Flossenbürg

Das vergessene KZ

»Es ist eine Wunde, die niemals heilt«: Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Thomas Muggenthaler

»Es ist eine Wunde, die niemals heilt.« Diesen Satz von Jack Terry, einem ehemaligen Häftling des KZs Flossenbürg, zitierte Josef Schuster in seiner Rede beim Gedenkakt zur Befreiung des Lagers. Der Zentralratspräsident erinnerte an das Leid der Häftlinge und betonte die Bedeutung von Gedenkstätten gerade in Zeiten, in denen der Antisemitismus wieder stärker wird. Vor 74 Jahren, am 23. April 1945, befreite die US-Armee Flossenbürg. Sie fand hier 1500 überwiegend kranke Häftlinge vor. Den Großteil der zuletzt rund 15.000 Häftlinge trieb die SS in den berüchtigten Todesmärschen Richtung Dachau.

Flossenbürg bezeichnete Josef Schuster als »eine der ältesten und eine der jüngsten Gedenkstätten«. Von ehemaligen Häftlingen bereits 1946 als Gedenkort eingerichtet, fristete Flossenbürg lange ein Schattendasein, galt als »vergessenes KZ«. Noch 1995 präsentierte sich der einstige Ort des Grauens als Parklandschaft.

US-Botschafter Grenell enthüllte im sogenannten Tal des Todes eine Gedenktafel für den Theologen Dietrich Bonhoeffer.

In den folgenden Jahrzehnten entstand hier eine international geschätzte Gedenkstätte, deren Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Wie der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) betonte Josef Schuster die Notwendigkeit, den KZ-Steinbruch, in dem noch Granit abgebaut wird, in die Gedenkstätte zu integrieren. Die Wand, an der die Häftlinge gearbeitet haben, ist ebenso erhalten wie Originalgebäude aus der NS-Zeit. Derzeit wird für die Arbeit der Gedenkstätte das Gebäude der Deutschen Erd- und Steinwerke (DESt) saniert.

Übelebende Das Festzelt war bei den Feierlichkeiten anlässlich der Befreiung mit rund 700 Gästen voll. Aber es kamen an diesem Wochenende nur neun Überlebende nach Flossenbürg, deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. Unter ihnen war Yosef Kapel aus Israel, der aus Polen stammt und Häftling in Auschwitz, Groß-Rosen und Flossenbürg war.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Nach Flossenbürg kommt er, um derer zu gedenken, die nicht überlebt haben, sagt der einstige Flugzeugingenieur. Josef Salomonovic, der aus Tschechien stammt und in Wien lebt, dessen Vater ermordet wurde und der als Kind die Schoa gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder überlebt hat, stellte im Rahmen der Feierlichkeiten seinen Film vor, der eindrucksvoll den Weg des kleinen »Pepek« durch die Lager der Nazis nachzeichnet.

Yosef Kapel kam nach Flossenbürg,
um derer zu gedenken,
die nicht überlebt haben.

Aus der Ukraine gekommen ist in diesem Jahr erstmals Iryna Schul, einst Häftling im Außenlager Zwodau. Sie ist 100 Jahre alt und wurde mit einem herzlichen Beifall begrüßt. Beim Gedenkakt sprach Leszek Zukowski aus Warschau für die ehemaligen Häftlinge.

Zukowski war 15 Jahre alt, als er während des Warschauer Aufstands am 2. September 1944 festgenommen und nach Flossenbürg gebracht wurde. Hier war er der Häftling mit der Nummer P 23591. Sein Onkel Adam Klepa, der mit ihm nach Flossenbürg kam, hat nicht überlebt. Zukowski berichtete, wie er unter den »Entlausungsaktionen« und den »Läuseappellen« litt und den Todesmarsch nach Dachau überlebte.

ERINNERUNG Im Anschluss an den Gedenkakt enthüllten US-Botschafter Richard Grenell und Jack Terry im sogenannten Tal des Todes eine Gedenktafel für den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der in Flossenbürg ermordet wurde.

Bei der Enthüllung bat Jack Terry um eine Schweigeminute zur Erinnerung an alle, die hier elend zugrunde gingen und niemanden haben, der für sie spricht. Jack Terry wurde im Lager von der US-Armee befreit. Ältere Häftlinge hatten ihn versteckt und vor den Todesmärschen bewahrt. Damals hieß er Jakub Szabmacher.

Thüringen

Das Erbe der Simsons

Beim jährlichen Moped-Treffen in Suhl feiern Zehntausende den »Sound des Ostens«. Doch hinter der Kultmarke steht die Geschichte einer von den Nazis vertriebenen jüdischen Unternehmerfamilie

von Helmut Kuhn  30.07.2026

Fußball

Rot-Weiß verbindet

Vergangene Woche gründete sich mit den »FCB Chaverim« der deutschlandweit erste jüdische Fanklub des FC Bayern München

von Luis Gruhler  30.07.2026

Erinnerung

Für immer

Manchmal sind es die kleinen Dinge, von denen wir uns nie trennen würden. Wir haben Gemeindemitglieder gefragt, welche Gegenstände ihnen viel bedeuten

von Christine Schmitt  30.07.2026

Unterfranken

Dem Hass die Stirn bieten

Nach dem brutalen Angriff auf ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft riefen prominente Redner bei einer Mahnwache in Würzburg zum Widerstand gegen Antisemitismus auf

von Stefan W. Römmelt  30.07.2026

CSD

Vom Feiern zum Schock

Auch viele queere Jüdinnen und Juden tanzten fröhlich auf Berliner Straßen – bis der Anschlag geschah

von Christine Schmitt  29.07.2026

Lesen

Zehn Welten

Die Journalistin Anna Lutz hat Jüdinnen und Juden porträtiert und darüber ein Buch veröffentlicht. Entstanden sind Geschichten zwischen Nähe und Distanz

von Leon Stork  28.07.2026

Kino

»Das ist das Vermächtnis meines Vaters«

Alice Brauner setzt als Produzentin die Familientradition fort. Ein Gespräch über ihren neuen Film »Block 10«, Herausforderungen für Schauspieler und intensive Recherchen

von Christine Schmitt  28.07.2026

München

Vorhang auf für die Kids

Zum Start der Sommerferien führen die Kinder der Sinai-Grundschule ein Musical in englischer Sprache auf

von Luis Gruhler  28.07.2026

Worms

Ein Turm in der Erde

Seit ein paar Wochen können Besucher wieder die Mikwe besichtigen. Ein Ort mit einer langen Geschichte. Doch der Klimawandel hinterlässt seine Spuren

von Mascha Malburg  28.07.2026