Sightseeing

Architektur, Checkpoint Charlie, Weißensee

Iris Golde steht in der Hotellobby und wartet auf ihre Familie. In einer halben Stunde bricht die erste Teilnehmergruppe Richtung Botschaftsviertel auf, um sich die Architektur der Ländervertretungen anzusehen. Sie ist nicht sicher, ob sie bei der Tour mitmachen kann, denn ihre Familie sitzt noch im Zug von München nach Berlin und kommt erst in 20 Minuten an. Nun hofft sie, dass der Tourguide Verständnis hat und wartet.

Es ist der erste Programmpunkt für Iris Golde auf dem Gemeindetag. Obwohl sie sich für viele Workshops und Diskussionsrunden angemeldet hat, ist sie am Donnerstag erst einmal damit beschäftigt, sich zu orientieren. »Es gibt noch so viele Fragezeichen. Wir waren vor drei Jahren schon hier und fanden es ganz toll«, sagt sie. Außer zum Botschaftsviertel will sie mit ihrer Familie ins Jüdische Museum gehen, am liberalen Schiur teilnehmen und die Autorenlesung mit Alfred Bodenheimer besuchen.

Zoo Gad Stauber hat gerade eingecheckt. Ein paar Meter weiter wartet seine Frau Melanie mit dem zweijährigen Sohn Benjamin. Die Staubers sind aus Hamburg angereist. Auch sie waren vom letzten Gemeindetag so begeistert, dass sie unbedingt wieder dabei sein wollten. »Für das Kinderprogramm ist Benjamin noch zu klein, daher werden wir ihn überallhin mitnehmen«, sagt Gad Stauber – heute etwa zum Vortrag von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau zu AfD, NPD und Pegida, morgen in die Gedenkstätte Sachsenhausen. Doch zum Auftakt des Gemeindetages geht die Familie zusammen mit anderen Teilnehmern erst einmal in den Zoo – um ihren Sohn auf ein erlebnisreiches Wochenende einzustimmen.

Das Ehepaar Beznosov aus Leipzig sitzt gemütlich auf einem der Lobbysofas. Gleich soll es zum Checkpoint Charlie gehen. »Die Geschichte interessiert uns sehr«, sagt Inessa Beznosova. Sie ist das zweite Mal beim Gemeindetag. »Wir sind seit 26 Jahren in Deutschland«, sagt die 60-Jährige, die 1990 mit ihrer Familie aus Minsk nach Leipzig kam. Iosif und Inessa Beznosov haben die Geschichte hautnah miterlebt, hatten sogar noch einen DDR-Pass, erinnert sich Iosef. »Seit 1983 haben wir schon Dresden, Leipzig und andere Städte besuchen können, weil ein Teil unserer Verwandten dort wohnt«, beschreibt die Leipzigerin.

Weißensee Claudia Marcuse ist zum ersten Mal beim Gemeindetag dabei. Sie wird sich gleich auf den Weg zum Bauhaus-Archiv machen. Die Tochter von Berliner Juden, die sich vor den Nazis nach Uruguay retten konnten, lebt in Hamburg und interessiert sich sehr für Kunst und Architektur. »Wann immer ich in Berlin unterwegs bin, schaue ich mir die Ausstellung von Helmut Newton an.«

Die 65-Jährige, die in Hamburg syrischen und afghanischen Flüchtlingen Hausaufgabennachhilfe gibt, wird am Freitag um neun Uhr mit zum Friedhof Weißensee fahren. Sie war zwar schon oft dort, aber noch nie mit einer Führung.

Freitag Schon früh am Morgen ging es los mit Sightseeing. Ein Bus fuhr zum Anne Frank Museum, ein anderer ins Jüdische Museum, und viele Gemeindetagsteilnehmer interessierten sich für die Liebermann-Villa. Eine davon ist Lydia aus Saarbrücken.

»Kunst hat mich schon immer begeistert, und von daher war es fast klar, dass ich mich für diesen Ausflug anmelde.« Sie wisse zwar schon eine ganze Menge über Liebermann, aber »ich habe auch noch etwas Neues gelernt«.

Kim Cecile Pitzer aus der Nähe von Gießen war zwar heute noch nicht auf einem Sightseeing-Termin, aber dafür hat sie sich für einige Workshops angemeldet. »Gestern war ich bei ›Pubertät – Wenn Eltern schwierig werden‹, aber davon hätte ich mir doch etwas mehr erwartet.« Nun allerdings, am Freitagmittag, freut sie sich erst einmal auf den Vortrag von Dr. Ruth Westheimer.

Bis Sonntag gibt es insgesamt 65 Sightseeing-Angebote auf dem Gemeindetag.

München

»Auf geht’s – an die Arbeit!«

Die Israelitische Kultusgemeinde hat einen neuen Vorstand gewählt. Charlotte Knobloch wurde als Präsidentin im Amt bestätigt

von Leo Grudenberg  07.07.2026

Rabbinerausbildung

Levinson-Stiftung als Institut an der Uni Potsdam anerkannt

Neuer Meilenstein für die Ausbildung liberaler und konservativer Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Kantorinnen und Kantoren

 07.07.2026

Bayern

Die jüdische Gemeinde München hat einen neuen Vorstand gewählt

Charlotte Knobloch wurde als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern bestätigt

 06.07.2026 Aktualisiert

Porträt der Woche

Die Kraft der Sichtbarkeit

Rivkah Schwarzbart entwirft seit dem 7. Oktober jüdischen Schmuck und lebt in München

von Katrin Diehl  05.07.2026

Kommentar

Meine Angst

Was es heißt als Jude in Deutschland nach dem 7. Oktober zu leben. Ein Aufschrei von André Herzberg

von André Herzberg  05.07.2026

Schule

Blick nach vorn

Das Helene-Habermann-Gymnasium in München verabschiedete seine Abiturientinnen und Abiturienten – und feierte zugleich zehnjähriges Bestehen

von Ellen Presser  05.07.2026

Lesung

Sprache statt Wurzeln

Die aus dem Irak stammende Schriftstellerin Mona Yahia stellte in München ihr neues Buch über jüdisches Leben im arabischen Raum vor

von Nora Niemann  05.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026