Vorwürfe

»Wir haben Grenzen«

Köln, Sitz der Bank für Sozialwirtschaft Foto: imago

Die Bank für Sozialwirtschaft (BFS) ist stolz auf ihre Geschichte. Das erste Sozialunternehmen Deutschlands sei man bei der Gründung 1923 gewesen, heißt es. Und dazu eine Bank, die immer eng mit dem Judentum verbunden war: Zu den Gründern gehörte seinerzeit die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST), die heute noch 0,7 Prozent der Anteile hält. Weitere Anteile gehören der Caritas-Stiftung und der Stiftung Kronenkreuz des Diakonischen Werks, die beide jeweils 25,5 Prozent halten, sowie der Arbeiterwohlfahrt, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und dem Roten Kreuz.

Für die »Jerusalem Post« ist die Kölner Bank für Sozialwirtschaft indes die »BDS-Bank«. Der Vorwurf: Bei ihr hätten Organisationen ein Konto, die Boykott­aktionen gegen Israel unterstützen. Die BDS-Kampagne, sagt Harald Schmitz, der Vorstandsvorsitzende der Bank, »würde bei uns nie ein Konto bekommen«. Ebenso ausgeschlossen sei es für das Unternehmen, Initiativen oder Gruppen ein Konto bereitzustellen, die Gewalt gegen Israel befürworten oder aber das Existenzrecht des jüdischen Staates infrage stellen: »Hier haben wir eine klare Grenze.«

mischung Auf der Basis von Gewaltfreiheit sei eine partielle Unterstützung von BDS-Aktivitäten durch Organisatio­nen, die ein Konto bei der Bank für Sozialwirtschaft haben, jedoch kein Grund zur Kündigung. »Wir können und wollen nicht kontrollieren, was einzelne Mitglieder von Gruppen, die bei uns ein Konto haben, politisch denken, und wir können auch nicht prüfen, welche Verbindungen jede Gruppe hat«, sagt Schmitz der Jüdischen Allgemeinen. Zu groß sei das Spektrum der Organisationen, die auf die Leistungen der Bank zurückgreifen.

Tatsächlich sind die Partner der Bank eine sehr bunte Mischung der Szene deutscher Nichtregierungsorganisationen: Zum Paritätischen Wohlfahrtsverband, der an der Bank beteiligt ist, gehören so unterschiedliche Organisationen wie der Arbeiter-Samariter-Bund, der Bund der Freien Waldorfschulen und der konservative Weiße Ring, der sich um die Opfer von Straftaten kümmert. Der Bayerische Flüchtlingsrat hat ebenso ein Konto bei der Bank für Sozialwirtschaft wie LobbyControl oder das Berliner Studentenwerk. Und natürlich alle Großen der Szene, die auch die Bank tragen.

Kündigung Kein ganz großer, aber ein umstrittener Kunde der Bank ist die »Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden im Nahen Osten«. Der kleinen, von jüdischen Kritikern des Staates Israel getragenen Organisation war Ende 2016 das Konto gekündigt worden. In einer Pressemitteilung nannte die Bank damals als Grund für die Kündigung,»dass die Jüdische Stimme die Kampagne ›Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS)‹ unterstützt. Diese hat eine Destabilisierung des Staates Israel zum Ziel, die mit den Grundsätzen der BFS unvereinbar ist.«

Wenige Monate später wurde der Jüdischen Stimme jedoch wieder ein Konto eingeräumt. Im April 2017 hat die Jüdische Stimme die Bank überzeugt, »dass ihre Unterstützung der BDS-Bewegung durch deren gewaltfreie und politische Orientierung begründet ist. Im Einklang mit den Beschlüssen der Vereinten Nationen unterstützt die JS ausschließlich Aktivitäten, die auf ein Ende der israelischen Besatzungspolitik drängen, nicht aber gegen die Existenz des Staates Israel gerichtet sind«. Im Vorfeld hatten verschiedene Organisationen die Bank gedrängt, mit der Jüdischen Stimme zu reden.

proteste Allerdings beschränkt sich die BDS-Kampagne nicht auf friedlichen Protest gegen Israel: Sie vertritt das Recht der Palästinenser auf »Rückkehr«, was nichts anderes als das Ende Israels bedeuten würde, da nach palästinensischen Angaben die Zahl der »Flüchtlinge« bis heute auf fünf Millionen angestiegen ist.

