Washington D.C.

Trumps Traum vom Friedensnobelpreis

US-Präsident Donald Trump Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

US-Präsident Donald Trump hat Rückenwind, wenn er sich mit den Nato-Verbündeten auf dem zweitägigen Gipfel trifft. Mit der Waffenruhe kann sich Trump ein weiteres Mal als Friedensstifter präsentieren. Kommt er seinem Traum, einmal den Friedensnobelpreis zu bekommen, ein Stück näher? Pakistan - ein Nachbarland des Iran - hatte vor Tagen verkündet, den US-Präsidenten wegen seiner Vermittlung im Konflikt zwischen den Atommächten Indien und Pakistan für den Preis vorzuschlagen.

»Historisch«

Der Gipfel im niederländischen Den Haag markiert für den Republikaner so oder so einen Triumph: Die Nato-Verbündeten werden ihre Verteidigungsausgaben erheblich nach oben schrauben. Daran hatte Trump schon in seiner ersten Amtszeit gearbeitet, immer wieder Druck gemacht - jetzt fährt er die Ernte ein.

Die USA hatten den Ton schon vor Tagen gesetzt: Der Gipfel wird »historisch« sein, wie zum Beispiel US-Nato-Botschafter Matthew Whitaker versicherte.

Mit der verkündeten Waffenruhe löste sich für Trump vorerst ein Problem, das er im Reisegepäck gehabt hätte: die Ungewissheit, wie der Gegenschlag Irans aussehen würde, nachdem die USA am Wochenende in den Krieg an der Seite Israels eingetreten waren. Nach Trumps Befehl hatten US-Militärflugzeuge bunkerbrechende Bomben auf Atomanlagen im Iran abgeworfen.

Allerdings: Am Dienstagmorgen brach der Iran die Waffenruhe und griff Israel mit zwei Raketen an. Die Regierung in Tel Aviv kündigte eine scharfe Gegenreaktion an.

Risiko

Trump drohte mit noch größeren Attacken, sollte die iranische Seite nicht einen Weg des Friedens einschlagen. Das genaue Ausmaß seiner Entscheidung war unklar, die weltweiten Folgen nicht absehbar. Und auch zu Hause hatte sich der US-Präsident mit der Entscheidung zum militärischen Eingriff einem politischen Risiko ausgesetzt. Viele Amerikanerinnen und Amerikaner sind kriegsmüde.

Lesen Sie auch

Nicht wenige haben den Republikaner gerade deshalb gewählt, weil er im Wahlkampf versprochen hatte, sich aus Konflikten herauszuhalten, um sich stärker um die Probleme im eigenen Land zu kümmern. Mit den Angriffen gegen Iran ging Trump ein Risiko ein.

Trump hatte am Wochenende quasi einen militärischen Alleingang gegen den Iran hingelegt - während andere Länder aus Europa noch um Diplomatie bemüht waren. Deutschland, Frankreich und Großbritannien galten als düpiert. Interessant wird sein, ob von dem Gipfel dennoch ein Zeichen der Geschlossenheit ausgehen wird.

Ukraine

Eigentlich ist der Nato-Gipfel von einem anderen Krisenthema geprägt: dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das wird nun nach der verkündeten Waffenruhe im Nahen Osten wieder in den Vordergrund rücken.

Russland ist überhaupt der Grund, warum die jährlichen verteidigungsrelevanten Ausgaben der Bündnisstaaten bis 2035 auf mindestens fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erhöht werden sollen. Ein Betrag von mindestens 3,5 Prozent des BIP soll dabei auf klassische Militärausgaben entfallen. Das ist die größte Aufrüstung der Nato seit Ende des Kalten Krieges.

Die Europäer und Trump haben bislang beim Thema Ukraine keinen Gleichklang gefunden. Der US-Präsident befindet sich in einem Spannungsfeld: Einerseits betont er immer wieder enge Bünde zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, die beiden telefonierten jüngst mehrmals. Passiert ist unterm Strich nichts.

Dinnerabend

Andererseits muss sich Putin scharfe Töne gefallen lassen. Nach einem massiven russischen Drohnenangriff hatte Trump über Putin geschrieben: »Er ist absolut verrückt geworden! Er tötet unnötigerweise eine Menge Menschen, und ich spreche nicht nur von Soldaten«, schrieb Trump. »Raketen und Drohnen werden auf Städte in der Ukraine geschossen, ohne jeglichen Grund.«

Vor seinem Wahlsieg hatte der 79-Jährige immer wieder postuliert, er könne den Krieg innerhalb von 24 Stunden beenden. Das ist dem Republikaner nicht gelungen.

Eine Frage, die bleibt und keiner beantworten kann: Wird Trump vorzeitig vom Nato-Gipfel abreisen oder zieht er sein Programm bis Mittwoch durch? Mitte Juni hatte Trump überraschend den G7-Gipfel in Kanada vorzeitig verlassen.

Am Abend trifft er nach seiner Landung gegen 19.00 Uhr wie andere Verbündete das niederländische Königspaar bei einem Dinnerabend. Am Mittwoch sollen Sitzungen folgen und bilaterale Gespräche. Laut Weißem Haus will Trump am Mittwochnachmittag wieder zurückfliegen.

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  12.07.2026

Bundesrat

Länder: Aufrufe zur Vernichtung Israels sollen strafbar werden

Der Bundesrat hat am Freitag einen Vorschlag Hessens gebilligt, wonach die öffentliche Leugnung des Existenzrechts Israels bestraft werden soll. Ob ihn die Bundesregierung aufgreift, ist noch unklar

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Warschau

Vor 85 Jahren wurden die Juden von Jedwabne ermordet

Ein Massaker 1941 belastet das Verhältnis von Juden und Polen: Anstifter waren Deutsche, doch die Täter waren Polen. Ein Ex-Präsident hat zu dem Gedenktag eine klare Botschaft

 10.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Hamburg/Haifa

Netanjahu bremst Milliarden-Fusion von Hapag Lloyd und Zim

Hapag-Lloyd würde die israelische Reederei gerne übernehmen. Doch der israelische Ministerpräsident hat Sicherheitsbedenken

 10.07.2026

Hamburg

Ein Jahr nach Beginn des Block-Prozesses kein Ende in Sicht

Am 11. Juli 2025 startete am Landgericht der spektakuläre Prozess um die Entführung der Block-Kinder. 63 Verhandlungstage gab es seither. Was ist noch offen?

 10.07.2026

Tirana

Albaniens Premier gibt Millionen für Kanye-Konzert aus

Ein geplanter staatlich geförderter Auftritt spaltet das Land – und verstärkt die ohnehin seit langem wachsende Kritik an Ministerpräsident Rama. Die jüdische Gemeinde will eine Absage

 10.07.2026

New York

Bericht: Israel warnte Trump vor neuem iranischem Anschlagsplan gegen ihn

Seit der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani Anfang 2020 droht der Iran Trump mit Vergeltung

 10.07.2026