Stuttgart

Gruß ins Heilige Land

Fährt auf unterschiedlichen Strecken durch die Stadt: der Israel-Bus Foto: Brigitte Jähnigen

Mit einer eher ungewöhnlichen Werbung macht die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) auf Israel aufmerksam. Neben einer Israelflagge ist der Schriftzug »Shalom Israel« auf Deutsch, Iwrit und Arabisch auf beiden Längsseiten und der Rückfront eines Stadtbusses aufgebracht. Initiiert hat die Aktion die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG), Region Stuttgart.

»Jetzt in Corona-Zeiten wollten wir mehr tun, als nur Online-Veranstaltungen zu organisieren«, sagt Bärbel Illi, die Vorsitzende der DIG, Region Stuttgart. Israel sei aktuell durch seine erfolgreiche Impfkampagne stärker in den Fokus der Allgemeinheit gerückt. »Wir wollten noch ein bisschen nachhelfen und mehr Wissen über das Land am Mittelmeer mit seinen neun Millionen Einwohnern bringen«, so Bärbel Illi.

Nicht nur USB-Stick, WhatsApp und die Tropfbewässerung seien Erfindungen aus Israel und erleichterten den Menschen das Leben. Israel wolle auch Frieden und habe nach Ägypten (1979) und Jordanien (1994) im vergangenen Jahr mit vier weiteren arabischen Staaten Friedensabkommen geschlossen. »Mit der Busaktion tun wir etwas gegen unfaire Diffamierung und unverhältnismäßige Israelkritik«, betont Illi. Doch was sagen Fahrgäste und Busfahrer zu dieser Aktion?

Fahrroute Die Buslinie mit der »Shalom Israel«-Werbung wechselt. Diesmal führt die Fahrt vom Neckartal in die Höhe von Stuttgart-Rotenberg und dauert 15 Minuten. Der Bus ist – auch wegen Covid-19 – spärlich besetzt. Im Tal ist die Landschaft eher industriell geprägt, mit zunehmenden Höhenmetern dominieren Weinberge und Gärten. An Wochentagen wird die Linie von Schülern, Anwohnern und Einkaufskunden genutzt, am Wochenende vermehrt von Touristen.

»Dann wird es voll«, sagt Busfahrer Erich K. (Name von der Red. geändert). Er finde die Aktion »sehr gut«. Israel sei ein Land »wie jedes andere«. Juden kennt er keine, aber es gebe schließlich viele Religionen und Gruppierungen.

Rechtlich gesehen waren die württembergischen Juden im 19. Jahrhundert mit der christlichen Bevölkerung nicht gleichgestellt.

»Das ist Privatsache«, sagt Erich K. Ziel der Linie 61 ist der Ort Rotenberg. Von dort sind es wenige Gehminuten zur Grabkapelle auf dem Württemberg. Mit diesem bekannten klassizistischen Zentralbau erfüllte König Wilhelm I. den Wunsch seiner Frau Katharina, die auf dem Württemberg begraben werden wollte. Wer von der Grabkapelle aus weit übers Land schaut, weiß vermutlich wenig vom Judentum in dieser Zeit. Unter der Ägide von König Wilhelm I. wurde 1831 durch eine Verordnung die »Königliche Israelitische Oberkirchenbehörde«, genannt Israelitischer Oberrat, mit Hauptsitz in Stuttgart geschaffen.

Die vorher schon bestehenden Synagogengemeinden in Württemberg wurden in »jüdische Kirchengemeinden« umbenannt – auch wenn der Begriff »Kirche« fremd für das Judentum ist. Erster Rabbiner war Joseph Maier, zur Gemeinde zählten im Jahr 1832 ganze 15 Familien. Rechtlich gesehen waren die württembergischen Juden mit der christlichen Bevölkerung nicht gleichberechtigt, ihre Lebensweise durch Gesetze eingeschränkt und diskriminiert. Erst Jahre später sollten ihnen durch »das Gesetz über die bürgerliche Gleichberechtigung« Pflichten und Leistungen aller Bürger gewährleistet sein.

»Ich wohne in unmittelbarer Nachbarschaft der Grabkapelle, habe aber vom Judentum zu Zeiten von König Wilhelm I. bisher nichts gewusst«, erzählt eine Anwohnerin, die in den Bus steigt. Die Israel-Aktion findet sie ebenfalls gut. »Ich habe nichts gegen Juden oder Araber«, bekennt sie. Ihr Sitznachbar, der das Gespräch mithört, möchte sich öffentlich nicht äußern.

Multikulturell Deutlich wird ein junger Busfahrer. »Stuttgart ist eine multikulturelle Stadt, 40 Prozent der Bevölkerung haben ihre familiären Wurzeln nicht hier«, sagt der Syrer, der sich zum orthodoxen Glauben bekennt. Juden kennt er keine. »Aber es müssten viel mehr solcher Israel-Aktionen stattfinden«, meint er. Man könne doch »nur friedlich miteinander leben«, ist er überzeugt. Und er ist »ein bisschen stolz«, bei einem Unternehmen wie der SSB zu arbeiten, die solche Aktionen zulässt und unterstützt.

»Das war für uns keine Frage, wir wollten die Israel-Werbung und haben sofort zugestimmt, als der Vorschlag kam«, sagt Birte Schaper von der Presseabteilung der SSB. Noch bis in den Juni hinein fahre der Bus durch ganz Stuttgart. »Immer eine andere Linie«, erklärt Schaper.

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