Stolz ist man bei der von der Jüdischen Stimme unterstützten BDS-Kampagne auch, von der terroristischen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) unterstützt zu werden, deren militärischer Arm Anschläge in Israel verübt. In Deutschland wurde die PFLP durch die Entführung der Lufthansa-Maschine »Landshut« 1977 bekannt.

hamas So harmlos, wie die Jüdische Stimme die israelfeindliche BDS-Kampagne darstellt, ist sie nicht, und auch die Organisation selbst strebt nach Anerkennung des Staates Israel als sein offizieller Feind: Nachdem die US-Schwesterorganisation »Jewish Voice for Peace« auf die Liste jener Organisationen gesetzt wurde, die in Israel nicht mehr aktiv sein dürfen, bemühte sich auch die Jüdische Stimme um einen Platz auf der Israelhasserliste. Wie die Freunde in den USA hat auch die Jüdische Stimme nichts dagegen, dass Hamas-Aktivisten gewaltsam nach Israel eindringen, und bestreitet das Recht Israels, sich gegen solche Angriffe zu wehren.

Abraham Lehrer, Vorstandsvorsitzender der ZWST und Vizepräsident des Zentralrats der Juden, ist daher nicht angetan davon, dass die Jüdische Stimme ein Konto bei der Bank hat, an der die ZWST beteiligt ist und die sie mitgegründet hat: »Mir ist klar, dass es für die Bank nicht einfach ist, aus politischen Gründen ein Konto zu kündigen, aber ich habe schon deutlich gemacht, dass wir enttäuscht sind.« Die ZWST habe die Bank aufgefordert, »den Vorgang noch einmal zu prüfen«.

Deutschland

Morddrohung gegen Charlotte Knobloch nach AfD-Wahlsieg

Die Gewaltandrohung steht in explizitem Zusammenhang mit dem Wahlsieg der AfD. Knobloch sagt aus Sicherheitsgründen Veranstaltung ab

 11.09.2026

Berlin

Juden im Visier? Mutmaßliche Hamas-Leute in Berlin angeklagt

Sturmgewehr, Pistolen, Munition: Mutmaßliche Mitglieder der Hamas sollen von Deutschland aus Waffen für Anschläge der Terrorvereinigung besorgt haben. Die Bundesanwaltschaft zieht erneut vor Gericht

 11.09.2026 Aktualisiert

Meinung

Droht in Sachsen-Anhalt eine Allianz der Antisemiten?

In Sachsen-Anhalt könnte es zu einer Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW, die potenziell gravierende Folgen hat für die jüdische Gemeinschaft

von Igor Matviyets  11.09.2026

Sachsen-Anhalt

Empörung über AfD-Spitzenmann Siegmund wegen Rüstungsaussage 

Siegmund: »Weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen«

 11.09.2026

Hamburg

Senator Grote unterstützt Prüfung von AfD-Verbotsverfahren

Nach dem Wahlerfolg der rechtsextremistischen AfD in Sachsen-Anhalt könnte die Partei an die Regierung kommen. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz hält es für einen logischen Schritt, nun ein Verbot zu prüfen

 11.09.2026

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 11.09.2026

Tel Aviv

Antisemitische 9/11-Verschwörungsmythen tauchen zum 25. Jahrestag wieder auf

Die israelische Organisation CyberWell dokumentiert entsprechende Beiträge auf mehreren großen Social-Media-Plattformen

 11.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  11.09.2026

Kommentar

Ja, du bist gemeint!

Im Leben gibt es Menschen, die erkennen, was vor sich geht, und andere, die einfach blind den Trends folgen. Warum ich an der Seite meiner jüdischen Freunde stehe

von Boy George  11.09.2026