München

Eine zweite Familie

An nur einem einzigen Tag war es geschafft. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten alles akribisch vorbereitet, und so verlief der Umzug vom Saul-Eisenberg-Seniorenheim in die neue Zaidman Seniorenresidenz, die von der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) in Kooperation mit der AWO München-Stadt betrieben wird, vor gut anderthalb Jahren im Winter 2023 reibungslos. Die Bewohner fühlten sich vom ersten Moment an wohl.

Manches mochte neu sein, wie beispielsweise das Heizungssystem, das ganz anders funktioniert als die gewohnten alten Ventilheizungen. Auch die computergesteuerte Haustechnik bot eine besondere Herausforderung, und an der einen oder anderen Stelle ist noch die Bauleitung vor Ort. Aber die freundliche Atmosphäre und der gute Geist waren aus dem alten Haus in der Kaulbachstraße in den Neubau im neuen Stadtviertel Prinz-Eugen-Park mit umgezogen.

Anja Mühlner, Einrichtungsleiterin der Zaidman Seniorenresidenz, ist deshalb auch voll des Lobes für ihr Team. Die Angestellten des Hauses verdienten größte Wertschätzung: »Sie leisten Großartiges, jeder Einzelne ist wichtig.«

Die Bewohnerzahl hat sich innerhalb kürzester Zeit fast verdoppelt.

Mittlerweile leben 108 Seniorinnen und Senioren in dem Heim. Dabei hat sich die Bewohnerzahl innerhalb kürzester Zeit fast verdoppelt, alle Zimmer sind belegt, berichtet Mühlner. Vor allem aber hätten sich die Erwartungen an die Leistungen einer solch modernen Einrichtung in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert.

Teilstationäre Tagespflege und Betreutes Wohnen

So sorgen nun beispielsweise mehrere Fahrstühle, darunter auch ein Schabbat-Aufzug, dafür, dass sich die Bewohner durch das gesamte Gebäude bewegen können. Die teilstationäre Tagespflege wurde im vergangenen Jahr in Betrieb genommen, und im Juni dieses Jahres konnte der Bereich für Betreutes Wohnen eröffnet werden. Sieben neue Bewohnerinnen und Bewohner sind bereits in ihre Appartements eingezogen.

Ein weiteres zentrales Angebot des Hauses ist der Bereich für die Pflege von Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Die Familie Zaidman ist mit dem neuen Haus nicht nur als großzügige Mäzenin und Namensgeberin, sondern unter anderem auch in der Gestaltung des hellen Foyers durch Marc Schmerz, den Schwiegersohn von Brigita Zaidman und ihrem verstorbenen Mann Ghini, verbunden.

Und natürlich darf in der Seniorenresidenz eine Synagoge nicht fehlen. Rabbiner Jan Guggenheim lädt jede Woche zum Gebet in den Rundbau ein, dessen helle Architektur mit der Hauptsynagoge Ohel Jakob in der Innenstadt korrespondiert. Einmal im Monat gibt es zudem ein Schabbat-Dinner.

Jüdisches Leben sicher leben

Zum jüdischen Profil des Hauses gehört auch die koschere Küche, die vom Gemeinderabbiner überprüft wird. »Die Bewohner können hier jüdisches Leben sicher leben«, betont Anja Mühlner. Auch Talia Presser, die zusammen mit Karolina Shleyher und einem engagierten Team von Ehrenamtlichen den Treff »Mif­gasch Chawerim« organisiert, empfindet das Beisammensein als einen besonderen, geschützten Ort. Menschen, die aus Deutschland, Polen, Russland, der Ukraine oder Israel stammen, die hier zusammen lachen und manchmal weinen, und gemeinsam die jüdischen Feste feiern.

Ein besonderes Highlight sei das Purim-Fest gewesen, so Talia Presser: »Die Megillat Esther wurde verlesen, und alle ersten Hemmschwellen untereinander waren verschwunden. Da wussten wir: Wir sind angekommen, wo wir ankommen wollten.« Mittlerweile sei das Zusammenkommen für alle das Symbol für eine zweite Familie. Mifgasch Chawerim organisiert wöchentlich Treffen für Gemeindemitglieder sowohl von außerhalb als auch von innerhalb der Seniorenresidenz.

Konzerte, Zumba oder Yoga, die regelmäßige Presseschau, gemeinsames Hebräisch-Lernen, Schiurim über jüdische Religion und Traditionen oder Schach mit dem Lokalmatador Leonid Volshanik gehören zum regelmäßigen Angebot. Und bei den Aktionen von Mifgasch Chawerim wird es niemals langweilig. »Wir sind den Referentinnen und Referenten sehr dankbar«, meint Presser, »es ist nicht selbstverständlich und auch nicht immer leicht, was sie da jede Woche auf die Beine stellen.«

Erst kürzlich kamen 50 Interessierte für den humorvollen Filmabend »Oma & Bella« zusammen.

Die Gäste bleiben nicht aus. Erst kürzlich seien 50 Interessierte für den humorvollen Filmabend Oma & Bella zusammengekommen. Immer wieder gibt es auch Ausflüge, wie beispielsweise den mit der Kunstpäda­gogin Carolina Glardon in die Pinakothek der Moderne. Das hätte anfangs niemand für möglich gehalten.

IKG-Präsidentin Charlotte Knob­loch zeigt sich stolz auf das Erreichte: »Ich freue mich, dass das Haus so gut läuft und dass die verschiedenen Angebote nicht nur von den Bewohnern, sondern auch von Gästen angenommen werden. Das ist die schönste Bestätigung!« Die Anstrengungen vergisst Knobloch aber keineswegs: »Sie haben sich alle gelohnt – und lohnen sich weiterhin.«

Ihr größter Dank gelte denjenigen, die dieses Projekt mit ihren großzügigen Zuwendungen haben Realität werden lassen, allen voran die Familie Zaidman. Auch der Leitung des Hauses und den vielen Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich zum Wohl der Menschen in der Seniorenresidenz einsetzen, dankte sie von ganzem Herzen: »Sie geben unseren Senioren ein Zuhause mit Neschume.«

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