Als der jüngste Krieg gegen den Iran begann, kam in vielen Ländern des Nahen Ostens der Flugverkehr zum Erliegen. So auch in Israel, das unter Beschuss stand und seinen Luftraum für alle zivilen Flüge schloss. Etwa 100.000 Israelis befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Ausland, ohne Flugmöglichkeiten waren sie an ihren jeweiligen Aufenthaltsorten gestrandet. Erst schrittweise wurden Rückholflüge auf den Weg gebracht, und noch Wochen nach Kriegsbeginn warteten etliche auf ihre Heimreise.
Deutschland bildete hier keine Ausnahme, und wie vielerorts liefen auch in München sofort Unterstützungsmaßnahmen für die unfreiwilligen Gastbesucher an. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), Charlotte Knobloch, erklärte, alle Hilfe, die nötig sei, werde gewährt. Am Jakobsplatz gingen in den turbulenten Tagen Anfang März zahlreiche Unterstützungsanfragen für die rund 150 gestrandeten Israelis ein. Unter ihnen auch Sergej und Irina aus Rechovot. Mehr als einmal wurde die Kunst der Improvisation bemüht: Ein aufgeklapptes Sofa in einer Studentenwohnung bot noch Platz, ein Hobbykeller wurde für acht junge Israelis zur Notunterkunft; Einladungen zum Schabbat-Dinner wurden ausgesprochen.
Mehr als 70 Gemeindemitglieder halfen
Für Familien erwiesen sich die Angebote zur Kinderbetreuung als große Entlastung. Als dann die ersten Flüge von München abhoben und etwa die vierköpfige Familie von Shani und Ran aus Jerusalem rasch zum Flughafen aufbrechen musste, konnte die Verabschiedung vom Alexander-Moksel-Kindergarten, der für Tage zur vorübergehenden Heimat geworden war, nur digital stattfinden – zu Shanis großem Bedauern. Nicht nur auf institutioneller Ebene, auch individuell war die Solidarität groß: Mehr als 70 Gemeindemitglieder waren an verschiedenen Hilfsaktionen beteiligt. Eine besondere Unterstützung konnte Sigmund »Sigi« Kalmanowicz anbieten. Er ist selbst ein Kind der Münchner Gemeinde, seine Familie seit vielen Jahrzehnten fest in der Stadt verankert. Als General Manager des Carlton Hotels in der Maxvorstadt stellten er und sein Hotelteam Gestrandeten Zimmer zu einem symbolischen Preis zur Verfügung, und ein ganzer Speisesaal wurde zum Ort für Remote-Arbeit und Entspannung umfunktioniert. Kalmanowicz organisierte außerdem Fahrräder und Transportmittel und ermöglichte Vergünstigungen für Speisen und Getränke.
Solche und weitere Aktionen gaben den Gästen inmitten einer Krisensituation das Gefühl von Halt. Die IKG und ihre Mitglieder ermöglichten ihnen einen unter unvorhergesehenen Umständen schönen Aufenthalt in München – und vermittelten trotz allem ein Gefühl von Zuhause.