Chanukka

Acht Tage, acht Kerzen

Ein einziges Mal, und zwar im vergangenen Jahr, behielt das Coronavirus die Oberhand. Das alljährliche Lichterzünden auf dem Jakobsplatz, das Chabad Lubawitsch längst zu einem gesellschaftlichen Ereignis werden ließ, musste pandemiebedingt abgesagt werden. In diesem Jahr sollte sich das nicht wiederholen, auch wenn Beschränkungen unumgänglich waren. Davon ließen sich mehrere Hundert Münchener, die beim Entzünden der ersten Kerze am Sonntagabend dabei sein wollten, aber nicht abschrecken.

Den hohen Stellenwert, den das religionsübergreifende Lichterfest in der bayerischen Landeshauptstadt genießt, machten die vielen hochrangigen Repräsentanten durch ihre Anwesenheit deutlich. Ludwig Spaenle war diesmal nicht nur in seiner Rolle als Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus erschienen, sondern kam auch als offizieller Vertreter von Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Die Stadt war mit Katrin Habenschaden (Bündnis 90/Die Grünen), der Zweiten Bürgermeisterin, vertreten. Hinzu kamen Gäste wie Carmela Shamir, die Generalkonsulin Israels für Süddeutschland, Timothy E. Liston, Generalkonsul der USA, sowie viele Mitglieder des IKG-Vorstands und der Gemeinde.

hebebühne Alpine Herausforderungen sind beim Entzünden des Chanukkaleuchters auch in München nicht zu bewältigen. Gut ist aber, dass Rabbiner Israel Diskin, dem diese Aufgabe jedes Jahr zufällt, schwindelfrei ist. Von der Feuerwehr wurde er auch am Sonntagabend wieder mit einer Hebebühne knapp acht Meter in die Höhe befördert.

So groß ist der Chanukkaleuchter, den Tita Korytowski im Gedenken an ihren verstorbenen Ehemann Manfred Korytowski sel. A. gestiftet hat. Entworfen und verwirklicht wurde einer der weltweit größten Leuchter außerhalb Israels von dem Künstler Gershom von Schwarze.

»In dunklen Zeiten muss das Licht von Chanukka besonders hell strahlen.«

Charlotte Knobloch

In diesem Jahr kommt dem Fest eine besondere Bedeutung zu. Darauf ging Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), ein. »Gerade in dunklen Zeiten muss das Licht des Chanukkaleuchters besonders hell strahlen«, sagte sie im Vorfeld der öffentlichen Feier am vergangenen Wochenende.

gesellschaft In ihrer Rede am Sonntagabend wurde klar, dass sie mit den »dunklen Zeiten« nicht unbedingt die Corona-Pandemie im Blick hatte. Ihr ging es vielmehr um die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, die Anlass zur Sorge bieten. »Jüdische Feste in der Öffentlichkeit zu feiern«, stellte sie fest, »das ist auch 2021 nur unter Polizeischutz möglich. Erkennbar jüdisch zu sein, bedeutet in Deutschland noch immer, in akuter Gefahr zu schweben«.

Der Judenhass sei nie ganz verschwunden gewesen, konstatierte Knobloch zudem. Sie habe es aber nicht für möglich gehalten, dass er derart massiv zurückkehre und sich von einem Grundrauschen wieder zu lautem Geschrei entwickeln würde.

Charlotte Knob­loch sprach in diesem Zusammenhang explizit die AfD an, die sie »rechtsextremen Menschenfeinden« zurechnete. »Sie werfen sich Anzug und Krawatte über und glauben dann, in unseren Parlamenten ihr Gift verspritzen zu dürfen«, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde.

bedeutung Charlotte Knobloch ging auch auf die Bedeutung des Lichterfestes ein. Dessen Ursprung liegt mehr als 2000 Jahre zurück und ist eng verbunden mit der Geschichte eines nicht für möglich gehaltenen Sieges über einen übermächtigen Gegner. Im Jahr 164 v.d.Z. siegten die Makkabäer gegen die hellenistischen Seleukiden-Herrscher.

Beharrlichkeit und Ausdauer bezeichnete Knobloch als die wichtigsten Werte der Chanukka-Geschichte. Und diese Geschichte mahne bis heute, dass jüdische Zukunft auch erkämpft und erstritten werden müsse. »Die Botschaft von Chanukka«, sagte sie mit Blick auf den zunehmenden Juden- und Israelhass, »ist leider hoch aktuell.« Sie wünsche sich deshalb etwas mehr vom Geist der Makkabäer, die sich entschlossen für die freie Religionsausübung einsetzten.

Verbunden mit dem Fest ist das sogenannte Ölwunder. Wegen der Bedeutung, die das Öl für die Geschichte von Chanukka spielte, werden zum Fest traditionell fettige Speisen gegessen. Sufganiot, Krapfen mit Marmeladenfüllung, gehören beispielsweise dazu. Bislang wurden sie in jedem Jahr traditionell an die Besucher des Lichterfestes beim Entzünden der Chanukkia auf dem Jakobsplatz verteilt. Das Coronavirus ließ dies jedoch diesmal nicht zu.

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