Pessach

Vorfreude trifft Tradition

Die Zeit vor dem Fest ist für die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, jedes Jahr eine ganz besondere: »Pessach ist immer schon Wochen vor dem Fest im ganzen Haus zu spüren. Da geht es uns als Gemeinde wie einer großen Familie.« Die gesamte Gemeinde stelle sich auf Pessach ein.

In allen Abteilungen sind die Vorbereitungen im Gange, vom Rabbinat bis zum Restaurant, von den Erziehungseinrichtungen bis zum Seniorenheim, vom Facility-Management bis zur Verwaltung. Es ist eine besondere Mischung aus Fleiß, Anspannung und Vorfreude. »Besonders freue ich mich mit den Kindern, die jedes Jahr eine bewundernswerte Kreativität an den Tag legen«, so die IKG-Präsidentin, »und ich danke allen Mitarbeitern sowie den Ehrenamtlichen, die ihren Beitrag dazu leisten, dass Pessach für unsere Gemeinde auch in diesem Jahr ein wunderschönes Fest wird.«

Eines der wichtigsten Feste im jüdischen Jahreszyklus

Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman erklärt, warum Pessach eines der wichtigsten Feste im jüdischen Jahreszyklus ist: »Wir feiern den Auszug aus Ägypten und dass Haschem uns zu seinem Volk gemacht hat – das ist die Grundlage des jüdischen Lebens. Pessach ist außerdem wahrscheinlich das Fest mit den aufwendigsten Vorbereitungen. Als Gemeinderabbiner bin ich verantwortlich dafür, dass jedes Gemeindemitglied die Möglichkeit hat, Pessach der Halacha gemäß zu feiern.«

Moses-Körbchen, Mazze-Taschen, Pessach-Teller – alle Kinder sind fleißig bei der Sache.

Bis heute sei das Fest eine gute Gelegenheit, auch diejenigen Gemeindemitglieder anzusprechen, die weniger mit der Tradition verbunden sind: »Es ist mir wichtig, dass sich alle zugehörig fühlen«, betont der Rabbiner. »Darum bemühe ich mich, das Fest, seine Bräuche und ihre Bedeutung so vielen wie möglich in einfachen Worten zu erklären.«

Auch im Alexander-Moksel-Kindergarten ist für Pessach ein großes Fest geplant. Die Aufregung spürt man gerade bei den ganz Jungen, denn alle Gruppen dürfen in diesen Tagen etwas vorbereiten. Ob es ein Lied ist oder ein Tanz oder die in den verschiedenen Bastelgruppen liebevoll gestalteten Moses-Körbchen und Pessach-Teller – alle sind fleißig bei der Sache.

Wer sich die Geschichte des Auszugs aus Ägypten besonders lebhaft vor Augen führen will, kann seine eigene Haggada gestalten. Und auf die Mazze-Taschen und Kissenbezüge für den Seder malen die Kinder Moses, wie er das Meer teilt. Das Highlight, auf das alle hinfiebern: Auch ein kleines Musical, geschrieben vom Personal des Kindergartens, wird von den Kindern aufgeführt. Im Religionsunterricht am Helene-Habermann-Gymnasium werden schon seit einigen Wochen diejenigen Paraschot studiert, in denen die Geschichte des Auszugs aus Ägypten und der Übergang von der Knechtschaft zur Freiheit erzählt werden.

Übergang zur Freiheit

Besonders die Bedeutung dieses Übergangs zur Freiheit wird in den kommenden Tagen im Unterricht bei Limud Tora thematisiert werden, und auch die verschiedenen Mizwot und Minhagim für Pessach stehen auf dem Lehrplan. Im Kunstunterricht geht es kreativ zu: Die Schülerinnen und Schüler haben Modell-Pyramiden gebaut – mitsamt dem mumifizierten Pharao.

Das Programm von Mifgasch Chawerim, dem Treff in der Zaidman Seniorenresidenz, steht gleichfalls im Zeichen von Pessach. So werden Dinah Zenker und Chaim Frank jeweils einen Schiur über berühmte Haggadot und jüdische Komponisten halten. Ein Höhepunkt wird das Chametz-Verbrennen mit Rabbiner Jan Guggenheim am 11. April im Garten der Seniorenresidenz sein, wo die letzten Reste gesäuerten Brotes vor der Pessach-Woche verbrannt werden.

»Pessach ist in der Vorbereitung zwar anstrengend«, meint Talia Presser vom Seniorentreff. »Aber dann ist es ein wunderschönes Familienfest, das alle Bewohner im Haus mit ihren Angehörigen und Freunden feiern können.«

Zwei Sederabende nach einem Schabbat

In diesem Jahr beginnt Pessach direkt nach einem Schabbat. Das bedeutet für das Fest also zwei Sederabende nach einem Schabbat, und dies stellt das Restaurant Einstein in der Gemeinde vor besondere Herausforderungen. »Das wird eine enge Nummer«, meint Restaurantleiter Swen Tweer. »Am ersten Sederabend haben wir nach Schabbatende nur eine Dreiviertelstunde Zeit zur Vorbereitung – dann muss alles stehen.« Aber das wird es, daran hat Tweer keine Zweifel. Denn er kann sich auf ein eingespieltes Team verlassen, und natürlich beginnen die Vorbereitungen schon lange vorher.

Vom 2. bis 4. April wird gekaschert, in dieser Zeit bleibt das Restaurant geschlossen. Auch in diesem Jahr bietet das Restaurant Einstein wieder ein Take-away-Sedermenü, das sich in den letzten Jahren großer Beliebtheit erfreut – und inzwischen auch an die jüdischen Gemeinden in Salzburg, Graz und Innsbruck verkauft wird, wie Tweer berichtet. »Natürlich finden auch im Restaurant sowie im Hubert-Burda-Saal und im kleinen Saal des Gemeindezentrums wieder festliche Sederabende statt. Dazu werden am ersten Abend bis zu 450 Gäste und zum zweiten Seder noch einmal etwa 250 Gäste erwartet.«

Anmeldungen bzw. Bestellungen sind noch bis zum 4. April möglich, telefonisch unter 089/202 400 333 und per E-Mail an: bestellungen.restaurant@ikg-m.de oder über die Webseite des Restaurants: www.einstein-restaurant.de/pessach

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