Jubiläum

Geburtstag einer Synagoge

Chanukkia in der Wormser Synagoge Foto: dpa

Die Nazi-Morde der Zwickauer Terrorbande haben auch den Festakt zum 50-jährigen Wiederaufbau der Synagoge Worms überschattet. »Es ist die Pflicht eines Rechtsstaates, wehrhaft zu sein und sich zur Wehr zu setzen«, betonte deshalb auch Ministerpräsident Kurt Beck bei seiner Festansprache am Donnerstag.

Den Wiederaufbau feiern zu können, bedeute in dieser Zeit sowohl einen Tag der Freude, aber auch des Mahnens, sagte Beck. Er versicherte den rund 150 Gästen, unter ihnen auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, sowie die Vorsitzende der Gemeinden Mainz und Worms, Stella Schindler-Siegreich, energischen Widerstand gegen alle Kräfte zu leisten, die »den gleichen Ungeist« verbreiteten, der einst zum Judenmord in der NS-Zeit geführt habe.

Bewusstsein Auch der Generalkonsul des Staates Israel, Tibor Shalev Schlosser, ging auf die aktuellen Erkenntnisse rund um die rechte Terrorszene ein. Er begrüßte zwar das zunehmende Bewusstsein für die Bedeutung des jüdischen Erbes und speziell der sogenannten Schum-Städte Mainz, Worms und Speyer, verwies aber auch darauf, dass die Zahl antisemitischer Übergriffe in den vergangenen Jahren weltweit – auch in Deutschland – zugenommen habe.

Für die Gewähr der Redefreiheit in einer Demokratie gäbe es nur eine einzige Ausnahme: wenn diese Redefreiheit missbraucht werde. Rechtem Terror und denjenigen, die die Demokratie aushöhlten, müsse man »kraftvoll und engagiert entgegentreten«, sagte Shalev Schlosser.

Schindler-Siegreich ging auf die wechselvolle Geschichte der Synagoge ein. Sie gehöre zu den historisch bedeutsamsten jüdischen Gotteshäusern in Deutschland, deren Baugeschichte 1.000 Jahre zurückreicht.

Denn in Speyer, Mainz und Worms entwickelte sich zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert ein geistiges und kulturelles Zentrum des Judentums, das »rheinische Jerusalem«. Was dort gelehrt wurde, hatte Ausstrahlung auf alle jüdischen Gemeinden Europas.

Wiederaufbau In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt und anschließend ihre Ruine verwüstet. Schon 1946 begann die Diskussion über einen Wiederaufbau. Doch erst am 3. Dezember 1961, es war der erste Tag von Chanukka, konnte die Synagoge nach dreijähriger Bauzeit feierlich eröffnet werden, und es erstrahlte wieder Licht. Den Bau hatte der damalige Vizekanzler Ludwig Erhard befürwortet und politisch begleitet.

Doch eine Gemeinde gab es lange nicht. Die Rekonstruktion einer Synagoge ohne Gemeinde blieb ein Einzelfall in der Nachkriegszeit. Die Rekonstruktion war umstritten. Gegen die Einrichtung eines Museums sprachen sich vor allem emigrierte Juden aus. So schrieb Carola Kaufmann-Levy 1955: »Mir will es nicht in den Sinn, dass der heilige Platz, an dem eine lange Kette meiner Ahnen ihren Gott suchte und fand, zum Schauplatz degradiert werden soll, an dem mehr oder minder Wohlmeinende sich ihr Urteil über die ihnen fremden Juden bilden sollen, über sie sie sich auch nach Besuch des Gedächtnisplatzes nicht klarer sein werden als zuvor.«

Zuwanderung Die Befürworter des Wiederaufbaus stützten sich auf die Hoffnung, dass sich in Zukunft wieder eine Gemeinde bilden werde. Dies war auch mit den jüdischen Zuwanderern aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ab 1990 gegeben. Doch das jüdische Leben ist derzeit wenig aktiv, hier wünscht sich Stella Schindler-Siegreich, die selbst in Worms lebt, mehr Aktivitäten.

Derzeit bemühe man sich jedoch intensiv um die Anerkennung der Schum-Städte bei der Erziehungs- und Bildungseinrichtung der Vereinten Nationen als Weltkulturerbe. Hierfür sicherten Kurt Beck und der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel ihre Unterstützung zu.

Berlin

Kontrollzentrum für mehr Sicherheit jüdischer Einrichtungen geplant

Eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung: Der Zentralrat der Juden hat Pläne, um die Sicherheit jüdischer Einrichtungen zu verstärken. Wie es Sicherheitskräften von Synagogen und Co. eigentlich geht, zeigt eine Umfrage

von Leticia Witte  23.04.2026

Leipzig

Schoa-Überlebender Andrei Moiseenko reist für seinen 100. Geburtstag durch Sachsen

Andrei Iwanowitsch Moiseenko wurde im Alter von 15 Jahren als Zwangsarbeiter nach Leipzig deportiert

 23.04.2026

Jewrovision

Feuerwerk von Talenten

Leipzig feiert ein Comeback, andere Jugendzentren wie Bremen, Hamburg oder Westfalen schließen sich für Auftritte zusammen. Der Countdown zum größten Event für jüdische Jugendliche läuft

von Christine Schmitt  22.04.2026

Programm

Chassidischer Workshop, uralter Blockbuster und eine vergessene Heldin: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. April bis zum 30. April

 22.04.2026

Berlin

Israelischer Starkoch auf den Spuren seiner deutschen Großmutter

Schnitzel - das klingt erst einmal sehr deutsch. Dieses Schnitzel allerdings kommt anders daher. Ein Besuch im Berliner Restaurant »Berta«, das ein israelischer Starkoch nach seiner deutschen Großmutter benannt hat

von Nina Schmedding  22.04.2026

78 Jahre Israel

Masal Tow

Auf den Gedenktag Jom Hasikaron folgt der Unabhängigkeitstag Jom Haazmaut. Wir haben Jüdinnen und Juden gefragt, was sie dem Land wünschen

von Katrin Richter  21.04.2026

Gesellschaft

»Ich lasse das nicht in mein Leben«

Yuval Amshalem zieht der Liebe wegen nach Berlin. Bei der Online-Wohnungssuche sah der 24-Jährige sich mit einem antisemitischen Shitstorm konfrontiert, auf den der AI-Experte entspannt reagiert. Ein Gespräch über Ziele im Leben

von Sophie Albers Ben Chamo  21.04.2026

Berlin

Abbruch nach Antisemitismus bei Makkabi-Spiel

Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts der antisemitischen Volksverhetzung und Beleidigung

 20.04.2026

Essay

Darf es mir gut gehen …?

Die Welt brennt an allen Ecken und Enden. Unsere Autorin Barbara Bišický-Ehrlich plädiert für die Hoffnung als Lebensprinzip in dunklen Zeiten

von Barbara Bišický-Ehrlich  20.04.2026