Israeltag

Wenn Freunde feiern

Bereits zum 20. Mal fand in der vergangenen Woche der Israeltag in München statt, und wieder einmal hatte die vom Verein »I Like Israel« (ILI) initiierte Veranstaltung auf dem Odeonsplatz viel zu bieten. Der ILI-Vorsitzende Sacha Stawski führte als Moderator durch das vielfältige Programm, das von Volkstanz und Chormusik sowie Musik von DJ Yaniv Tal und den HipHop Kids der Sinai-Grundschule bis zum Middle Eastern Deli mit Köstlichkeiten wie der israelischen Weinverkostung im Rahmen eines israelischen Basars reichte.

Bis zu 2000 Gäste fanden sich ein, um sich an den Ständen auszutauschen oder es sich einfach nur mit Freunden unter Sonnenschirmen gemütlich zu machen. Zwei Konzerte, die Sängerin Shai Terry & Adi Bar Soria am E-Piano sowie das Tachles Project, ließen die Veranstaltung am Abend stimmungsvoll ausklingen.

»Israel ist eine Notwendigkeit und ein wahr gewordener Traum.«

Charlotte Knobloch

Die 20. Ausrichtung des Israeltages war dabei nicht gleichbedeutend mit dem 20-jährigen Jubiläum der Veranstaltung, wie die Chef-Organisatorin Anat Rajber betonte. Zwei Mal hatte München auf die Veranstaltung verzichten müssen, einmal infolge der Corona-Pandemie und einmal nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023. Davon abgesehen, fand das Event seit 2004 in jedem Jahr statt, und Rajber ist stolz auf diese Kontinuität. Die Arbeit bleibe anspruchsvoll: »Im Netz begegnen uns leider oft negative Kommentare. Aber wir glauben an das, was wir machen, und wir feiern Israel mit Stolz. Viele Freunde begleiten uns dabei seit vielen Jahren und kommen immer wieder, weil sie genau spüren, was wir vermitteln wollen: eine ausgelassene und gute Atmosphäre«, so Rajber.

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) und langjährige Schirmherrin des Israeltags, hob in ihrer Ansprache die Bedeutung des jüdischen Staates für die jüdische Gemeinschaft weltweit hervor: »Israel ist ein Land und ein Gefühl, es ist eine Notwendigkeit und ein wahr gewordener Traum. Es ist ein Anker des jüdischen Volkes auf dieser Welt und unsere Lebensversicherung.«

»Wie viel ärmer wären wir alle, wenn es Israel nicht gäbe!«

Zugleich betonte Knobloch, dass Israel nicht allein für jüdische Menschen eine wichtige Rolle spiele: »Wohin man schaut, ob in Wirtschaft, Wissenschaft, Unterhaltung, Medizin, Technologie – das kleine Land trägt so viel bei zu Fortschritt und Entwicklung auf dieser Welt. Wie viel ärmer wären wir alle, wenn es Israel nicht gäbe!« Dass so viele Zeitgenossen dies nicht einsähen, sei, so die IKG-Präsidentin, im Grunde nur durch Blindheit zu erklären, »Blindheit aus Ignoranz oder aus Hass«.

Dieses Problem aber greife um sich, wie Knobloch auch eingedenk der schweren Situation seit dem 7. Oktober ausführte. »Dabei hätte Israel die weltweite Unterstützung heute so dringend nötig und so sehr verdient wie seit einer Generation nicht mehr.«

Das Land befinde sich auch nach der Rückkehr der letzten Geiseln weiterhin im Abwehrkampf. Auch wenn Israel nicht frei von Fehlern sei, bleibe unverständlich, warum die öffentliche Meinung nicht eindeutig an der Seite der bedrängten Demokratie Israels stehe; schon der Eindruck einer Äquidistanz zu den vom iranischen Regime unterstützten »islamistischen Mörderbanden« auf der anderen Seite sei schädlich. »Ich bin sprachlos«, bekannte Knobloch, »dass so viele Menschen das Offensichtliche nicht sehen können.« Trotz allem zeige sich Deutschland auch in diesen schwierigen Zeiten immer wieder als Freund Israels. Dafür ist Knobloch weiterhin »froh und dankbar«.

Neben der IKG-Präsidentin war auch der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München Schirmherr der Veranstaltung, wobei der neue Amtsinhaber Dominik Krause die gute Tradition seiner Vorgänger fortsetzte. Aufgrund des engen Terminkalenders wurde Krause auf dem Odeonsplatz von Stadträtin Nimet Gökmenoğlu vertreten, die auf Errungenschaften des jugendlichen jüdischen Staates zurückblickte: »Der Staat Israel wird in diesem Jahr gerade einmal 78 Jahre alt – gemessen an der langen Geschichte des jüdischen Volkes ist das ein junges Alter.«

Die Jahre seit Gründung des jüdischen Staates waren geprägt von Aufbau und Innovation.

Doch seien diese 78 Jahre geprägt gewesen »von außergewöhnlichen Leistungen, von Aufbau, Innovation und dem unerschütterlichen Willen, Demokratie und Freiheit unter oft schwierigsten Bedingungen zu verteidigen«. Gökmenoğlu wandte sich in scharfen Worten gegen den anwachsenden Antisemitismus, den sie als Schaden für die gesamte Gesellschaft beschrieb. »Wenn jüdische Menschen in Deutschland darüber nachdenken müssen, ob sie religiöse Symbole offen tragen können, dann betrifft das nicht nur die jüdische Gemeinschaft. Dann betrifft das unsere Demokratie insgesamt«, sagte Gökmenoğlu.

»Jetzt erst recht treten wir für Vielfalt, Demokratie und Menschenwürde ein«

Die Antwort müsse nun lauten, sich erst recht an die Seite jüdischen Lebens zu stellen: »Jetzt erst recht widersprechen wir Antisemitismus. Jetzt erst recht treten wir für Vielfalt, Demokratie und Menschenwürde ein. Und jetzt erst recht pflegen wir die Freundschaft mit Israel!«

Für das israelische Generalkonsulat sprach Vizegeneralkonsulin Silvia Berladski Baruch. Sie zeigte sich erfreut darüber, dass gerade in diesen schwierigen Zeiten Menschen zusammenkommen, um sich für Israel einzusetzen. Der Kurde Alan Wali, vor über zehn Jahren aus Kobane, einer Stadt im syrisch-türkischen Grenzgebiet geflohen und inzwischen Mitglied der CSU, betonte in seiner Ansprache die Ausnahmestellung Israels im Nahen Osten, da das Land verschiedene Menschengruppen freundschaftlich zusammenführen könnte. Neben weiteren Redebeiträgen war auch der bekannte israelisch-amerikanische Autor Tuvia Tenenbom für ein Gespräch auf der Bühne zu Gast.

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