Schule

Blick nach vorn

Der erste Abiturjahrgang des Helene-Habermann-Gymnasiums verließ die Schule 2024 mit der Aussicht, alles, was nun komme, sei als »Abenteuer Zukunft« zu begreifen. Durch die Umstellung vom achtjährigen Gymnasium zurück auf den Abschluss nach neun Jahren stand nun erst 2026 die Verabschiedung eines weiteren Abiturjahrgangs an. Gefeiert werden konnte dafür sogar im doppelten Sinne: Nicht nur das Schulende für fünf weibliche und sechs männliche Absolventen stand im Mittelpunkt, sondern auch das Jubiläum zum zehnjährigen Bestehen des Gymnasiums.

Als Leitmotiv für das neue Jüdische Gymnasium wählte Gründungsdirektorin Miriam Geldmacher seinerzeit ein Schiff unter Segeln. Ein Motiv, das auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), im Sinn hatte, als sie von der Reise sprach, an der sie vom ersten Schritt teilhaben durfte. Die Schülerinnen und Schüler stünden für die Verwirklichung des Traums, den die IKG-Präsidentin nur gemeinsam, mit der Tatkraft der Schuldirektorin und der Großzügigkeit des Spenders Harry Habermann, realisieren konnte.

Sie sieht das Gymnasium am »Beginn einer großen Zukunft« und hat nicht vergessen, dass, »als diese Schule 2016 von der Vision zur Realität wurde, noch keiner von uns an eine Zehnjahresfeier gedacht hat«. Aber: »Eine Schulgründung ist ein Langlauf«, so Knobloch weiter. Mit Dankbarkeit erinnerte sie an das Zusammenwirken mit externen Unterstützern für den Umzug auf den Campus der Europäischen Schule sowie den Mut und die Beharrlichkeit für »das Wachstum einer echten, eng verwobenen Schulfamilie«.

Miriam Geldmacher sagte selbst in schwierigen Momenten, »daraus machen wir etwas Schönes«.

Wiederum im Hinblick auf die diesjährigen Absolventen sprach Knobloch vom Abitur als einem »großen, epochalen Schritt im Leben junger Menschen«. Und ganz egal, wohin es die Abiturientinnen und Abiturienten führen und was ihr neues Zuhause werden würde: »Diese Gemeinde wird immer eure Heimat bleiben. Und unsere Türen bleiben für euch immer geöffnet!«

Gründungsmütter und Gründungsväter

Wenn Charlotte Knobloch und Miriam Geldmacher Gründungsmütter des Helene-Habermann-Gymnasiums sind, dann kann man Eugen Alter und Harry Habermann als Gründungsväter bezeichnen. Seine Mitwirkung von Anfang an brachte Eugen Alter, im Gemeindevorstand für das Gymnasium zuständig, in einer humorvollen Ansprache zum Ausdruck. Wenn man mit nichts anfange – ohne Lehrer, Räume, Schüler –, dann entschieden am Ende nicht das Gebäude oder das Budget, sondern es käme auf die Menschen an, die an die Idee glaubten.

Miriam Geldmacher habe selbst in schwierigen Momenten noch gesagt, »daraus machen wir etwas Schönes«. Das sei ihr sogar nach der Ankunft geflüchteter Ukrainer im Frühjahr 2022 gelungen: Sie stellte innerhalb kürzester Zeit eine eigene Klasse für ukrainische Kinder auf die Beine, um ihnen ein Mindestmaß an Normalität zu geben. Eines von ihnen, Mischa, wie die Schulleiterin später selbst ansprach, »schraubte sich mit eisernem Willen in die deutsche Sprache« und gehört zu den diesjährigen Abiturienten.

Die Ansprachen und Würdigungen waren wie Perlen auf einer Kette aneinandergereiht, eingerahmt und unterbrochen durch Klangvolles wie Schulchor und -band, dazu zwei neue Schüler, die von Liel Millward, Alumna von 2024, mit tatkräftiger Unterstützung der Schultheatergruppe quasi in den Schulbetrieb eingeführt wurden. Hinzu kamen zwei Filme: Zunächst »10 Jahre in 10 Kapiteln«, die von der kurzen Blüte eines hebräischen Gymnasiums zwischen 1946 und 1951 über den Neuanfang 70 Jahre später mit zehn Kindern bis zum Schülerzuwachs auf nun 140 nichts ausließen.

»Eine Schulgründung ist ein Langlauf«, betonte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch.

Anschließend folgte ein filmisches Porträt über die Namensgeberin Helene Habermann (1928–2019). Harry Habermann, Vorsitzender des Fördervereins, ist überzeugt, dass seine Mutter sich über die Entwicklung der Schule sehr gefreut hätte. Für sie, die mehrere KZs überlebte und der eine reguläre Schulbildung versagt blieb, war die Chance auf Bildung und die Stärkung einer jüdischen Identität zeitlebens ein besonderes Anliegen. Erneut wurde außerdem die Helene-Habermann-Medaille verliehen, dieses Mal an Vera Shutin, die auch die Abiturientenrede hielt.

Für jede und jeden ein persönliches Wort

Schulleiterin Miriam Geldmacher hatte für jede und jeden ein persönliches Wort, wollte im Abschiednehmen kein Kappen sehen, »sondern ein sanftes Lösen. Alles, was hier gewachsen ist – Freundschaften, Erfahrungen –, das verschwindet nicht einfach«. Sie schloss mit Zuversicht: »Dass man nicht erst wissen muss, was kommt, um gehen zu können. Sondern dass es reicht zu wissen, dass man nicht leer geht.«

Auch Rabbiner Shmuel Aharon Brodman wünschte den Abiturientinnen und Abiturienten einen Blick nach vorn voller Zuversicht. Sie beendeten gerade etwas mit Freude – und begännen ebenso etwas Neues mit Freude, so der Gemeinderabbiner.

Zum Schluss intonierte der von dem Hebräischlehrer Eitan Küppers-Levi dirigierte Schulchor, unterstützt von Miriam Geldmacher und ihrer Stellvertreterin Nora Seiler, Religionslehrer German Djanatliev und Oberstufenkoordinator Jonathan Klein, das Lied »HaChagiga Nigmeret« von Naomi Shemer. Zu Deutsch: »Die Feier ist vorbei.«

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