Museums vermitteln.
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), Charlotte Knobloch, begrüßte die Mitteilung in einer Stellungnahme unmittelbar nach deren Bekanntgabe. Mit dem Entschluss, das Bildungszentrum in München zu eröffnen, habe Yad Vashem »die richtige Entscheidung getroffen«. Der bayerischen Landeshauptstadt komme dabei nicht nur aufgrund ihrer Vergangenheit eine symbolische Bedeutung zu, so die IKG-Präsidentin, die den NS-Terror als junges Mädchen in München selbst miterlebt hatte.
Geplant ist die Eröffnung des Bildungszentrums innerhalb der kommenden drei Jahre.
»Mit ihrer Geschichte als frühere ›Hauptstadt der Bewegung‹ und ihrer Gegenwart als Ort des Erinnerns und Knotenpunkt des jüdischen Lebens in Europa bietet unsere Stadt perfekte Voraussetzungen für eine Einrichtung, die die Gedenkkultur in einer neuen Epoche stärken soll.«
Knobloch betonte weiter, »angesichts einer stetig sinkenden Zahl von Zeitzeugen bei gleichzeitigem Anwachsen des politischen Extremismus vor allem, aber nicht nur von rechts« sei der Aufbau neuer Strukturen innerhalb der organisierten Erinnerungsarbeit »besonders dringlich«. Das Bildungszentrum werde »als Gegengewicht zu Entwicklungen in Politik und Gesellschaft gebraucht«, Judenhass könne »ohne Kenntnis der Geschichte« nicht bekämpft werden.
Wenn Yad Vashem deshalb »künftig vor Ort mit den Menschen und Institutionen in München, Bayern und ganz Deutschland gemeinsam daran arbeitet, das Gedenken an den Holocaust lebendig zu halten, dann ist das eine gute Nachricht für die demokratische Kultur insgesamt in unserem Land«, sagte Knobloch abschließend.