Veteranen

Unsere Helden

Viele der jüdischen Veteranen aus der ehemaligen Sowjetunion hatten sich zum »Tag des Sieges« ihre Auszeichnungen und Orden aus dem Zweiten Weltkrieg wieder an die Brust geheftet, als sie sich in der vergangenen Woche zur Erinnerung an die Befreiung von der Nazi-Herrschaft im Hubert-Burda-Saal im Münchner Jüdischen Gemeindezentrum trafen. David Dushman vom Veteranenrat, der selbst von 1941 bis 1945 an verschiedenen Fronten gekämpft und auch an der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz teilgenommen hatte, begrüßte die Gäste.

»Mit Stolz erinnern wir uns daran, dass die sowjetische Armee entschieden dazu beigetragen hat, Europa von der braunen Pest zu befreien«, betonte Dushman. Er erinnerte an »all jene, die für diesen Sieg ihr Leben geopfert haben«. Zum Gedenken an sie erhoben sich die Anwesenden im Saal zu einer Schweigeminute. Danach trat Präsidentin Charlotte Knobloch ans Rednerpult. Sie dankte dem Veteranenrat, der sich vor einem Jahr gegründet hatte, für sein Engagement und begrüßte die diplomatischen Vertreter Russlands und der Ukraine, die ebenfalls zu der Feierstunde gekommen waren: von der Russischen Föderation den Generalkonsul Andrey Grozov und den Konsul Sergej Romanov, von der Ukraine Generalkonsul Yurij Yarmilko und Konsul Evgenij Shcharyi.

Weltfrieden Unter Bezug auf die Feierlichkeiten in Moskau am 10. Mai hob Knobloch das »außergewöhnliche Zeichen der Versöhnung« hervor, das Präsident Dmitrij Medwedew am 65. Jahrestag des Sieges gesetzt habe: »Mit seiner Geste, die alliierten Mächte und einstigen Verbündeten der Sowjetunion an der Militärparade zu beteiligen, demonstrierte er seine Bereitschaft, gemeinsam mit den heutigen Nato-Staaten den Weltfrieden verteidigen zu wollen. Wie wichtig es dem russischen Präsidenten war, sich für die Versöhnung einzusetzen, machte auch die Teilnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich, die diese Ehre sehr zu schätzen wusste.« Charlotte Knobloch unterstrich, dass der »Sieg über das Nazi-Regime die Grundlage für die heutige Freiheit und Demokratie hierzulande« war. Doch diese Freiheit müsse auch weiterhin verteidigt werden, mahnte die Präsidentin in sehr persönlichen Worten.

Sie verwies auf die Schändung des sowjetischen Ehrenmals in Berlin wenige Tage zuvor am 65. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Die Polizei gehe davon aus. dass die Täter Neonazis waren. »Neonazis, die immer wieder für die Abschaffung der Menschenrechte eintreten und den Nationalsozialismus wieder einführen wollen«, sagte Knobloch und fügte hinzu: »Es darf nicht passieren, dass wir diesem Treiben zuschauen und nichts unternehmen.« Deswegen habe sie in München einige Tage zuvor auch an der Veranstaltung gegen die Neonazis teilgenommen. Was sie dabei besonders gefreut habe, »war die Aussage des Oberbürgermeisters Christian Ude, den 8. Mai als Befreiungstag in Zukunft zu feiern, um unseren Befreiern zu danken«.

Knobloch erinnerte auch an die Tausende ermordeter russischer Soldaten, die in Hebertshausen bei Dachau auf dem seinerzeitigen SS-Schießplatz systematisch erschossen wurden. Ihrer wird an dem dortigen Massengrab jedes Jahr im Anschluss an die Gedenkfeier in der KZ-Gedenkstätte Dachau Anfang Mai gedacht. Auch nimmt Charlotte Knobloch jedes Jahr zur Erinnerung an diese Opfer teil.

anerkennung Gewandt an die anwesenden Veteranen sagte die Präsidentin, dass diese »zu unseren Helden geworden sind, weil Sie uns, gemeinsam mit rund 500.000 anderen jüdischen Soldaten der Sowjetischen Armee, von der braunen Pest befreit haben«. Ihrem Mut und ihrer Tapferkeit »ist es zu verdanken, dass unzählige jüdische Menschen, die in den Konzentrationslagern dem Tod geweiht waren oder in den Verstecken teils jahrelang um ihr Leben bangen mussten, überleben konnten. Dafür gebühren Ihnen unsere Anerkennung und unser Dank.«

Für das Rabbinat sprach Rabbiner Avigdor Bergauz zu den Anwesenden, der auch die Grüße von Gemeinderabbiner Steven Langnas überbrachte. Als russischsprachiges Vorstandsmitglied begrüßte Ariel Kligman die Veteranen: »Vor 65 Jahren erkämpften Sie das Leben für die ganze Welt.« Die sowjetische Armee, darunter auch viele jüdische Soldaten, hätte einen entscheidenden Beitrag geleistet in diesem Krieg, in dem die Armee der Anti-Hitler-Koalition, Partisanen und Antifaschisten in verschiedenen Ländern zusammenwirkten. Den »unschätzbaren Wert« des Einsatzes jüdischer Kämpfer hob Semen Moshkovych hervor, der Vorsitzende des Vereins der ehemaligen Inhaftierten in KZ und Ghettos »Phoenix aus der Asche«. Er erinnerte daran, dass 500.000 Juden an den Fronten des Zweiten Weltkrieges gekämpft hatten, 250.000 kamen dabei ums Leben. 305 Generäle und Admiräle der Roten Armee seien Juden gewesen, 219 von ihnen kämpften an der Front, 38 davon kamen dabei ums Leben.

»Die freiheitliche Menschheit feiert den 65. Jahrestag des großen Sieges«, betonte auch Yurij Gluzov in seiner Rede. Der Vorsitzende des Veteranenrates erinnerte an die vielen Opfer, die dieser Sieg gekostet hat. Dabei dürften die in Asche gelegten Städte und Dörfer, die zerstörte Volkswirtschaft und die unschätzbaren Denkmäler der geistigen Kultur der Völker Europas nicht vergessen werden. Das wichtigste jedoch sei: »Wir müssen der Millionen Menschenleben gedenken, die der Sturm des Krieges dahingefegt hat. Wir müssen der Millionen unschuldiger Opfer der friedlichen Bevölkerung gedenken. Mit besonderem Schmerz erinnern wir uns in diesen Tagen an sechs Millionen Juden, die in Konzentrationslagern und zahlreichen Ghettos gefoltert und ermordet wurden.«

Tapferkeitsmedaille Gluzkov gedachte nicht nur der Toten. Er berichtete auch von den Taten heute in München lebender Kämpfer. Einer von ihnen ist Mark Dzhevalski, der bei der Feier im Hubert-Burda-Saal anwesend war. Dzhevalskis Kriegsweg begann im Juni 1941 an der Lenin- grader Front, wie Gluskov ausführte. Bereits im August 1941 wurde er mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.

Im Sommer 1943 kämpfte er am Kursker Bogen. Dort, so Gluzkov weiter, »hätte er einen anderen unserer Veteranen treffen können – David Dushman. Er ist ebenfalls mit dem Orden des Roten Sternes ausgezeichnet.« Er nannte auch den Militärarzt Abram Muchnik, Solomon Brandobovski, der an der Befreiung Kiews teilgenommen hatte, Lev (Leyba) Rosenberg, Lev Bosenko, denen wie allen anderen Helden großer Dank gebühre.

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