Nachruf

»Rebbetzin von Wilna«

Genja Schmuschkevitch sel. A. (1925–2017) Foto: Gregor Zielke

Nachruf

»Rebbetzin von Wilna«

Die Veteranin Genja Schmuschkevitch ist tot

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  14.03.2017 17:16 Uhr

»Mein Leben ist erfüllt«, sagte Genja Schmuschkevitch einmal bei einem der vielen Treffen im Klub der Veteranen in der Fasanenstraße. Sie ließ es sich nicht nehmen, auch wenn Gesundheit und Alter ihr zunehmend zu schaffen machten, zu den monatlichen Zusammenkünften ins Gemeindehaus zu gehen, meist mitsamt ihren vielen Orden – sowjetische, russische und israelische Auszeichnungen für ihre Verdienste im Krieg gegen Nazideutschland –, um sich mit denen auszutauschen, die Ähnliches erlebt hatten wie sie.

rote Armee Genja Schmuschkevitch wurde am 20. Januar 1925 in Wilna geboren. Dort wuchs sie auf, lebte hier zusammen mit ihren Eltern, drei Schwestern und 200 Verwandten. Jiddisch blieb bis zuletzt ihre Muttersprache. »Als ich 15 Jahre alt war, nannten die Leute mich ›Rebbetzin von Wilna‹. Wer weiß, welchen Weg ich gegangen wäre«, sagte Genja Schmuschkevitch einmal.

Doch dann kam der Krieg. Genjas gesamte Familie wurde ermordet, nachdem die Nazis das Ghetto Wilna aufgelöst hatten. Genja überlebte als Einzige die Schoa – in den Reihen der Roten Armee. An der Front lernte sie auch ihren Mann kennen. Mit ihm war sie bis zu seinem Tod 1976 zusammen.

Das Kriegsende erlebte die Sanitätsunteroffizierin in Lettland. Davon berichtete sie immer wieder in Gesprächen als Zeitzeugin mit Schülern. Ebenso erzählte sie gerne und voller Stolz von ihren drei Kindern, fünf Enkelkindern und drei Urenkeln. Am 7. März ist die Veteranin im Alter von 92 Jahren gestorben. Sie wurde am 10. März auf dem Friedhof Heerstraße beigesetzt.

Projekt

Ein Denkmal für gefallene Soldaten und ermordete Juden

Ein Dorf will mit einer Gedenkstätte an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Das geplante gemeinsame Gedenken an gefallene Soldaten und ermordete Juden ruft ein unterschiedliches Echo hervor

von Jens Bayer-Grimm  21.07.2026

Berlin

Jüdisch, Queer, Selbstbewusst

Der »Pride-Shabbat« des Vereins Keshet Deutschland zeigt auch in diesem Jahr wieder, dass jüdisches und queeres Leben zusammengehören

von Leon Stork  20.07.2026

Pforzheim

Die vergessene jüdische Geschichte der Goldstadt

Vom Schwarzwald aus verkauften Juden einst Schmuck in die ganze Welt. Erst langsam wird diese Geschichte aufgearbeitet. Sie ist nicht immer glänzend – und auch noch nicht vorbei

von Mascha Malburg  20.07.2026

Porträt der Woche

»Ich wollte zum Ursprung«

Richard Ernst konvertierte zum Judentum, wurde Gärtner und Hobbymaler

von Anja Bochtler  18.07.2026

Würdigung

Im Einsatz für die Demokratie

Minister Georg Eisenreich zeichnete Engagierte in Justiz und Polizei mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis aus

von Luis Gruhler  18.07.2026

München

Bücher für alle

Der Literaturwissenschaftler Nathan Cohen sprach im Rahmen der Scholem-Alejchem-Reihe über populäre jiddische Literatur in Osteuropa

von Nora Niemann  18.07.2026

Stadtführung

Tatort Scheunenviertel

Kleinkriminelle, Arbeiter und Ostjuden – der Historiker Dmitry Kudinov zeigt die bewegte Geschichte eines hippen Teils von Berlin, der vor rund 100 Jahren alles andere als gentrifiziert war

von Alicia Rust  17.07.2026

Recklinghausen

Wie der Fußball Eddy rettete

Die Jüdische Gemeinde und Schulen der Region trugen den Emanuel-Schaffer-Cup aus – in Erinnerung an den legendären israelischen Trainer

von Martin Krauß  16.07.2026

Maccabiah

Momente, Medaillen, Menschen

Nach zwei Wochen ist das größte internationale Sportevent in Jerusalem erfolgreich zu Ende gegangen

von Katrin Richter  15.07.2026