Dominik Krause, als Münchner Oberbürgermeister seit knapp sechs Wochen im Amt, ist für die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) kein Unbekannter, sondern bereits seit vielen Jahren ein Freund und Mitstreiter. Als Krause Ende 2023 Zweiter Bürgermeister wurde, begann er seine Amtszeit mit einem Besuch bei IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch.
Auch jetzt, nachdem er bei den Stichwahlen im März seinen langjährigen Vorgänger Dieter Reiter besiegt hatte, musste die Gemeinde nicht lange auf einen Antrittsbesuch warten. Das Gespräch unterstrich noch einmal das freundschaftliche Vertrauensverhältnis zwischen der Gemeinde und dem Stadtoberhaupt.
»Ich werde dafür eintreten, dass Jüdinnen und Juden sicher und frei hier leben können.«
Dominik Krause
Noch kurz vor der Wahl hatte die Kultusgemeinde im Februar Krause gemeinsam mit Mona Fuchs, der jetzigen Zweiten Bürgermeisterin und damaligen Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Stadtrat, sowie mehreren weiteren Vertretern aus Politik und Stadtgesellschaft, den Ehrenpreis der IKG verliehen. Geehrt wurde Krause damals für das besondere Engagement und die beständige Bereitschaft, nach dem 7. Oktober 2023 an der Seite der jüdischen Gemeinde zu stehen.
Diese Bereitschaft hatte der 35-Jährige aber schon früher bewiesen. Bereits 2017 machte Krause mit seinem öffentlichkeitswirksamen Austritt aus dem Beirat des Eine-Welt-Hauses aufgrund von dessen Nähe zur anti-israelischen BDS-Kampagne deutlich, dass er antisemitischen Positionen innerhalb der politischen Linken keinen Spielraum lassen werde.
Langjährige Verbundenheit mit Israel
Seine Mitgliedschaft in der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft, sein frühzeitiges Eintreten für die Münchner Städtepartnerschaft mit Beer Sheva und seine Teilnahme an einer Delegationsreise stehen allesamt symbolhaft für eine langjährige Verbundenheit mit Israel. Regelmäßig sprach Krause auch unterstützend bei Demonstrationen und Solidaritätskundgebungen, so bereits im Oktober 2023. Und auch im Juli vergangenen Jahres, als an einem Freitagabend eine radikale, anti-israelische Demonstration bedrohlich nahe an Synagoge und Gemeindezentrum vorbeizog, machte Krause sehr kurzfristig eine Teilnahme am Gegenprotest möglich.
Vor diesem Hintergrund kam der neue Oberbürgermeister nun am Jakobsplatz mit IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, den beiden Vizepräsidenten Yehoshua Chmiel und Peter Guttmann, Vorstandsmitglied Eugen Alter und Geschäftsführer Steven Guttmann zusammen. Dabei standen nicht nur spezifische Fragen des jüdischen Lebens im Mittelpunkt: Die grassierende Wohnungsnot etwa trifft jüdische Münchner nicht weniger als große Teile der nichtjüdischen Stadtbevölkerung.
Und doch konnte ein derartiges Gespräch nicht stattfinden, ohne Fragen der öffentlichen Sicherheit und der Bekämpfung des Antisemitismus zu thematisieren. Dass Krause hier eine klare Priorität setzt, sah Charlotte Knobloch als gutes Zeichen. München als jüdische Heimat zu gestalten und zu bewahren, so Knobloch, sei »seit Jahrzehnten ein Thema für jeden Oberbürgermeister«.
Sie erinnerte nicht zuletzt an das Engagement von Krauses Vorgängern: »Ohne Christian Ude würde es dieses Jüdische Zentrum nicht geben, und auch Dieter Reiter hatte das jüdische Leben immer im Blick. Es freut mich außerordentlich, dass der neue Oberbürgermeister diese Themen sogar noch deutlicher ins Zentrum stellen will – angesichts der bedrohlichen Lage ist diese Entschlossenheit auch nötig.«
Krause unterstrich, dass er die jetzige Situation sehr ernst nehme und sie ihn auch persönlich angehe.
Nie sei die Unsicherheit für die jüdische Gemeinschaft in München und in Deutschland seit 1949 so groß gewesen wie heute, »und ganz egal, ob Hass auf das Judentum oder den jüdischen Staat Israel oder aber Ablehnung der Demokratie durch politische Extremisten – alles landet am Ende vor unserer Haustür«. Hinsichtlich dieser schwierigen Situation hob die IKG-Präsidentin ihr Vertrauen in Dominik Krause hervor: »In ihm haben die jüdischen Bürger dieser Stadt einen festen Verbündeten und einen wirklich treuen Freund.«
Auch Krause selbst betonte dieses Vertrauensverhältnis. Er habe sich »sehr über den freundschaftlichen Empfang bei der IKG gefreut«, so der neue Oberbürgermeister. »Seit vielen Jahren bin ich mit der Gemeinde und Präsidentin Charlotte Knobloch in einem engen und vertrauensvollen Dialog, den ich als Oberbürgermeister selbstverständlich fortsetzen werde.«
»Der grassierende Antisemitismus in Deutschland besorgt mich zutiefst«
Weiter unterstrich Krause, dass er die jetzige Situation sehr ernst nehme und sie ihn auch persönlich angehe: »Der grassierende Antisemitismus in Deutschland besorgt mich zutiefst, es ist inakzeptabel, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder angefeindet und bedroht werden.«
Auch im neuen Amt frühestmöglich den Kontakt zur jüdischen Gemeinde zu suchen und die Verbindung weiter zu festigen, war dabei erklärtes Anliegen: »Der Besuch bei der IKG war auch ein klares Zeichen der Solidarität und Unterstützung. Als Oberbürgermeister werde ich immer und mit allen verfügbaren Mitteln dafür eintreten, dass Jüdinnen und Juden sicher und frei in München leben können.«