Hamburg

Fest in der Turnhalle

Dmytro Bondarenko begrüßt die Gäste. Foto: Moritz Piehler

Es war kein Zufall, dass die Veranstaltung ausgerechnet an diesem Ort stattfinden sollte. In der Turnhalle der Talmud-Tora Schule hatten sich schließlich schon vor vielen Jahrzehnten die Pioniere der jüdischen Sportvereine in Hamburg getroffen. Um Sport zu treiben, sich in Gemeinschaft zu versammeln und nicht zuletzt die Grundsteine der Makkabi-Bewegung mit zu legen.

Nun konnte dort das 100-jährige Jubiläum gefeiert werden, auch wenn es durch die Pandemie bedingt eigentlich schon das 101. Jubiläum ist, nachdem die Veranstaltung aus dem vergangenen Jahr verschoben werden musste. Dafür konnte die Feier dann 2022, wenn auch mit Verspätung, so doch wenigstens vor einer gut gefüllten Halle stattfinden.

Sportlegenden Dekoriert waren die Fenster der Turnhalle, die auch heute noch von der Josef-Carlebach-Schule genutzt wird, mit den Fotos von den Größen der jüdischen Sportgeschichte, die jeweils mit Kurz-Biografien vorgestellt wurden.

Der berühmte Fußballspieler Julius Hirsch war da genauso zu finden, wie die Tennisspielerin Nelly Neppach, Deutsche Meisterin von 1929 oder der Einshockeyspieler Rudi Ball. Aber auch jüdische Athletinnen der Gegenwart wie die viermalige Olympia-Schwimmerin Sarah Poewe zierten mit Fotos in Aktion die Wände.

Denn dass es trotz der langen Historie nicht nur um die Vergangenheit gehen sollte, stellte der Vorstandsvorsitzende Dmytro Bondarenko in seiner Jubiläums-Ansprache schnell klar. Zwar führte Bondarenko kurz durch die Entstehungsgeschichte des TuS Makkabi, dies sogar bis ins Jahr 1899 zurückreicht, als ehemalige Schüler der Talmud-Tora-Schule sich zum Sporttreiben zusammenschlossen und schließlich mit Bar Kochba Hamburg den Vorgängerverein gründeten, der sich dann 1921 dem neu gegründeten Weltverband anschloss.

Geschichte Doch eigentlich ging es vor allem um Gegenwart und Zukunft. Denn inzwischen sind in Deutschland wieder mehr als 5500 Mitglieder in den 40 Makkabi-Ortsvereinen organisiert. Diese treffen sich nicht nur zu den Deutschland Games, sondern entsenden auch eine deutsch-jüdische Sportler-Delegation zur Maccabiah nach Israel, die dort dieses Jahr im Juli wieder stattfinden wird. Stolz berichtete Bondarenko von den 13 Medaillen, die Hamburger Sportler und Sportlerinnen im vergangenen Jahr von den Makkabi Deutschland Games aus Düsseldorf mit zurück an die Elbe brachten.

TuS-Makkabi bemüht sich momentan besonders um die Integration von Geflüchteten aus der Ukraine.

Doch bei der Makkabi-Bewegung ging es immer um mehr als nur um Sport. So fand auch die integrative Arbeit und der wichtige Einsatz gegen Antisemitismus im Sport Erwähnung in der Jubiläumsrede. Diese manifestiert sich besonders in dem Projekt »Zusammen 1«. Über 200 Mitglieder sind inzwischen wieder in dem 1977 wiedergegründeten Verein in zwölf Sportarten von Badminton bis Yoga aktiv.

Musik Momentan bemüht sich der Verein besonders um die Integration von geflüchteten Menschen aus der Ukraine. Denn auch das kann Makkabi sein: Zuflucht und ein Stück neue Heimat. Beschlossen wurde der Festakt mit einem weiteren Brückenschlag: Einer Erinnerung an die Vergangenheit bei Esther Bejeranos Klezmer-Stück »Mir lebn ejbig« und der Darbietung eines modernen Coldplay-Popstückes mit »Viva la Vida«.

Die Zukunft konnte man indes während des Festakts schon vom Fußballfeld und der eigens aufgebauten Hüpfburg juchzen und kreischen hören.

Verantwortung

Abschied und Neuanfang

David Beck übernimmt als Nachfolger von Andreas Franck das Amt des Zentralen Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Justiz

von Luis Gruhler  02.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Feier

»Ein Zuhause«

Es war ein bewegender Moment: Nach langer Planung öffnete die bundesweit wirkende Jüdische Akademie in Frankfurt ihre Türen. Mit Prominenz, rabbinischem Segen - und eindringlichen Worten gegen Antisemitismus

von Leticia Witte  02.11.2026

Frankfurt

»Raum geben für Differenzierung«

Zentralratspräsident Josef Schuster skizzierte in seiner Rede zur Eröffnung der Jüdischen Akademie, welche Rolle sie in der Gesellschaft spielen soll. Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut

von Josef Schuster  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Es ist die erste Institution dieser Art in der Bundesrepublik. Was hat es damit auf sich?

 02.11.2026

Eine Akademie für Deutschland

Heute ist in Frankfurt die Jüdische Akademie feierlich eröffnet worden. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  02.11.2026 Aktualisiert

Universität

Angst auf dem Campus

Eine Studie zeigt, wie stark jüdische Studierende unter Antisemitismus leiden – und welche Folgen das für ihre psychische Gesundheit hat

von Alicia Rust  01.11.2026

Porträt der Woche

Reihe 9, außen

Diana Sims-Silbermann spielt Cello und ist Theaterärztin. Sie hat immer denselben Platz

von Claudia Irle-Utsch  01.11.2026