Thüringen

Jüdisch-israelische Kulturtage fordern Verantwortung ein

Die israelische Pianistin Sharon Mansur Foto: Veranstalter/ Copyright Gabriel Baharlia Photography

Thüringen

Jüdisch-israelische Kulturtage fordern Verantwortung ein

16 Musiker und andere Vertreter der Kultur aus Israel sind dieses Mal dabei

 26.02.2026 14:57 Uhr

Konzerte, Kunst, Vorträge und mehr erwartet Besucherinnen und Besucher in diesem Jahr bei den Jüdisch-Israelischen Kulturtagen in Thüringen. Rund 80 Veranstaltungen in 16 Orten, darunter Städte wie Erfurt und Mühlhausen und kleinere Gemeinden wie Almerswind (Landkreis Sonneberg), stehen vom 5. bis zum 26. März auf dem Programm.

»Wir müssen sehen, dass wir Freundschaften aufbauen, wir müssen sehen, dass das wieder bekannter wird, was Juden in Deutschland, in Thüringen geleistet haben«, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm. Genau dieses Wissen und diese Aufgabe könnten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage vermitteln und leisten. Die Gemeinde veranstaltet gemeinsam mit dem Förderverein für jüdisch-israelische Kultur in Thüringen das Festival, das in seine inzwischen 34. Auflage geht.

Das Festival beginnt mit einem Auftritt der israelischen Jazzpianistin Sharon Mansur, die mit ihrem Trio nach in Erfurt kommt. Zur Eröffnung wird auch der Botschafter Israels, Ron Prosor, erwartet. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, am 25. März einen Vortrag über das jüdische Leben in Deutschland halten.

Haltung zu Israel

16 Musiker und andere Vertreter der Kultur aus Israel seien dieses Mal dabei – so viele wie noch nie, sagte Dorothea Marx, Vorsitzende des Fördervereins. Zudem sei etwa auch die in Brandenburg lebende jüdische Influencerin Tanya Raab, die den Instagram-Kanal »oy_jewish_mamma« betreibt, für eine Lesung eingeladen, sagte Festivalleiter Johannes Gräßer bei der Programmvorstellung in Erfurt.

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Gräßer machte deutlich, wo er politische Verantwortungen des Festivals sieht: »Thüringen ist nicht nur Höcke«, betonte er mit Blick auf den Vorsitzenden des als rechtsextremistische Bestrebung eingestuften Landesverbands der AfD. Das Festival stelle sich entschieden gegen solche Akteure. Höcke versuche seit Jahren, jüdisches Leben und Erbe – etwa durch die Instrumentalisierung regionaler Symbole wie der Simson-Mopeds – für eigene Zwecke zu vereinnahmen oder zu verhöhnen, so Gräßer.

Diskutiert wurde in Erfurt auch die Verantwortung von Künstlerinnen und Künstlern im Umgang mit ihrer Haltung zu Israel. Nach Meinung von Schramm nehmen viele ihre Verantwortung nicht ausreichend wahr. Sie betrachteten etwa den Gaza-Krieg zu einseitig, kritisierte er.

Diskriminierung und Ausgrenzung

Er erinnerte etwa an einen Aufruf zum Stopp deutscher Waffenlieferungen an Israel, den im vergangenen Jahr auch bekannte Thüringer wie Musiker Clueso und Schauspielerin Sandra Hüller unterzeichnet hatten. Daneben berichtete Gräßer von israelischen Musikern, die von anderen Festivals aus-, oder gar nicht erst eingeladen worden seien.

Auch Botschafter Prosor verwies in seinem schriftlich vorliegenden Grußwort zu den Kulturtagen auf die Diskussion: »Unter dem Deckmantel der Israel-Kritik erstrecken sich Diskriminierung und Ausgrenzung in Form von Kampagnen gegen Juden und israelische Künstler. Menschen, die früher ein Band der Verständigung waren, werden von Bühnen verbannt.« Prosor betonte, dass Kultur einladen und nicht spalten solle.

Neben den Jüdisch-Israelischen Kulturtagen gibt es in Thüringen zwei weitere jüdisch geprägte Festivals: den Yiddish Summer Weimar und die Achava Festspiele. Schon das zeige, wie stark jüdische Kultur und jüdisches Leben zu Thüringen gehöre und Teil der Thüringer Identität sei, sagte Staatskanzlei-Chef Stefan Gruhner. dpa/ja

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