Frankfurt am Main

Jüdische Akademie eröffnet 2026

So soll die Akademie aussehen (Computersimulation). Foto: Turkali Architekten

Nach längerer Bauzeit soll in Frankfurt in diesem Jahr die Jüdische Akademie eröffnen. »Das wird die erste überregionale, nicht-universitäre jüdische Bildungseinrichtung in Deutschland sein seit der Schoa«, sagt der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. »Im Gegensatz zu den christlichen Akademien, von denen es ja eine ganze Reihe gibt, wird es zunächst erst mal eine einzige Jüdische Akademie zentral für das ganze Bundesgebiet geben.«

Die Akademie ergänze die Bildungslandschaft in Deutschland um eine jüdische Perspektive – offen, plural und zukunftsorientiert, heißt es auf der Homepage des Zentralrats. »Die Akademie richtet sich an ein breites Publikum – innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft.« Laut aktueller Planung ist die Eröffnung voraussichtlich für den September 2026 geplant.

Raum für Begegnung und Diskurs

Ein ähnliches Konzept sei ihm nirgends anders in Europa bekannt, bekräftigt Schuster. Natürlich gebe es viele jüdische Bildungseinrichtungen, insbesondere in Frankreich und Großbritannien, mit denen man im Austausch sei. »Aber unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass diese Akademie sowohl innerjüdisch als auch außerjüdisch wirken soll und wirken wird.«

Lesen Sie auch

Wie wichtig ist ein solcher interkultureller Austausch gerade in Zeiten wie diesen? Er sei schon immer wichtig gewesen, aber heute fast wichtiger denn je, sagt Schuster. »Dieser interreligiöse Dialog, sowohl christlich-jüdisch als auch muslimisch-jüdisch, hat eine große Bedeutung und wird ein wichtiger Punkt der Arbeit der Jüdischen Akademie sein.«

»Unterschiede aushalten und Gemeinsamkeiten stärken«

Und so sagt Schuster: »Unterschiede aushalten und Gemeinsamkeiten stärken – das soll dieser moderne Ort jüdischen Denkens leisten.« An der Akademie werde es Veranstaltungen, Seminare und wissenschaftliche Debatten geben. Es sei ein Ort für Pluralität, Teilhabe und demokratische Verantwortung, heißt es auf der Seite. Eine Kooperation gibt es auch mit der Frankfurter Goethe-Universität.

Errichtet wird die Akademie seit einigen Jahren an der Senckenberganlage. Die Projektkosten in Höhe von rund 38 Millionen Euro werden vom Bund, dem Land Hessen, der Stadt Frankfurt und dem Zentralrat getragen.

Warum Frankfurt?

Dass die Wahl auf Frankfurt gefallen ist, hat verschiedene Gründe. Zum einen habe der Zentralrat bereits seine Bildungsabteilung in der Mainmetropole angesiedelt. Zum anderen habe sich auch Frankfurt gezielt um den Standort bemüht.

Darüber hinaus habe Frankfurt eine hohe jüdische Infrastruktur und eine reiche jüdische politische Geschichte, erklärt Schuster. Manche sagten, Frankfurt sei die jüdischste Stadt Deutschlands. »Ich glaube, so ganz verkehrt ist diese Einschätzung nicht.« dpa

Tagung

Krisen der Gegenwart

Auf dem »Media TLV Summit« diskutierten Experten Fragen von Technologie und Krieg, Extremismus und Antisemitismus sowie die Rolle der Medien

von Luis Gruhler  07.10.2026

Programm

Musikalische Crossovers, Kontroverse, Krimi und Krav Maga: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 8. Oktober bis zum 14. Oktober

 07.10.2026

Solidarität

Das Leben wieder in den Griff bekommen

Angehörige der bei einem Raketenangriff in Majdal Shams getöteten Kinder besuchten die Kultusgemeinde München und Oberbayern

von Luis Gruhler  06.10.2026

Diskussion

»Wir wurden gehört«

Schüler und Studenten des Projekts »Meet a Jew« treffen CDU/CSU-Fraktionschef Thorsten Frei. Im Mittelpunkt stehen der 7. Oktober, persönliche Sorgen und Erfahrungen

von Christine Schmitt  06.10.2026

Porträt der Woche

»Ich bin einfach ich«

Persia Kantorovych hat eine jüdische Mutter und einen muslimischen Vater

von Annette Kanis  06.10.2026

Lesen

Die geblieben sind

Hanna Veiler beschreibt in »Jung, jüdisch, wütend« die Erfahrungen junger Jüdinnen und Juden mit Einsamkeit, Enttäuschung und Solidarität nach dem 7. Oktober. Ein Auszug

von Hanna Veiler  06.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Wuppertal

Am helllichten Tag

Nach dem Brandanschlag auf die Synagoge geht das Gemeindeleben in der nordrhein-westfälischen Stadt weiter. Aber was bedeutet diese Normalität?

von Helmut Kuhn  01.10.2026