Toronto

Vermisste 14-Jährige Esther wohlbehalten aufgefunden

Ein heruntergerissenes Suchplakat mit einem Foto von Esther liegt in einem Park in Toronto. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die seit fast zwei Wochen vermisste 14-jährige Esther ist in Toronto lebend und offenbar unverletzt gefunden worden. Dies teilte die Polizei am Donnerstag (Ortszeit) mit. Das jüdische Mädchen wurde demnach in einem Wohnhaus innerhalb der kanadischen Millionenstadt entdeckt. Die CBC und andere kanadische Medien berichteten.

Nach Angaben der Ermittler wurde die Jugendliche vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Dort soll nicht nur ihr körperlicher Gesundheitszustand untersucht werden, sondern auch festgestellt werden, welche psychischen Folgen ihr Verschwinden möglicherweise hinterlassen hat. Polizeisprecher Don Belanger erklärte vor Journalisten: »Sie scheint sich in einem guten körperlichen Zustand zu befinden. Dennoch müssen wir das selbstverständlich durch medizinisches Fachpersonal bestätigen lassen.«

Mit dem Auffinden des Mädchens rückt nun die Frage nach den Umständen ihres Verschwindens in den Mittelpunkt der Ermittlungen. »Unsere Untersuchung wird sich nun darauf konzentrieren, ob es Hinweise auf strafbare Handlungen im Zusammenhang mit ihrem längeren Verschwinden gibt«, sagte Belanger. Festnahmen habe es bislang nicht gegeben, Anklagen seien ebenfalls nicht erhoben worden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Sämtliche verfügbaren Ressourcen

Die Polizei machte zunächst keine Angaben dazu, wo sich das Haus befindet, in dem die Jugendliche entdeckt wurde. Auch dazu, wer sich dort zum Zeitpunkt des Polizeieinsatzes aufhielt, äußerten sich die Behörden nicht. Ermittler prüfen nach eigenen Angaben nun die Bewohner des Hauses sowie weitere Personen, die sich dort aufgehalten haben könnten.

Während der Suche gingen bei der Polizei täglich zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung ein. Belanger lobte die Unterstützung durch die Öffentlichkeit. »Die Art und Weise, wie diese Gemeinschaft zusammengekommen ist, um die Ermittlungen und die Familie zu unterstützen, war schlicht bemerkenswert«, sagte er. Es habe sich nicht nur um eine polizeiliche Suchaktion gehandelt, sondern um eine gemeinsame Anstrengung von Behörden und Bevölkerung.

Wie die Ermittler auf die Spur des Mädchens kamen, blieb zunächst offen. Belanger erklärte lediglich, die Polizei habe umfangreiches Videomaterial ausgewertet und zahlreiche Suchmaßnahmen am Boden durchgeführt. Dabei seien sämtliche verfügbaren Ressourcen eingesetzt worden.

»Überwältigende Unterstützung«

Auch Torontos Bürgermeisterin Olivia Chow reagierte erleichtert auf die Nachricht. In einem Beitrag in den sozialen Medien dankte sie Polizei, Rettungskräften und freiwilligen Helfern für ihren Einsatz. »Ich teile die kollektive Erleichterung der Stadt«, schrieb sie.

Die Eltern der Jugendlichen äußerten sich später in einer Erklärung. »Zum ersten Mal seit Tagen können wir unsere Tochter in die Arme schließen und wieder durchatmen«, teilten sie mit. Zugleich baten sie die Öffentlichkeit, auf Spekulationen über die Hintergründe des Falls zu verzichten.

Besonderen Dank richtete die Familie an die vielen Menschen, die sich an der Suche beteiligt hatten. »Zu den Tausenden Menschen, die unsere Familie durch diesen Albtraum getragen haben – ein Dankeschön wird niemals groß genug sein«, erklärten die Eltern. Sie würdigten außerdem die »überwältigende Unterstützung« der jüdischen Gemeinschaft.

Lesen Sie auch

Suchplakate heruntergerissen

Die Jugendliche war nach Angaben der Polizei in der Nacht zum 16. Mai zuletzt im Bereich Bathurst Street und Hotspur Road gesehen worden. Zuvor hatten Ermittler erklärt, sie sei bereits am 15. Mai im Earl Bales Park beobachtet worden. Wegen der Dauer des Verschwindens hatte die Polizei ihre Suche auf die höchste Alarmstufe ausgeweitet und unter anderem Drohnen sowie Hunde-, Reiter- und Marineeinheiten eingesetzt.

Die Behörden hatten die Öffentlichkeit intensiv um Mithilfe gebeten und eigens eine Telefon-Hotline sowie ein digitales Hinweisportal eingerichtet. Anfang der Woche war zudem eine Belohnung von 25.000 kanadischen Dollar für Informationen ausgesetzt worden, die zur sicheren Rückkehr der Jugendlichen führen würden.

Jüdischen Organisationen zufolge wurden während der Suche in ganz Toronto Plakate, auf denen mit einem Foto von Esther um Mithilfe gebeten wurde, heruntergerissen. Dies wurde als antisemitischer Hass gewertet und verurteilt. im

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

Debatte

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ein Pro & Contra

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  12.06.2026

Berlin

Bundesrat für Verbot von Handel mit Dokumenten von NS-Opfern

»Wir dulden es nicht länger, dass aus dem Leid der NS-Opfer Profit geschlagen wird«, sagt NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne)

 12.06.2026

Ankara

Erdoğan vergleicht Netanjahu erneut mit Hitler

»Wer Hitlers Weg folgt, sollte nicht vergessen, dass sein Schicksal dem anderer Tyrannen in der Geschichte gleichen wird«, erklärt der türkische Präsident in Richtung des israelischen Regierungschefs

 12.06.2026

Debatte

Mario Voigt nutzte KI für Reden zum Holocaust-Gedenken

Ein Portal findet mit KI-Analyse-Werkzeugen Auffälligkeiten in Beiträgen von Thüringens Regierungschef. Wie viel KI darf in einer Rede zum Holocaust-Gedenktag stecken?

 12.06.2026

Berlin

Anne-Frank-Tag: Bildungsstätte sieht Antisemitismus-Flut im Internet

»Wir erleben aktuell, dass sowohl rechtsextreme als auch islamistische und linke Gruppen antisemitisch agieren, antisemitische Narrative aber zugleich in der Mitte der Gesellschaft fest verankert sind«, sagt Deborah Schnabel

 12.06.2026

Brüssel

Kallas vergleicht Israel mit Apartheids-Südafrika

Die EU-Außenbeauftragte wird für ihre Aussage von anderen EU-Diplomaten und -Beamten scharf kritisiert

 12.06.2026

Künstliche Intelligenz

Preiskrieg zwischen Giganten

Sam Altmans OpenAI will den aggressiv wachsende Rivalen Anthropic der Geschwister Daniela und Dario Amodei auf Distanz halten

 12.06.2026