WIZO

Venedig am Neckar

Warum soll ein Fest, das in Köln und Düsseldorf möglich ist, nicht auch am Neckar funktionieren? Zumal, wenn Purim in wenigen Tagen beginnt. »Wir trauen uns«, dachten sich Frauen der WIZO-Gruppe Württemberg und Hohenzollern und riefen den Maskenball zu Purim ins Leben.
»Wir wollten immer etwas Größeres machen«, sagt Sabina Morein, WIZO-Präsidiumsmitglied und Vereinspräsidentin. In den kommenden Tagen wird also ein Hauch von Venedig in Stuttgart wehen, wenn am 7. März der erste Maskenball im Kursaal Bad Cannstatt stattfinden wird. »Gemeinsam Gutes tun – Kindern eine Zukunft schenken« lautet das Motto. Der Erlös soll Hilfsbedürftigen in Israel zugutekommen.

Außerdem sei am 8. März der Internationale Frauentag, und Morein möchte daran erinnern, was Frauen im Alltag alles schaffen: Muttersein mit Familienpflichten teilen, gleichzeitig einen Job und möglichst auch ein Ehrenamt stemmen. Daher die Idee der Maske: »Eine Frau, die sich hinter einer Maske versteckt, hat so viele Aufgaben. Man sieht nur eine Person, aber man weiß gar nicht, was dahintersteckt. Das ist unsere Stärke, zu erkennen, wer wir sind.«

In den Frauentag hineinfeiern

Die Schirmherren- wie -frauenschaft des Events teilen sich Manuel Hagel, CDU-Landesvorsitzender und Gudrun Nopper, Vorsitzende des Vereins »Stille Not Stuttgart«. Der Verein arbeite eng mit Nopper zusammen: »Sie ist ein Teil unseres Super-Teams, und sie hat uns total motiviert.« Nopper habe »viele Türen für uns geöffnet«. So war es auch nicht besonders schwierig, Sponsoren zu finden, die den Ball finanziell fördern und auch die Tombola bestücken.

Es sei nun an der Zeit gewesen, sich einmal ganz anders und neu zu präsentieren, sagt Morein im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. »Wir wollten uns auch anbieten im Schwabenland; die richtigen Leute kennenlernen und dass man uns kennenlernt. «Wie der Maskenball sein wird, kann ich nicht sagen. Wir sind gut vorbereitet und lassen uns überraschen, wie die Gäste es aufnehmen werden», sagt Morein. Die Resonanz jedenfalls ist enorm. 200 Karten wurden bereits verkauft.

«Wir erwarten Gäste aus Baden-Baden, Pforzheim, Karlsruhe, der Stuttgarter Region, Frankfurt, Düsseldorf und sogar aus der Schweiz», freut sich die Vorsitzende – Gäste aus der Politik sowie Künstler und «einfach Freunde von Freunden. Wirklich eine Multi-Kulti-Gesellschaft, auch alle Religionen sind vertreten». Die Vize-Miss Deutschland werde da sein wie auch Vertreter der Kölsche Kippa Köpp. «Das ist keine Gemeindefeier und zeigt, dass wir gut integriert sind in Stuttgart.»

Ehrengast ist die Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Stuttgart, Isabel Fezer, die auch das Referat Jugend und Bildung leitet. WIZO-Präsidentin Nicole Faktor wird ebenfalls vor Ort sein. «Das ist geballte Frauenpower», sagt Svetlana Galper. So könne man gut in den 8. März hineintanzen.
Job, Ehrenamt, Familie: Frauen tragen im Alltag viele Hüte, und manchmal auch Masken.

Musik kommt von der Berliner Klas Band, und eine Überraschung ist auch geplant. So viel sei verraten, es hat mit viel Licht und dem Logo zu tun. Die Moderation übernimmt der Antenne 1-Radiomoderator Chris Fleischhauer.

Diese Kombination aus Show, Moderation, Musik und Stadtgesellschaft gibt Morein Sicherheit. «Wir fühlen uns gut in Deutschland, aber wir sind auch baff, wie großzügig uns die Stuttgarter Gesellschaft bei unserer Idee unterstützt», sagt Sabina Morein.

Wer möchte sich denn nicht für den guten Zweck verkleiden?

«Ich kann mich nicht erinnern, dass die Leute jemals so großzügig waren. Und es ist genau das, was sie wollten: ein Maskenball in Stuttgart von der WIZO organisiert. Das ist schon etwas Besonderes im Schwabenland», sagt Sabina Morein.

Für sie als Gastgeberin ist Feedback wichtig. «Ich bekomme Kurzmitteilungen und WhatsApp-Nachrichten, und wir sind froh darüber, gerade weil wir in so einer unsicheren Welt leben und wir vielleicht diejenigen sind, die durch so etwas womöglich ein bisschen Frieden einbringen. Das zeigt mir einfach, dass die Menschen offen sind und uns sagen: Ey, wir freuen uns!»

Ob es den Stuttgarterinnen gelingt, einen Hauch von Venedig an den Neckar zu holen? Die Masken der Organisatorinnen in elegantem Design mit vielen Ornamenten versprechen viel. Und vielleicht wird es ja sogar eine Tradition werden – Purim am Neckar. Denn wer möchte sich nicht für den guten Zweck verkleiden?

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