Talmudisches

Die Zahl Dreizehn

Quellen des Judentums betrachten die 13 seit jeher als »gute« Zahl. Foto: Getty Images/iStockphoto

Triskaidekaphobie. So nennt man die Angst vor der Zahl 13. Diese Angst ist kulturell geprägt und zeigt sich auch in unserer aufgeklärten Welt durch die wiederholte Diskussion, was dran sei am Freitag, dem 13. Während die Generation Z die 13 dank Taylor Swift als Glücksbringer feiert, betrachten die Quellen des Judentums sie seit jeher als »gute« Zahl.

Dreizehnmal nennt die Tora das Wort »Brit« (Bund), wenn es um die Beschneidung geht (1. Buch Mose 17). Das zählten schon die Weisen des Talmuds auf. So sagt Rabbi Jischmael: »Die Bedeutung der Beschneidung ist so groß, dass darüber 13 Bündnisse geschlossen worden sind« (Nedarim 31b).

Jakow hatte zwölf Söhne – die bekannten zwölf Stämme Israels: Re’uwen, Schimon, Levi, Jehuda, Issachar, Sebulon, Dan, Naftali, Gad, Ascher, Benjamin und Josef (5. Buch Mose 27, 12–13). Tatsächlich hatte er noch eine Tochter namens Dina. Somit hatte Jakow, der später Israel genannt wurde, 13 Kinder. Und wenn wir gerade viele Namen nennen, betrachten wir die Namen der Vorväter Awraham, Jitzchak und Jakow genauer. Diese haben im hebräischen Original zusammen 13 Buchstaben.

Die Namen der Vormütter Sara, Riwka, Rachel und Lea haben insgesamt 13 Buchstaben

Verblüffenderweise haben auch die Namen der Vormütter Sara, Riwka, Rachel und Lea insgesamt 13 Buchstaben. Und als kleine gematrische Spielerei: Addiert man diese Zahlen, so erhält man 26. Das wiederum steht für den numerischen Wert des Namens Gʼttes, wenn man den Zahlwert der vier Buchstaben des »Namens« zusammenrechnet.

Beterinnen und Betern dürften die »Schlosch essre Middot« bekannt sein, die 13 Eigenschaften Gʼttes, die zu den Hohen Feiertagen eine große Rolle spielen. Sie gehen laut Talmud (Rosch Haschana 17b) auf Gʼtt selbst zurück. Er habe sie Mosche gelehrt: »HaSchem, HaSchem, Gʼtt, erbarmungsvoll, gnädig, langmütig, reich an Gnade und Wahrheit, bewahrt die Gnade bis in die tausendste Generation, verzeiht Schuld, Frevel und Sünde und läutert« (2. Buch Mose 34, 6–7).

Wenn es im 4. Buch Mose (29, 13–14) um die Opfervorschriften für Sukkot geht, taucht die 13 ebenfalls auf: »Als Ganzopfer sollt ihr darbringen ein Feueropfer zum Wohlgeruch für den Ewigen, 13 junge Farren, zwei Widder, 14 einjährige Schafe; ohne Fehl sollen sie sein.«

Es wurde verhindert, dass der Dreizehnte eines Monats einmal ein negatives Datum geworden wäre

Fast wäre der Dreizehnte eines Monats einmal ein negatives Datum geworden, doch das wurde verhindert! Der 13. Adar sollte der Tag werden, an dem die Juden Persiens vernichtet werden sollten. Doch im Buch Esther wird beschrieben, wie dieses Vorhaben abgewendet wurde und der Tag tatsächlich für das Gegenteil steht: »Am dreizehnten des zwölften Monats, das ist der Monat Adar, als der Befehl des Königs und sein Gesetz in die Tat umgesetzt werden sollten, an dem Tag, an dem die Judenfeinde gehofft hatten, über sie zu herrschen, da war es umgekehrt, da die Juden über ihre Hasser herrschten« (Esther 9,1).

Spätere jüdische Gelehrte fügten weitere Facetten hinzu. Sifra, ein Midrasch zum 3. Buch Mose, wird eingeführt durch die Barajta von Rabbi Jischmael, der etwa vom Jahre 70 bis zum Jahre 135 lebte und ein Lehrer der Mischna war. In seinem Text stellt er 13 Regeln (Middot) zur Textauslegung auf. Diese sind heute Bestandteil des Morgengebets.

Sehr viel später formulierte Maimonides, der Rambam, in seinem Kommentar zur Mischna (Sanhedrin 10,1) 13 Glaubenssätze, die ebenfalls im Siddur auftauchen. Der Text »Jigdal« fasst sie in dichterischer Form zusammen. Jigdal hat dementsprechend 13 Verse.

Die offensichtlichste Verwendung der Zahl 13 betrifft keinen Text, sondern einen Lebensabschnitt: die Barmizwa. Laut Mischna (Awot 5,21) wird ein Junge mit 13 Jahren religionsmündig und ist fortan verpflichtet, die Mizwot zu erfüllen. Ein freudiger Anlass, noch vor Taylor Swift. Wenn uns also wieder jemand mit einem Pullover mit der Aufschrift »13« begegnet, können wir an Dina denken, an Purim – oder an die 13 Attribute Gʼttes.

Rezension

Wie wurden wir, was wir wurden?

Der Judaist Peter Schäfer erzählt in seinem Buch die Geschichte des aschkenasischen Judentums – faktengesättigt, klar gegliedert und mit einer provokanten These zu Mutterland und Diaspora

von Michael Wolffsohn  18.10.2026

Erlösung

Nur ein scheinbarer Gegensatz

Warum wir an die Ankunft des Maschiach glauben sollten – aber nicht an einen Zeitpunkt

von Vyacheslav Dobrovych  16.10.2026

Talmudisches

Bier

Was unsere Weisen über Getränke und ihre Wirkung lehren

von Rabbinerin Yael Deusel  16.10.2026

Noach

Die Entstehung der Vielfalt

Wie nach der Sintflut eine neue Ordnung der Menschheit ihren Anfang nahm

von Yonatan Amrani  15.10.2026

Dresden

Tora-Projekt wird verlängert

Mitten in Dresden wird derzeit in aller Öffentlichkeit eine Tora-Rolle geschrieben. Das Projekt soll jüdisches Leben sichtbar machen. Die Schreiberin sitzt in einem gläsernen Pavillon

 14.10.2026

Talmudisches

Klassengröße

Was unsere Weisen über das Lernen in Gemeinschaft lehren

von Yizhak Ahren  09.10.2026

Erziehung

Der widerspenstige Sohn

Wer sich gegen seine Eltern auflehnt, soll laut Tora mit dem Tod bestraft werden. Die jüdische Tradition ringt mit dem Text und fragt, wie Familien miteinander verbunden bleiben

von Shoshana Ruerup  09.10.2026

Bereschit

Worte retten Leben

Rechtzeitig miteinander zu sprechen, kann Hass und Gewalt verhindern und Versöhnung möglich machen

von Rabbiner Joel Berger  08.10.2026

Dialog

Zwischen Vatikan und Juden geht nach dem 7. Oktober kaum noch was

Seit Jahrhunderten ist das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Juden turbulent. Nach einem Zwischenhoch unter Johannes Paul II. kühlte es wieder ab. Und seit dem Gazakrieg nähert es sich einem neuen Tiefpunkt

von Ludwig Ring-Eifel  06.10.2026