Ehrung

Holocaust-Überlebender Leon Weintraub erhält Göttinger Friedenspreis

Überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Groß-Rosen und Flossenbürg: Leon Weintraub Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Der Holocaust-Überlebende Leon Weintraub und das Schulnetzwerk »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage« haben am Samstag den Göttinger Friedenspreis erhalten. Der Jury-Vorsitzende Michael Brzoska hob in seiner Laudatio insbesondere das Verbindende beider Preisträger hervor, das die Mitglieder letztlich von einer doppelten Vergabe überzeugt habe. Es sei das Engagement für Menschenwürde, für Achtung aller, gegen Diskriminierung und Gewalt, hieß es in einer Mitteilung nach der Verleihung im Deutschen Theater Göttingen.

Brzoska, der als Laudator für die kurzfristig verhinderte Filmemacherin und Antirassismus-Aktivistin Mo Asumang einspringen musste, würdigte Leon Weintraub, weil dieser authentisch über die Gefahren von Ausgrenzung, Antisemitismus und totalitärer Herrschaft berichte. »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage« helfe auf dem Schulhof und im Umfeld von Schulen dabei, Rücksichtnahme, Menschlichkeit und Zivilcourage, den Einsatz gegen Diskriminierung und Rassismus sowie für Menschenwürde und Demokratie einzuüben.

Leon Weintraub sagte in seiner Dankesrede: »Seit 30 Jahren versuche ich, vor allem in Deutschland, Polen und Schweden gegen die zunehmenden rechtsradikalen Parteien und die extreme Linke in diesen Ländern zu wirken, da ich die Folgen fremdenfeindlicher Ideologien am eigenen Leibe erfahren habe.«

Lesen Sie auch

Weintraub wurde 1926 im polnischen Lodz geboren und ist am 1. Januar 100 Jahre alt geworden. Er überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Groß-Rosen und Flossenbürg. Nach dem Krieg begann er in Göttingen ein Medizinstudium. Der heute in Stockholm lebende Arzt engagiert sich seit vielen Jahren in der Erinnerungsarbeit.

Schulnetzwerk kämpft gegen Ausgrenzung

Das Projekt »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage« wurde 1995 gegründet und gilt als größtes Schulnetzwerk Deutschlands im Bereich Antidiskriminierung. Schulen verpflichten sich beim Beitritt, aktiv gegen Rassismus, Mobbing und Diskriminierung vorzugehen. Voraussetzung ist die Unterstützung von mindestens 70 Prozent der Schulmitglieder. Bei der Preisverleihung war das Netzwerk von Sanem Kleff, Direktorin der Bundeskoordination, vertreten.

Der Göttinger Friedenspreis wird seit 1999 alljährlich an Personen oder Organisationen verliehen, die sich wissenschaftlich oder praktisch für Frieden und gesellschaftliche Verständigung einsetzen. Stifter ist der Wissenschaftsjournalist Roland Röhl. Der 1997 gestorbene Chemiker befasste sich vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie mit Konflikt- und Friedensforschung. kna

Hamburg

Ruine mit Herz

Einst das Zuhause des Reformjudentums, stand der Israelitische Tempel kurz vor dem Verfall. Eine Bürgerinitiative und die Stadt wollen den historischen Ort nun neu beleben. Ein Besuch im Hinterhof

von Heike Linde-Lembke  02.08.2026

Geschichte

Die Pension in Mumbai

Ellie und Max Lesser aus Dresden waren zwei von vielen sächsischen Juden, die vor den Nazis Sicherheit in Indien suchten. Deren tragische Geschichte recherchierte nun die Journalistin Iris Völlnagel

von Thyra Veyder-Malberg  02.08.2026

Programm

Kultursommer, Führungen und Einstein vs. Hawking: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Juli bis zum 6. August

 02.08.2026

Porträt der Woche

Mehr als ein Beruf

Valerie Vorkul ist Sozialarbeiterin – und jüdischer, als sie lange Zeit annahm

von Leon Stork  02.08.2026

Bundeswehr

Anerkennung für eine Zeitzeugin

Verteidigungsminister Boris Pistorius würdigte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch mit dem Ehrenkreuz

von Luis Gruhler  01.08.2026

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Thüringen

Das Erbe der Simsons

Beim jährlichen Moped-Treffen in Suhl feiern Zehntausende den »Sound des Ostens«. Doch hinter der Kultmarke steht die Geschichte einer von den Nazis vertriebenen jüdischen Unternehmerfamilie

von Helmut Kuhn  30.07.2026

Fußball

Rot-Weiß verbindet

Vergangene Woche gründete sich mit den »FCB Chaverim« der deutschlandweit erste jüdische Fanklub des FC Bayern München

von Luis Gruhler  30.07.2026

Erinnerung

Für immer

Manchmal sind es die kleinen Dinge, von denen wir uns nie trennen würden. Wir haben Gemeindemitglieder gefragt, welche Gegenstände ihnen viel bedeuten

von Christine Schmitt  30.07.2026