Restitution

Welfen bleiben deutsch

Skulptur mit Besucherin: Ausstellung des Welfenschatzes im Berliner Bode-Museum Foto: dpa

Ginge es nach dem Willen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), sollte die Entscheidung der sogenannten Limbach-Kommission den jahrelangen Streit um den Welfenschatz beenden. Der Spruch liegt nun vor, und Markus Stötzel und Mel Urbach, die als Anwälte die Anspruchsteller vertreten, erklärten: »Die Entscheidung der Limbach-Kommission ist für uns und unsere Mandanten, wie auch für diejenigen im In- und Ausland, welche die Details der Geschichte des Welfenschatz kennen, nicht nachvollziehbar.« Und die Dresdner Anwältin Sabine Rudolph, die weitere jüdische Erben eines früheren Besitzers des Schatzes vertritt, sagt: »Wir gehen davon aus, dass die Empfehlung der Kommission nicht gilt und falsch ist.«

empfehlung Die Ansprüche der früheren Besitzer und ihrer Erben hatte nämlich die von der ehemaligen Verfassungsrichterin Jutta Limbach geleitete Kommission in der vergangenen Woche abgelehnt: »Eine Rückgabe des Welfenschatzes an die Erben der vier Kunsthändler und etwaige weitere frühere Miteigentümer« sei »nicht zu empfehlen«.

Bei dem Schatz handelt es sich um 42 von ursprünglich 82 Reliquien, die zwischen dem 11. und dem 15. Jahrhundert für den Braunschweiger Dom entstanden sind und später dem Adelsgeschlecht der Welfen gehörten. 1929 erwarb ein jüdisches Händlerkonsortium den Schatz für 7,5 Millionen Reichsmark. Das war kein gutes Geschäft, denn die Weltwirtschaftskrise sorgte bald dafür, dass das Interesse an dem Schatz gering blieb. Nur 40 Stücke konnten damals an verschiedene Museen und Privatleute vor allem in den USA veräußert werden.

göring Die verbliebenen 42 Teile des Schatzes kaufte der preußische Staat, der für die Berliner Museen zuständig war, für 4,25 Millionen Reichsmark auf – im Jahr 1935. Zwei weitere Objekte kaufte Preußen wenig später nach. Ministerpräsident Preußens war ab 1933 Hermann Göring, der wohl prominenteste Kunsträuber aus dem Kreis der Nazis. Nach dem Krieg ging der auf umstrittene Weise zusammengekaufte Schatz in den Besitz der 1957 gegründeten SPK über, deren Aufgabe es ist, die Kulturgüter des ehemaligen Landes Preußen zu erhalten und zu pflegen.

Die Limbach-Kommission urteilte nun ganz im Sinne der Kulturstiftung, dass der Verkauf des Welfenschatzes nicht unter Zwang stattfand, auch wenn es sich bei den Verkäufern um Juden handelte und die Nazis 1935 in Preußen herrschten. So muss die SPK weder den Schatz zurückgeben noch die ehemaligen Besitzer entschädigen. Folglich begrüßte ihr Präsident Hermann Parzinger die Empfehlung.

Sabine Rudolph hält dagegen. Die Dresdner Anwältin vertritt die Erben von Hermann Netter. Der Juwelier aus Frankfurt war damals mit 25 Prozent an dem verkauften Welfenschatz beteiligt. Es sei »fast eine Unverschämtheit«, sagt Rudolph, dass sowohl die Netter-Erben als auch weitere Vertreter der Erbengemeinschaft nicht an dem Verfahren beteiligt gewesen seien. »Selbst wenn die Empfehlung der Kommission Rechtskraft besitzt, was sie nicht tut, würde diese nur für die am Verfahren Beteiligten gelten.«

Dass die Kommission pauschal vorgegangen sei, habe von Anfang an als Fehler gelten müssen. »Ob Verfolgung vorliegt oder nicht, kann doch so überhaupt nicht entschieden werden«, sagt Rudolph. Das hätte im Einzelfall geprüft werden müssen.

intransparenz Von der Limbach-Kommission hat Rudolph, anders als Teile der Öffentlichkeit, nie eine zufriedenstellende Empfehlung erhofft: »Es gab dort nie einen Vertreter der Opfer«, sagt Rudolph. »Die Arbeit war immer intransparent. Es gab keine Regeln, nach denen vorgegangen wurde, und nie nachvollziehbare Begründungen für Entscheidungen.«

Rudolph hofft nun auf Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Die hatte zwar in einer ersten Stellungnahme gesagt, sie hoffe, dass die Empfehlung der Limbach-Kommission »auch vonseiten der jüdischen Erben angenommen wird«.

Zudem hat sie allerdings angekündigt, ein »Deutsches Zentrum Kulturgutverluste« in Magdeburg ins Leben zu rufen. Dort sollen die verschiedenen Restitutionsfälle, etwa auch die bei dem Münchner Händler Cornelius Gurlitt gefundene Kunstsammlung, in einer neuen Kommission geklärt werden.

»Dort sitzen auch Vertreter der Opfer«, sagt Rudolph. »Wir werden weiter mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verhandeln, doch wenn sie sich auf die Empfehlung der Limbach-Kommission zurückzieht, werden wir mit der neuen Kommission verhandeln.«

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