Herr Ilyaev, das Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf hat sich für einen Abbruch aller akademischen Kooperationen mit israelischen Einrichtungen ausgesprochen. Wie bewerten Sie das Zustandekommen dieses Beschlusses?
Ich war selbst als Gast bei der Abstimmung am Montagabend anwesend. Dass es eine Mehrheit für den vom Düsseldorfer Ableger der israelfeindlichen Boykott-Bewegung BDS eingebrachten Antrag geben würde, habe ich erwartet. Immerhin ist der Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband (SDS), der der Linkspartei nahesteht, mit sieben von 17 Sitzen die stärkste Kraft im Parlament. Dass dann aber so viele Hände hochgegangen sind, hat mich doch überrascht. Nur die drei Vertreter des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und der Liberalen Hochschulgruppe haben dagegen gestimmt.
Was genau kritisieren Sie an der Boykott-Forderung?
Zunächst ist das Argument der Antragsteller, israelische Hochschulen seien nicht unabhängig von der Regierung, schlicht falsch. In Israel herrschen Demokratie und akademische Freiheit. Außerdem ist der Draht nach Israel für die Heinrich-Heine-Universität in mehrfacher Hinsicht wichtig: Zum einen profitiert die Forschung in Düsseldorf von der Kooperation mit israelischen Einrichtungen, nicht zuletzt an der medizinischen Fakultät, an der ich selbst studiere. Zum anderen gibt es einen regen Studierendenaustausch mit Israel, was zu mehr Verständnis zwischen beiden Ländern beiträgt. Im Gegensatz dazu setzt der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments statt auf Austausch auf noch mehr Hass und Spaltung.
»Unsere Rektorin Anja Steinbeck hat israelfeindlichen Umtrieben früh deutliche Grenzen gesetzt.«
Wie hat sich die Stimmung auf dem HHU-Campus infolge des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs verändert?
Unsere Rektorin Anja Steinbeck hat israelfeindlichen und antisemitischen Umtrieben früh deutliche Grenzen gesetzt. Auch deshalb ist die Situation an der HHU nicht ganz so schlimm wie an anderen Hochschulen. Es gab zwar ein »propalästinensisches« Protestcamp, zu Übergriffen kam es aber zum Glück nie. Für uns jüdische Studierende war ein Fall jedoch sehr besorgniserregend: Im Juli 2024 wurden in einem Hörsaal mehrere antisemitische Kritzeleien wie »Happy Holocaust« oder »Juden – Gas« entdeckt. Der Urheber ist bis heute unbekannt. Nach dem Waffenstillstand in Gaza dachte ich eigentlich, die Lage beruhigt sich. Nun wurde ich eines Besseren belehrt.
Wie hat die Universitätsleitung auf die Boykott-Forderung reagiert?
Die Rektorin hat sofort das richtige Signal gesendet: In einer Pressemitteilung hat sie einen akademischen Boykott entschieden abgelehnt und sich für die Fortführung des Austauschs mit Israel ausgesprochen.
Mit dem Medizinstudenten der Heinrich-Heine-Universität (HHU) und Vorsitzenden der Jüdischen Hochschulgruppe (JHG) Düsseldorf sprach Joshua Schultheis.