Kundgebung

»Es reicht!«

So wie im vergangenen Jahr demonstrierten auch gestern wieder zahlreiche Menschen auf dem Heinrich-Heine-Platz gegen Judenhass und Israelfeindlichkeit (Archivfoto). Foto: dpa

Knapp eine Woche nach dem Übergriff auf einen Kippa tragenden Jugendlichen haben am Donnerstagabend in Düsseldorf rund 300 Menschen gegen Antisemitismus und Israelfeindlichkeit demonstriert.

Am Heinrich-Heine-Platz verurteilte Volker Neupert vom Bündnis »Respekt und Mut« die Tat als »feigen und widerwärtigen antisemitischen Übergriff«. Bei der Mahnversammlung setzten die meisten männlichen Teilnehmer eine bereitliegende Kippa auf.

Verantwortung Neupert rief die Bürger in Düsseldorf und ganz Deutschland dazu auf, »Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft der Welt« zu zeigen und gegen solche antisemitischen Übergriffe Stellung zu beziehen.

Der Düsseldorfer Oberrabbiner Raphael Evers beklagte, mit dem Übergriff auf den jüdischen Jugendlichen sei »eine rote Linie verschoben« worden. Die Tat sei zugleich ein Zeichen dafür, »dass die Angst und das Misstrauen vor dem anderen noch nie so groß gewesen ist wie heute«. Evers appellierte an die Anwesenden, mit dafür zu sorgen, »dass Menschen nicht von ihrer Menschlichkeit entbunden werden können«.

Auch der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Michael Szentei-Heise, zeigte sich alarmiert. Der Angriff auf einen als Juden erkennbaren Menschen in Düsseldorf und die deutliche Zunahme von Antisemitismus auch in anderen Orten in Deutschland lasse ihn sich fragen, »was die nahe Zukunft noch bringen wird«.

ermittlung Am späten Freitagabend war ein junger Mann mit Kippa offenbar aufgrund seiner jüdischen Religionszugehörigkeit beleidigt und angerempelt worden. Der Jugendliche hielt sich nach Angaben der Polizei am späten Freitagabend in der Düsseldorfer Altstadt auf, als er aus einer etwa zehnköpfigen Gruppe junger Männer heraus attackiert wurde. Laut Angaben der Polizei haben die Täter ein südländisches beziehungsweise nordafrikanisches Aussehen. Der Staatsschutz ermittelt wegen Beleidigung und einfacher Körperverletzung.

Auch in Bonn demonstrierten gestern 500 Menschen auf einer Kundgebung gegen Judenhass. In Bonn war ein jüdischer Gastprofessor am Mittwoch vergangener Woche im Hofgarten in der Nähe der Universität von einem Deutschen mit palästinensischen Wurzeln attackiert und antisemitisch beschimpft worden.

Dabei hatte der Angreifer dem US-Wissenschaftler mehrfach die Kippa vom Kopf geschlagen. Eine zur Hilfe gerufene Polizeistreife verwechselte den Professor mit dem Angreifer und schlug ihn nach Angaben des Professors und nach Berichten von Augenzeugen brutal zu Boden. Der Angreifer wurde wenig später gefasst.

Solidarität Bonns Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan (CDU), der zu der Solidaritätskundgebung zusammen mit der jüdischen Gemeinde auf dem Marktplatz eingeladen hatte, sagte, er schäme sich für die Geschehnisse. Er forderte zudem die lückenlose Untersuchung des Polizeieinsatzes. Der Gastprofessor hatte die unverhältnismäßige Brutalität des Einsatzes kritisiert. Die Bonner Polizei hatte am Montag Disziplinarverfahren gegen die vier beteiligten Beamten eingeleitet.

Die Vorsitzende der Synagogengemeinde Bonn, Margaret Traub, sagte: »Es ist genug. Es reicht. Wir ertragen es nicht mehr, dass wir angefeindet werden, nur weil wir Juden sind.« Der Vorfall in Bonn reihe sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle in Deutschland in der jüngsten Zeit. »Ich erwarte von der Politik, dass unsere Kinder hier angstfrei die Kippa tragen können.« epd/ja

Genuss

Küche der Kindheit

Die Foodbloggerin Lena Bakman kocht die bucharischen Gerichte ihrer Großmutter

von Alicia Rust  24.04.2026

Porträt der Woche

Der Landeshausmeister

Alexander Reznitchi ist Afghanistan-Veteran, war Sportlehrer und wurde Techniker

von Brigitte Jähnigen  24.04.2026

Kino

Boxen auf Leben und Tod

Im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage zeigte die Kultusgemeinde die Geschichte des Hertzko (Harry) Haft

von Helen Richter  24.04.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Musik

Jiddisch und Tango

Ein grandioser Abend mit der Allround-Künstlerin Lea Kalisch

von Nora Niemann  23.04.2026

Berlin

Kontrollzentrum für mehr Sicherheit jüdischer Einrichtungen geplant

Eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung: Der Zentralrat der Juden hat Pläne, um die Sicherheit jüdischer Einrichtungen zu verstärken. Wie es Sicherheitskräften von Synagogen und Co. eigentlich geht, zeigt eine Umfrage

von Leticia Witte  23.04.2026

Leipzig

Schoa-Überlebender Andrei Moiseenko reist für seinen 100. Geburtstag durch Sachsen

Andrei Iwanowitsch Moiseenko wurde im Alter von 15 Jahren als Zwangsarbeiter nach Leipzig deportiert

 23.04.2026

Jewrovision

Feuerwerk von Talenten

Leipzig feiert ein Comeback, andere Jugendzentren wie Bremen, Hamburg oder Westfalen schließen sich für Auftritte zusammen. Der Countdown zum größten Event für jüdische Jugendliche läuft

von Christine Schmitt  22.04.2026

Programm

Chassidischer Workshop, uralter Blockbuster und eine vergessene Heldin: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. April bis zum 30. April

 22.04.2026