Talmudisches

Brot und Wunder

Foto: Chris Hartung

Die Gemara (Taanit 24b) berichtet von der Bedeutung des heiligen Rabbi Chanina ben Dosa. Er war bitterarm, aber durch seine Verdienste wurde die ganze Welt ernährt, heißt es. Er wird (Berachot 61b) als vollkommener Zaddik bezeichnet, doch werden ihm kaum halachische Aussagen zugeschrieben. Vielmehr lehrte er durch sein Vorbild. Der Talmud ist reich an Beispielen. In der Gemara sind mehrere Geschichten über ihn, seine Familie und seine Nachbarn zu finden.

Eine Geschichte erzählt, dass die Frau von Rabbi Chanina ben Dosa jeden Freitagabend, Erew Schabbat, ihren Ofen anheizte. Der Rauch sollte den Anschein erwecken, sie würde backen, obwohl sie gar keine Zutaten im Haus hatte. Sie warf aus Scham einen rauchenden Stoff in den Ofen. Raschi erklärt, dass ihre Nachbarn über ausreichende Mittel verfügten, um den Schabbat gebührend vorzubereiten.

Ein Wunder: Als die Nachbarin eintrat, sah sie einen Ofen voller Brot

So wollte eine boshafte Nachbarin in Erfahrung bringen, woher der Rauch komme, denn sie wusste, dass Rabbi Chanina ben Dosa und seine Frau nichts zum Backen hatten. Als sie an die Tür klopfte, flüchtete Rabbi Chanina ben Dosas Frau vor Scham in ein Nebenzimmer. Und es geschah ein Wunder: Als die Nachbarin eintrat, sah sie einen Ofen voller Brot und einen Trog voller Teig.

Sie rief Rabbi Chaninas Frau zu: »Bringen Sie eine Bäckerschaufel, denn Ihr Brot brennt an!« Diese antwortete, dass sie genau aus diesem Grund ins Nebenzimmer gegangen sei. Ein Tanna (talmudischer Weiser) erklärt, sie sei die Schaufel holen gegangen, da sie es gewohnt war, dass Wunder in ihrem Haus geschahen.

Dann berichtet die Gemara (25a) weiter, dass Rabbi Chanina ben Dosas Frau ihn fragte, wie lange sie noch so leiden müssten. Als er sie wiederum fragte, was sie tun sollten, antwortete sie: »Bete zu Haschem um Gnade, dass er uns etwas gibt.« Und als er darum betete, erschien etwas, das auf wundersame Weise wie eine Handfläche aussah und ihm ein Bein eines goldenen Tisches gab.

Seine Frau sah im Traum die Gerechten an einem Tisch mit drei Beinen essen

In jener Nacht sah seine Frau im Traum, dass in der kommenden Welt die Gerechten an einem solchen Tisch mit drei Beinen essen würden, sie selbst jedoch an einem Tisch mit zwei Beinen sitzen würde.

Daraufhin betete er um Gnade, und es wurde das Bein zurückgenommen. Ein Weiser des Talmuds lehrte: Das letzte Wunder, also die Rücknahme des Beines, war größer als das erste, es zu erhalten. Denn wir haben die Überlieferung, dass Haschem gibt, aber nicht zurücknimmt.

Weiterhin ist in der Gemara zu lesen, Rabbi Chanina ben Dosa habe an einem Schabbatabend bemerkt, dass seine Tochter traurig war. Als er sie nach dem Grund ihrer Traurigkeit fragte, erzählte sie ihm, dass sie einen Behälter mit Essig mit einem Behälter mit Öl vertauscht und so versehentlich die Schabbatlampe mit Essig statt mit Öl entzündet habe. Rabbi Chanina ben Dosa sagte ihr, sie müsse sich keine Sorgen machen, denn derjenige, der dem Öl befohlen habe zu brennen, könne es auch dem Essig befehlen. Einer der Weisen des Talmuds lehrte, dass die Lampe den gesamten Schabbat über brannte, bis von ihr das Licht für die Hawdala entnommen werden konnte.

Also kam sie zu ihm und sagte: »Ich habe mein Haus gebaut, aber die Deckenbalken reichen nicht aus«

In einer weiteren Geschichte wird davon berichtet, dass Rabbi Chanina ben Dosa eine Nachbarin hatte, die ein Haus baute. Doch waren die Deckenbalken zu kurz, um die Entfernung von einer Wand zur anderen zu überbrücken. Also kam sie zu ihm und sagte: »Ich habe mein Haus gebaut, aber die Deckenbalken reichen nicht aus.« Er fragte nach ihrem Namen. Sie antwortete: »Aiku.« Daraufhin sagte er: »Wenn dem so ist, Aiku, mögen deine Balken bis zu deinen Wänden reichen.«

Ein Tanna lehrte: Sie verlängerten sich derart, dass sie auf jeder Seite eine Elle herausragten. Und einige berichten, dass weitere Abschnitte hinzugefügt wurden. Raschi meinte, dies sei durch ein Wunder geschehen. Und in einer Baraita wird gelehrt, dass der Weise Pelimo berichtet, er habe das Haus selbst gesehen. Und seine Balken ragten wirklich auf jeder Seite eine Elle heraus. Und man habe ihm gesagt, dass dies das Haus sei, das durch das Gebet von Rabbi Chanina ben Dosa mit einem Dach versehen worden war.

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