Gesellschaft

»Ich lasse das nicht in mein Leben«

Yuval Amshalem

Herr Amshalem, Sie ziehen in Kürze der Liebe wegen von Tel Aviv nach Berlin. Als Sie in Online-Foren nach einer Bleibe suchten, brach ein anti-israelischer Shitstorm los. Wie haben Sie reagiert?
Zunächst gab es nur ein paar Kommentare, und ich dachte: »Die sind aber seltsam für einen solchen Beitrag. Ich verstehe das nicht wirklich.« Dann habe ich kurz auf einige geantwortet. Und ich dachte: Mehr Kommentare bedeuten mehr Reichweite. Vielleicht hilft mir das, eine Wohnung zu finden. (lacht)

Aber dann wurde der Ton schärfer.
Irgendwann hörten die Leute auf, auf den Beitrag selbst zu reagieren, und fingen an, ihre eigenen Geschichten darauf zu projizieren. Wer ich bin, wofür ich stehe, was der Beitrag angeblich bedeutet. Es wurde zu einem Durcheinander von Kommentaren, die fast nichts mehr mit dem Beitrag zu tun hatten.

Es gab auch heftige Beleidigungen.
Manche wollten einfach nur mit Anschuldigungen um sich werfen. Andere versuchten, es wie ein Gespräch klingen zu lassen. Aber meistens waren es Leute, die ihre eigene Weltanschauung einbringen wollten und laut waren.

<em>Unter dem Wohnungsgesuch von Yuval Amshalem gab es zahlreiche Hass-Kommentar</em>e


Sie haben einen sehr rationalen Blick darauf. Wie schaffen Sie es, sich so davon zu distanzieren?
Weil es nicht wirklich um mich geht. Diese Leute kennen mich nicht. Selbst die, die mich verteidigen, kennen mich nicht wirklich. Was mich aber mehr stört, ist die Energieverschwendung – all diese Emotionen, all dieser Lärm, und dabei kommt nichts Konkretes oder Nützliches heraus.

Sie werden auch beleidigt, weil Sie Jude und Israeli sind.
Die Leute sind zu schnell dabei, jemanden auf ein Etikett zu reduzieren. Was sagt es eigentlich über eine Person aus, wenn man sie als Jude oder Israeli bezeichnet? Sehr wenig!

Und was tut man, bis die Menschen schlauer geworden sind?
Ich lasse das nicht in mein Leben. Ich muss auf alles vorbereitet bleiben, was kommen mag, denn das ist mein Leben, und ich bin dafür verantwortlich.

Ist Ihre Vorfreude auf Berlin nun gedämpft?
Nein. Ich habe sehr gute Gründe, mich auf Berlin zu freuen. Diese Leute im Internet ändern nicht wirklich viel daran.

Lesen Sie auch

Sie wirken erstaunlich entspannt.
Ich glaube, die meisten Menschen streben nach etwas Gutem, aber viele gehen dabei sehr ungeschickt vor. Vieles davon rührt daher, dass sie die Realität auf einfache Etiketten reduzieren, anstatt die Komplexität zu erkennen. Ich versuche, mich davon nicht beeinflussen zu lassen. Ich habe viel, worauf ich mich konzentrieren muss. In ein paar Tagen ziehe ich um und gebe meine Wohnung in Tel Aviv auf. Übrigens habe ich eine Wohnung in Berlin gefunden und werde den Mietvertrag wahrscheinlich bekommen.

Wegen der ganzen Aufmerksamkeit?
Ich glaube schon. Die Vermieterin scheint sehr nett zu sein, und ich würde den Vertrag sehr gerne unterschreiben.

Waren Sie schon einmal in Deutschland und in Berlin?
Nein, es ist mein erstes Mal.

Wow, und Sie ziehen gleich um?
Wenn man etwas Gutes im Leben findet, sollte man es verfolgen. Ich mache den Schritt, den ich machen muss.

Mit Yuval Amshalem sprach Sophie Albers Ben Chamo.

Jerusalem

Minister Chikli verweigert YouTuber Tyler Oliveira Einreise nach Israel

Das israelische Ministerium für den Kampf gegen Antisemitismus erklärt, der Amerikaner habe »hetzerische Aussagen gegen Juden« verbreitet

 12.05.2026

Massaker vom 7. Oktober

Die Hamas nutzte sexuellen Terror gezielt als Waffe

Tausende unerträgliche Videos, Fotos und Zeugenaussagen: Ein neuer Bericht der Zivilkommission zeigt, wie systematisch die Terroristen Familien erniedrigen und zerstören wollten

von Sabine Brandes  12.05.2026

Hamas-Massaker

Ex-Geisel Rom Braslavski: »Schämt Euch«!

Nachdem Premier Netanjahu seine Schuld erneut relativiert, macht der junge Mann in der Knesset seinem Unmut Luft

von Sabine Brandes  12.05.2026

Jerusalem

Knesset beschließt Sondertribunal für Hamas-Terroristen

Das Sondergericht soll sich mit den Verfahren gegen rund 300 am 7. Oktober festgenommene palästinensische Terroristen befassen

 12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Israel

Luftfahrtbehörde: US-Militärflugzeuge blockieren Betrieb in Tel Aviv

US-Militärflugzeuge sorgen laut Israels Luftfahrtbehörde für Engpässe am internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. Welche Folgen das für Reisende und Flugpreise haben könnte

 11.05.2026

Brüssel

EU beschließt Sanktionen gegen Israel

Die Europäische Union hat eine politische Einigung für Strafmaßnahmen gegen israelische Siedler erzielt

von Michael Thaidigsmann  11.05.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Generalstabschef warnt Knesset vor akuter Personalnot in der Armee

Aufgrund des Krieg an mehreren Fronten stoße die operative Belastung der Armee an Grenzen, sagt Eyal Zamir. Die IDF brauchen ihm zufolge sofort mehr Soldaten

 11.05.2026

Jerusalem

Netanjahu: Krieg gegen Iran »nicht vorbei«

Im »60 Minutes«-Interview spricht der Ministerpräsident auch über den Konflikt mit der Hisbollah, die amerikanische Militärhilfe für sein Land und den verlorenen Propagandakrieg

 11.05.2026