Köln

Synagogen aus Null und Eins

VR-Modell der Synagoge in der Glockengasse Foto: Museum Köln

Köln

Synagogen aus Null und Eins

Das NS-Dokumentationszentrum zeigt im Rahmen des 1700-Jahre-Festjahrs eine Ausstellung über virtuelle Bethäuser

von Katrin Richter  17.06.2021 09:04 Uhr

Mit ihrer großen Kuppel, den vier kleinen minarettförmigen Türmen und dem hellen Stein muss die Synagoge in der Kölner Glockengasse schon von Weitem zu sehen gewesen sein. Der imposante Bau, der am 29. August 1861 eröfnet wurde, empfing die Betenden in warmen Farben. Eine Palette aus Rot-, Gold- und Beigetönen, ein weiter und schier unendlich wirkender Sternenhimmel. Dieses harmonische Ensemble wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 von den Nazis zerstört. Köln war eine von 1000 Städten, in denen Synagogen angezündet wurden.

Mit diesen 1000 Namen eröffnet die Ausstellung Synagogen in Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion im Kölner NS-Dokumentationszentrum. Seit dem 11. Juni sind dort mehr als 20 Synagogen zu sehen, die virtuell rekonstruiert wurden. Wie eben die Synagoge in der Glockengasse.

Frankfurt Das Projekt, das mit drei Frankfurter Synagogen begann, stieß auf so große Begeisterung seitens der Öffentlichkeit und der jüdischen Gemeinden, dass es sukzessive erweitert wurde. Fast 100 Studierende haben sich seit 1995 an dem Projekt beteiligt. Zwölf Studierende bearbeiten derzeit noch zwei Darstellungen, die in der laufenden Ausstellung zu sehen sein sollen.

Die Schau Synagogen in Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion ist Teil des Festjahrs »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«. Doch sie will nicht nur das sein: »Ein Anliegen war auch immer, ein Zeichen gegen den stärker werdenden Antisemitismus zu setzen«, betont Marc Grellert, der Leiter des Forschungsbereichs Digitale Rekonstruktion der TU Darmstadt, an der das Projekt realisiert wurde. Zu den Anschlägen komme auch ein zunehmender Antisemitismus im alltäglichen Leben.

Anschlag Das Projekt, das einst als Reaktion auf den Anschlag von Neonazis auf die Synagoge in Lübeck im Jahr 1994 begann, will einen Bogen ziehen von der Vergangenheit bis zur Gegenwart. In vier Themenbereichen – Wahrnehmung, Eskalation, Rekonstruktion und jüdisches Leben heute – können Besucherinnen und Besucher nicht nur die zerstörten Synagogen im virtuellen Modell sehen, sondern sich auch über die Bethäuser informieren, die nach 1945 in Deutschland neu errichtet wurden. Zudem erzählen Menschen in kleinen Filmporträts, »was sie im Jahre 2021 mit dem Thema Synagoge, mit ihrer Synagoge, verbinden«.

Das Konzept der Ausstellung, die bereits zuvor in Bonn, Israel und Kanada zu sehen war, wurde gemeinsam mit dem NS-Dokumentationszentrum aktualisiert. Denn durch diese Ausstellung sollten auch jüngere Menschen angesprochen und ermuntert werden, vielleicht doch einmal in eine Synagoge zu gehen, sagt Grellert. Und mit Jüngeren meint er auch die ganz Jungen, denn Teil der Ausstellung ist sogar ein Clip aus dem bekannten Kinderprogramm Die Sendung mit der Maus, in der das Konzept der virtuellen Rekonstruktion erläutert wurde.

Zeitzeugen konnten Auskunft zu den Synagogen geben, die mit ihrer Hilfe virtuell rekonstruiert werden konnten.

Für Grellert ist das eine ganz besondere Ehre. Auch das Sprechen mit Zeitzeugen, die ihm viel über die Synagogen, die in dieser Ausstellung zu sehen sind, erzählen konnten, war ein Privileg. Die teilweise schon hochbetagten Menschen gaben ihm Informationen, die die Mitarbeiter und er vielleicht sonst in dieser Form nicht erhalten hätten, obwohl die Quellenlage eigentlich gut war. Bei der Synagoge in der Glockengasse zum Beispiel gab es ein Farbbild mit roten, warmen Tönen – und dem endlos wirkenden Sternenhimmel.

»Synagogen in Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion« ist bis zum 19. September im Kölner NS-Dokumentationszentrum, Altstadt-Nord, Appellhofplatz 23-25, zu sehen.

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Thüringen

Landesgemeinde dringt auf Ehrung von Klaus Trostorff

Klaus Trostorff war Buchenwald-Häftling und leitete später die Mahn- und Gedenkstätte der DDR. Die Jüdische Landesgemeinde will ihm in Erfurt eine Straße widmen

 17.02.2026

Hamburg

Altona war schon immer toleranter

Ein Projektraum im Regionalmuseum zeigt 400 Jahre jüdische Geschichte der gesamten Hansestadt

von Heike Linde-Lembke  16.02.2026