Berlin

Immer mehr Israelis beantragen deutsche Staatsbürgerschaft

Die israelische und die deutsche Flagge vor dem Roten Rathaus in Berlin Foto: picture alliance / Daniel Kalker

Immer mehr israelische Staatsangehörige lassen sich einbürgern oder erhalten einen deutschen Pass. Wie die »Bild« unter Berufung auf Angaben des Bundesinnenministeriums berichtet, hat sich die Zahl der Einbürgerungen in den vergangenen Jahren vervierfacht.

Demnach wurden vor fünf Jahren bundesweit 1025 Israelis eingebürgert. Im Jahr 2024 lag die Zahl bereits bei 4275.

Besonders in Berlin nahm die Zahl der Einbürgerungen zu. Laut »Bild« stieg sie dort im Jahr 2024 auf 202 Fälle und lag damit etwa dreimal so hoch wie einige Jahre zuvor. Auch die Zahl israelischer Staatsbürger mit Wohnsitz in der Hauptstadt nahm zu. Laut Bericht lebten 2023 noch 4039 Israelis in Berlin, Ende 2025 waren es bereits 4559.

Einbürgerungszahlen als Vertrauensbeweis

Der Berliner CDU-Abgeordnete Timur Husein wertete die Entwicklung als positives Signal. »Die steigenden Einbürgerungszahlen sind ein Vertrauensbeweis. Ob der gerechtfertigt ist, müssen wir zeigen, indem wir dem Antisemitismus entschlossen entgegentreten«, sagte er gegenüber »Bild«.

Lesen Sie auch

In Hamburg stieg die Zahl der Einbürgerungen israelischer Staatsbürger dem Bericht zufolge von sechs Fällen im Jahr 2020 auf 31 im vergangenen Jahr. In Bayern erhöhte sich die Zahl im selben Zeitraum von 42 auf 117.

Nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums hat der Anstieg auch juristische Gründe. Seit August 2021 haben Nachfahren von NS-Verfolgten einen gesetzlichen Anspruch auf die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn ihren Familien diese einst entzogen oder verweigert wurde.

Viele Antragsteller leben dabei weiterhin im Ausland. Von den 4275 Israelis, die 2024 einen deutschen Pass erhielten, wohnten nach Angaben des Ministeriums 3640 überwiegend nicht in Deutschland. im

Auszeichnung

Ehrenamtspreis für jüdisches Leben geht nach Köln und Berlin

Bereits zum vierten Mal wird der Ehrenamtspreis für jüdisches Leben verliehen. In diesem Jahr werden Projekte geehrt, die vor allem auf einen niederschwelligen Zugang setzen

von Birgit Wilke  14.07.2026

Medien

Wechsel im ARD-Studio Tel Aviv: Sophie von der Tann wird abgelöst

Während der BR seine Korrespondentin in höchsten Tönen lobt, wurde extern immer wieder heftige Kritik geübt. Von der Tanns Nachfolgerin in Israel ist Pia-Marie Steckelbach

 14.07.2026

Kommentar

Wenn Studenten wieder anfangen, Juden auszugrenzen

Es sind Beschlüsse wie der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments der Humboldt-Uni, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob die zukünftige sogenannte deutsche Bildungselite noch zu retten ist

von Leeor Engländer  14.07.2026

München

Bayerns 180-Grad-Restitutionswende

Der Freistaat hat sich entschieden, eine Bronze von Picasso zurückzugeben und dabei gleich seinen Umgang mit NS-Raubkunst zu reformieren

von Michael Thaidigsmann  14.07.2026

Faktencheck

Henry Kissinger wollte die »weiße Rasse« nicht beseitigen

Dem früheren US-Außenminister Henry Kissinger werden immer wieder völlig frei erfundene Zitate zugeschrieben. Etwa, dass er die »weiße Rasse« durch multikulturelle Gesellschaften habe ersetzen wollen

 14.07.2026

Washington D.C.

Trump droht mit Angriff: Was über »Pickaxe Mountain« bekannt ist

Den Berg, der eine Atomanlage beherbergt, bezeichnet der US-Präsident als mögliches Ziel für einen »großen, fetten« Angriff

 14.07.2026

Osnabrück/Doha

Iron-Dome-Deal zwischen Israel und VW droht an Katar-Veto zu scheitern

Ein Verteidigungsdeal mit Israel und Hunderte Arbeitsplätze am VW-Standort Osnabrück sind in Gefahr, da der katarische Staatsfonds blockiert

 14.07.2026

Washington D.C.

USA-Iran-Rahmenabkommen: Was hat Trump überhaupt erreicht?

Groß war der Jubel des US-Präsidenten, als er mit der Führung im Iran ein vages Rahmenabkommen erzielte. Knapp einen Monat später stellt sich jedoch die Frage: Was ist davon noch übrig?

von Franziska Spiecker, Khang Mischke  14.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.07.2026 Aktualisiert