Handschlag

»Unterschiedliche Kulturen respektieren«

Rabbiner Avraham Radbil, Osnabrück
Ich finde, das ist die persönliche Entscheidung eines jeden Rabbiners. Wenn mir eine Frau die Hand reicht, dann schüttele ich sie meistens schon, um sie nicht zu beleidigen – und weil sie wahrscheinlich mit den Regeln nicht vertraut ist. Ich bin aber noch nie in eine unangenehme Situation gekommen.

Rabbiner Zsolt Balla, Leipzig

Es gibt für beide Seiten eine halachische Basis. Wofür man sich letztendlich entscheidet, ist abhängig von dem halachischen Kulturkreis, aus dem man kommt.

Rabbiner Julian Chaim Soussan, Frankfurt
In orthodox-jüdischen Kreisen ist es selbstverständlich, dass Frauen Männern nicht die Hand schütteln und umgekehrt. Ein Zuwiderhandeln wird dort als äußerst unangenehm und unangebracht empfunden. Ich versuche Menschen hier in Deutschland, die sich über dieses Verhalten wundern, zu erklären, warum das Thema so schwierig ist, und Beispiele zu finden, die uns vertrauter sind. Ich frage dann: »Wie fänden Sie es, wenn ein(e) Fremde(r) Ihre Frau/Ihren Mann küssen würde?« In Frankreich mag das zur Begrüßung durchaus üblich sein, in Deutschland aber nicht. Wenn nun argumentiert wird, dass man sich der jeweiligen Norm anpassen sollte, kann man einwenden, dass Rücksicht auf kulturelle und religiöse Empfindungen immer dann der Norm vorgezogen werden sollte, wenn dies keine ungebührliche oder übertriebene Aktivität von dem Normhaltenden verlangt. Das einfache Nichtausstrecken der Hand wäre eine durchaus adäquate Form der Toleranz vor den Befindlichkeiten anderer Religionen und Kulturen, die glücklicherweise in vielen anderen Zusammenhängen zur Norm unserer Gesellschaft gehört.

Rabbinerin Antje Yael Deusel, Bamberg

Ich gebe Männern schon die Hand, insbesondere bei offiziellen Anlässen, da es wie eine Art Zeremonie ist. Am besten ist es aber, das vorher abzusprechen, wenn jemand das nicht möchte. Bei interreligiösen Treffen frage ich vorher, wie man es handhaben soll. Denn wenn mein Gegenüber mir die Hand nicht geben möchte, mag ich ihm ja auch die Hand nicht entgegenstrecken. Wenn ich zum Beispiel einen Imam treffe, der mir nicht die Hand geben möchte, dann mache ich eher eine kleine Verbeugung. Ich ehre da den anderen, verhalte mich also so wie mein Gegenüber. Wichtig ist, dass man nicht von sich selbst auf andere schließt. Ich reise viel, und in den verschiedenen Ländern gibt es natürlich unterschiedliche Kulturen und Traditionen, die man respektieren sollte.

Rabbiner Walter Rothschild, Berlin

Natürlich gebe ich Frauen die Hand! Nicht nur das, ich umarme nette Frauen sogar, wenn es angemessen ist. Warum? Ich liebe Frauen, wissen Sie, sogar meine Mutter war eine! Und ihr gebe ich doch auch die Hand. Ich wurde modern erzogen, bin auf eine normale Universität gegangen. Natürlich gibt es bestimmte Regeln, wen man küsst und wen nicht, wie alt, wie jung. Was mich stört, ist, wie viele Frauen bei religiösen Treffen überrascht sind: »Oh, Sie geben mir sogar die Hand!«

Rabbiner Netanel Wurmser, Stuttgart

Als ich Rabbiner geworden bin, habe ich mir genau überlegt, wie ich die Verbote von Jichud und Giluj Arajot , welche für Männer und Frauen Gültigkeit haben, in der Praxis umsetzen werde. Dazu gehören das Vermeiden ungeteilter Zweisamkeit und körperliche Annäherungen. Die Nidda-Vorschriften sind eine rein innerjüdische Angelegenheit und deshalb in diesem Kontext nicht relevant.

Zusammengestellt von Naomi Bader

Feiertage

Rosch Haschana für Anfänger

Vom Lichterzünden bis zum Taschlich: eine kleine Einführung für weniger erfahrene Synagogenbesucher

von Rabbinerin Ulrike Offenberg  11.09.2026 Aktualisiert

Rosch Haschana

»Wenn ich einmal reich wärʼ …«

An Neujahr, so sagt der Talmud, legt Gʼtt die Summe fest, die wir im kommenden Jahr verdienen werden. Warum wir trotzdem arbeiten, planen und gut haushalten sollten

von Rabbiner Dovid Gernetz  11.09.2026

Teschuwa

Auf die echte Erneuerung!

Statt einfach nur unsere schlechten Laster loszuwerden, bedeutet die Mizwa vielmehr das Finden unseres wahren Ichs

von Rabbiner Jaron Engelmayer  11.09.2026

Neujahr

Stunde null

Zu Rosch Haschana können wir alljährlich durch Teschuwa unsere guten Potenziale hervorrufen

von Rabbinerin Elisa Klapheck  11.09.2026

Rosch Haschana

Jahr der Einheit

Wenn wir uns gegenseitig stärken, werden wir viel erreichen

von Rabbiner Avichai Apel  11.09.2026

Ernte

Von Möhren und Mehrn

Unsere Redakteurin will zu Rosch Haschana eine selbst gezogene Karotte essen. Ein jiddisches Wortspiel brachte sie auf die Idee – und auf einen Weg, auf dem sie manches über das Judentum und über sich selbst lernte

von Mascha Malburg  11.09.2026

Spiritualität

Eine Reise zum Ich

Unser Autor verbrachte die Feiertage als Kind in der Enge der jemenitischen Gemeinschaft von Kiryat Arba. Dann verließ er die religiöse Welt – und fand sie an Rosch Haschana in der Ukraine wieder

von Yonatan Amrani  11.09.2026

Zuwendung

Hagars Schicksal

Am Neujahrstag erzählt der Toraabschnitt von Saras ägyptischer Magd, der Mutter Jischmaels. Oft übersehen, ist sie eine Figur, die uns mahnt, die Augen offen zu halten und uns anderen Völkern nicht zu verschließen

von Paige Harouse  11.09.2026

Tekia

Wenn das Schofar zur Hoffnung ruft

Warum auch in bewegten Zeiten Zuversicht wachsen kann

von Rabbiner Raphael Evers  11.09.2026