Warschau/Jerusalem

Polen und Israel streiten über Vorwürfe von Kriegsverbrechen

Außenminister Radosław Sikorski Foto: picture alliance / NurPhoto

Zwischen Polen und Israel ist es zu einem diplomatischen Schlagabtausch gekommen. Auslöser waren Äußerungen des polnischen Außenministers Radosław Sikorski, der israelischen Soldaten vorwarf, selbst Kriegsverbrechen einzuräumen. Die Online-Zeitung »Times of Israel« berichtete.

Sikorski reagierte damit auf ein in sozialen Medien verbreitetes Foto, das einen israelischen Reservisten zeigen soll, wie er im Südlibanon eine Jesus-Statue mit einem Vorschlaghammer zerstört. Israels Außenminister Gideon Sa’ar habe sich zwar schnell entschuldigt, schrieb Sikorski im Netzwerk X, »es gab auch etwas, wofür man sich entschuldigen musste«.

Zugleich forderte der polnische Chefdiplomat Konsequenzen gegen den Soldaten. Dieser müsse bestraft werden. Darüber hinaus müssten Lehren daraus gezogen werden, wie Soldaten ausgebildet würden.

»Tiefe Unkenntnis«

Scharfe Kritik übte Sikorski auch mit Blick auf den Gaza-Krieg. »IDF-Soldaten geben selbst Kriegsverbrechen zu«, schrieb er. Zudem hätten sie nicht nur palästinensische Zivilisten getötet, sondern auch eigene Geiseln.

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Israel wies die Vorwürfe entschieden zurück. Sa’ar sprach von »schweren, haltlosen und verleumderischen Aussagen« über die israelischen Streitkräfte. Was Sikorski geschrieben habe, offenbare »tiefe Unkenntnis und ein erhebliches Maß an Unverständnis«.

Der israelische Außenminister verwies darauf, dass es in Kriegen zu operativen Fehlern kommen könne, bei denen auch eigene Kräfte durch Beschuss der eigenen Seite getroffen würden. Zugleich erklärte er, keine westliche Armee gehe präziser gegen Terrororganisationen vor als die israelische. Dabei werde fortlaufend versucht, Schäden für Unbeteiligte zu begrenzen.

»Professionell und ethisch«

Weiter bezeichnete Sa’ar die Armee seines Landes als »professionell und ethisch«. Demokratische Staaten des Westens würden aus den Erfahrungen Israels lernen.

Zugleich griff er Polen an und forderte Sikorski auf, lieber einen antisemitischen Vorfall im polnischen Parlament zu verurteilen. Dort hatte ein Abgeordneter nach israelischen Angaben eine israelische Flagge entrollt, in deren Mitte statt des Davidsterns ein Hakenkreuz zu sehen gewesen sei.

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Die israelische Armee bestätigte unterdessen die Echtheit des Fotos aus dem Libanon. Der beteiligte Soldat sei identifiziert worden, gegen ihn solle vorgegangen werden. Das Bild soll im christlichen Ort Debel im Süden des Landes aufgenommen worden sein, wo Israels Armee zuletzt gegen die Hisbollah operierte. ja

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