Für die jüdische Familie Frank werden am 8. September in Erfurt zwei Stolpersteine verlegt. Die Steine erinnern an Herbert Frank und seine Tochter Ingeburg Geißler. Die heute 94-jährige Geißler gehöre zu den wenigen noch lebenden Zeitzeuginnen und lebe in Berlin, teilte die Initiative Stolpersteine am Montagabend in Erfurt mit. Wegen ihres hohen Alters werde sie voraussichtlich nicht an der Verlegung teilnehmen können, jedoch sollen Auszüge aus einem Interview mit ihr zu hören sein.
Geißler wurde 1932 in Erfurt als Tochter ihres jüdischen Vaters Herbert Frank und einer christlichen Mutter geboren. Die Nationalsozialisten verfolgten sie als sogenannte »Halbjüdin«. Am 31. Januar 1945 wurde sie als Zwölfjährige in Erfurt-Marbach verhaftet und noch am selben Tag durch die Gestapo nach Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager kehrte sie nach Erfurt zurück.
Eine erste Auswanderung nach Palästina scheiterte
Ihr Vater Herbert Frank war Angaben zufolge Landschaftsgestalter in der Erfurter Gärtnerei Benary. Bereits 1933 sei er mit seiner Frau und Tochter nach Palästina ausgewandert, aber schon nach wenigen Monaten zurückgekehrt. Es folgten die Scheidung der Eltern zum Schein, Franks Verhaftung nach dem Novemberpogrom 1938 und seine Flucht nach Shanghai 1939. Der Versuch, seine Familie nachzuholen, scheiterte. Ingeburg lebte fortan bei Großtante und Großonkel in Marbach.
Die Initiative »Stolpersteine Erfurt« gründete sich 2024 als Projekt der Bürgerstiftung Erfurt. Sie setzt einen Stadtratsbeschluss von 2023 zur Verlegung der Gedenksteine in der Stadt um. epd