Jubiläum

»Wir sind eine Familie«

Spätherbst 1965: Die jiddischsprachige Münchner »Naje jiddishe Tsaitung« berichtet über ein provisorisch anmutendes Treffen am 29. November bei der »Bank Feuchtwanger«. Gemeint war Walter Feuchtwanger, Neffe des berühmten Autors Lion und seinerzeit Vizepräsident von Makkabi Deutschland. Feuchtwanger hatte den Zweiten Weltkrieg in Tel Aviv überlebt, über Brasilien führte ihn sein Weg nach München.

Auch die anderen Versammelten waren Holocaust-Überlebende, unter ihnen die Sportler Jakob Nussbaum und Arnold (Abrascha) Arluk, die auf der Sitzung provisorisch zu Vorstand und Stellvertretendem Vorstand eines neuen Vereins bestimmt wurden, während der Kaufmann Ludwig Kalter die Finanzleitung übernahm. Somit konnte in der Zeitung verkündet werden: »Auf einer Sitzung des Initiativen-Ausschusses zur Gründung einer Abteilung des Sportvereins ›Maccabi‹ in München ist einstimmig die Gründung eines solchen Vereins beschlossen worden.«

»Fundament für eine jüdisch-sportliche Institution in München«

Zum ersten Mal seit den Sportvereinen in den Displaced-Persons-Camps war »damit das Fundament gelegt worden für eine jüdisch-sportliche Institution in München«. Auf der Sitzung beschlossen die Anwesenden weiter, für den 15. Dezember zu einer offenen Versammlung einzuladen, an der auch »Freunde und Sympathisanten von Maccabi in München« teilnehmen konnten und die die provisorische Vereinsgründung in einen amtlichen Vorstand überführen sollte.

Auch der Vater des heutigen Maccabi-Vorsitzenden Robby Rajber war Ende der 60er-Jahre als Gründungs- und Vorstandsmitglied Teil der Geschichte des TSV Maccabi München. Er reiste 1969 als Mitglied der deutschen Delegation zur Makkabiade nach Israel. Es war das erste Mal, dass eine deutsche Mannschaft in Israel vertreten war. Robbys Bruder Moritz trug damals die deutsche Fahne in das Stadion. Seit 2005 steht Robby Rajber selbst Maccabi München vor und ist mit diesen 20 Jahren inzwischen Rekordhalter. Auch den langjährigen Amtsinhaber Jakob Nussbaum hat er damit übertroffen.

Der Verein ist heute »ein Miteinander – denn wir leben Maccabi«, erklärte der Vorsitzende stolz auf dem Ball zum 60-jährigen Gründungsjubiläum Ende April: »Wir sind eine Familie.« Mit rund 1000 Mitgliedern aus über 40 Nationen und allen Glaubensrichtungen versteht sich der TSV Maccabi als Brückenbauer weit über die Stadtgesellschaft hinaus und doch zugleich unverändert als stolzer jüdischer Verein.

Der Verein stehe für Toleranz, Integration und sportliche Fairness, sagte Stadtrat Beppo Brem.

Die 60-Jahr-Feier fand passenderweise am Abend von Jom Haazmaut und damit gemeinsam mit der Feier zum 77-jährigen Bestehen des Staates Israel im festlich geschmückten Hubert-Burda-Saal im Jüdischen Gemeindezentrum am Jakobsplatz statt. Wie von einem Maccabi-Ball kaum anders zu erwarten, wurden die historischen Anlässe mit Bewirtung aus dem Gemeinderestaurant »Einstein«, Tanz auf dem Parkett und israelischer Musik der Band »Noya« üppig gefeiert. »Das Leben siegt«, bemerkte Robby Rajber dazu mit Blick auf die nach wie vor in Gaza festgehaltenen israelischen Geiseln, »und wir werden immer mit dem Leben siegen.«

Auch die von den Hunderten Gästen mit Spannung erwartete Tombola, bei der es neben einem Flug nach Israel und einem Elektroroller sogar ein Auto zu gewinnen gab, setzte eine in der Geschichte des Vereins lange verwurzelte Tradition fort. Das allererste Fahrzeug des Auto-Enthusiasten Robby Rajber war ein Geschenk seines Vaters gewesen, der es seinerseits bei einer Maccabi-Tombola Ende der 70er-Jahre gewonnen hatte.

Ehrenmedaillen des Vereins für Engagement

Durch den Abend führte die Moderatorin Ilanit Spinner gemeinsam mit Patrick Guttmann aus dem Maccabi-Vorstand. Noch eindrücklicher wurde das Event für die langjährigen Mitglieder Moritz Rajber und Peter Guttmann, die für ihr Engagement – Guttmann war in den 90er-Jahren selbst Vorsitzender gewesen – die Ehrenmedaillen des Vereins erhielten. Mit Harry Habermann und Amir Borenstein wurden außerdem zwei weitere hochverdiente Mitglieder ausgezeichnet.

Allen ehrenamtlichen Helfern von Maccabi wurde mit dem Entzünden von zwölf Kerzen gedankt. Die enge Verbundenheit des Vereins mit der Stadtgesellschaft unterstrichen mit ihrer Anwesenheit mehrere Mitglieder des Münchner Stadtrats. Beppo Brem (Die Grünen – Rosa Liste) bezeichnete in seiner Rede den TSV Maccabi München als einen »unverzichtbaren Teil unserer Stadtgesellschaft«. Der Verein stehe »für Toleranz, Integration und sportliche Fairness – Werte, die wir in München hochhalten«.

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch äußerte sich anschließend hoch zufrieden über den gelungenen Ball: »Ich freue mich immer, wenn solche besonderen Events bei uns im Hause stattfinden. Der Abend war ganz ohne Frage einer der Höhepunkte in diesem Jahr.« Auch Knobloch gratulierte dem Verein und seinen Mitgliedern zum 60. Geburtstag: »Es ist einfach großartig, was Sie alle in dieser Stadt für die jüdische Gemeinschaft leisten!« Dass die Israelitische Kultusgemeinde tags darauf Jom Haazmaut bei einem großen Sommerfest auf dem Gelände von Maccabi München feierte, machte noch einmal deutlich, wie eng Verein und jüdische Gemeinde miteinander verbunden sind.

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