Bildung

Neues ELES-Stipendium unterstützt jüdische Mediziner bei ihrer Promotion

Foto: Tobias Barniske

Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) erweitert seine Begabtenförderung um ein eigenes Programm für jüdische Nachwuchsmediziner. Mit dem zum Herbst 2026 startenden »Dr. Kalinski-Stipendienprogramm« sollen Humanmediziner unterstützt werden, die nach Abschluss ihres Studiums eine wissenschaftliche Doktorarbeit beginnen. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des Nachlasses des Arztes Siegmund Kalinski.

Die Bewerbungsphase beginnt am 1. September. Vorgesehen ist eine Förderung über zwölf Monate mit einem monatlichen Stipendium von 1300 Euro. Zusätzlich erhalten die Geförderten die Möglichkeit, sich innerhalb des ELES-Netzwerks mit anderen Stipendiaten auszutauschen und zu vernetzen. Bewerbungen können das ganze Jahr über eingereicht werden, die Vergabe erfolgt fortlaufend.

Hintergrund für das neue Programm ist eine besondere Finanzierungslücke bei medizinischen Promotionen. Nach dem dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, mit dem das Studium der Humanmedizin abgeschlossen wird, entscheiden sich manche Absolventen dafür, zunächst mehrere Monate an einem Forschungsvorhaben zu arbeiten. Medizinische Doktorarbeiten dauern häufig zwischen einem halben und einem ganzen Jahr und lassen sich wegen des zeitlichen Aufwands nur schwer mit einer regulären Erwerbstätigkeit verbinden.

Weg in die medizinische Forschung

Mit dem Stipendium will ELES deshalb jüdischen Nachwuchsmedizinern ermöglichen, sich während dieser Phase stärker auf ihre wissenschaftliche Arbeit zu konzentrieren. Gleichzeitig soll jungen Ärzten der Weg in die medizinische Forschung erleichtert werden. Nach Angaben des Studienwerks können auf diese Weise auch Forschungsprojekte unterstützt werden, die langfristig zur Weiterentwicklung der Humanmedizin beitragen.

ELES-Geschäftsführerin Michal Or sieht in dem Programm eine Ergänzung der bisherigen Förderung: »Mit dem neu geschaffenen Stipendienprogramm vervollständigt ELES die Förderung für unseren Humanmedizin-Nachwuchs mit Promotions-Vorhaben. Junge Medizinerinnen und Mediziner, die sich vor Eintritt in ihre ärztliche Berufspraxis einem Forschungsvorhaben widmen möchten, werden dazu ermutigt. Sie tragen neue Impulse zum Wissensfortschritt und zur Innovation in der Medizin bei.«

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Förderberechtigt sind jüdische Studenten der Humanmedizin an einer deutschen Hochschule, sofern sie den dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung bestanden haben. Ebenfalls angesprochen werden deutsche Juden, die Medizin an einer Hochschule innerhalb der Europäischen Union studieren. Die Förderung ist ausdrücklich auf die Promotionsphase nach Abschluss des Studiums ausgerichtet.

Andenken an den großen Mediziner

Die Schirmherrin des Studienwerks, Charlotte Knobloch, begrüßte die Einrichtung des Programms. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern sieht darin nicht nur eine Unterstützung für junge Mediziner, sondern auch eine Möglichkeit, das Andenken an den Namensgeber des Stipendiums zu bewahren.

»Als Schirmherrin von ELES freue ich mich in doppelter Hinsicht sehr über dieses neue Stipendienprogramm für promovierende Humanmediziner: zum einen für die angehenden Ärztinnen und Ärzte, und zum andern, dass auf diese noble Weise das Andenken an den großen Mediziner und Menschen Dr. Siegmund Kalinski sel. A. lebendig bleibt und sein Vermächtnis an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wird«, so Knobloch.

Auch Dr. med. David Frumkin vom Deutschen Herzzentrum der Charité unterstützt die Initiative. Der Facharzt und Antisemitismusbeauftragte arbeitet als Mentor für das Studienwerk. »Als ELES-Alumnus und ELES-Mentor unterstütze ich die Gründung des neuen Stipendiums. Junge Medizinerinnen und Mediziner sind unser Innovationsmotor und bleiben als praktizierende Ärzte weiterhin wissenschaftlich aufgeschlossen, wenn sie selbst zur Forschung beigetragen haben«, erklärte Frumkin.

Namensgeber des Programms ist Siegmund Kalinski, der 1927 in Krakau in eine jüdische Familie hineingeboren wurde. Seine Eltern wurden im Holocaust ermordet. Kalinski selbst überlebte Deportation und Haft in Konzentrationslagern sowie den Todesmarsch aus Auschwitz. 1945 gelang ihm die Flucht.

Bundesverdienstkreuz für sein Wirken

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Kalinski nach Krakau zurück. Obwohl er einen großen Teil seiner Familie verloren hatte, setzte er seine Ausbildung fort und legte 1947 das Abitur ab. Sein anschließendes Medizinstudium finanzierte er zunächst als freier Journalist. 1965 ließ er sich als Praktischer Arzt in Frankfurt am Main nieder. Dort arbeitete er später auch als Lehrbeauftragter an der Universität, habilitierte sich und engagierte sich in der ärztlichen Berufspolitik der Landesärztekammer. Für sein Wirken wurde Kalinski mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er starb 2015.

Das neue Stipendium ist Teil der Arbeit des 2009 anerkannten Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks, des Begabtenförderwerks der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. ELES wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt als eines von derzeit 13 Begabtenförderwerken unterstützt und verbindet finanzielle Förderung mit ideeller Begleitung.

Seit der Vergabe der ersten Stipendien im Jahr 2010 hat ELES nach eigenen Angaben mehr als 1000 jüdische Studenten und Promovierende gefördert. Das Studienwerk versteht sich als pluralistisch und weltoffen und bringt junge Jüdinnen und Juden mit unterschiedlichen religiösen, politischen und sozialen Hintergründen zusammen. Neben akademischer Förderung gehören daher auch der innerjüdische Dialog und gesellschaftliches Engagement zu den Schwerpunkten.

Benannt ist das Studienwerk nach dem Historiker und Religionswissenschaftler Ernst Ludwig Ehrlich (1921–2007). Der in Berlin geborene Ehrlich gehörte vor seiner Flucht in die Schweiz zu den letzten Schülern von Leo Baeck an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Sein späteres Wirken war insbesondere vom Einsatz für einen pluralistischen innerjüdischen Dialog sowie für die Verständigung zwischen den Religionen geprägt. im

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