Washington

Trump-Freund und Israel-Unterstützer: Senator Lindsey Graham ist tot

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu (r.) trifft sich am 21. Dezember 2025 mit dem US-Senator Lindsey Graham in Jerusalem. Foto: picture alliance / Anadolu

Der langjährige republikanische Senator und Trump-Verbündete Lindsey Graham ist tot. Er sei am Samstagabend nach kurzer und schwerer Krankheit gestorben, war auf seinen Profilen auf X und Facebook in einer Mitteilung seines Büros zu lesen. Graham hatte am Donnerstag seinen 71. Geburtstag gefeiert. 

Wie überraschend sein Tod kam, macht nicht zuletzt sein voller Terminkalender deutlich. Gerade schüttelte er noch dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew die Hand, für Sonntag war ein Interview im US-Fernsehen geplant. Bei den wichtigen Zwischenwahlen im November wollte er für eine fünfte Amtszeit im Senat antreten. US-Präsident Donald Trump hatte ihm dafür seine »uneingeschränkte und volle Unterstützung« ausgesprochen. 

Trump: »einer der großartigsten Menschen«

»Senator Lindsey Graham, einer der großartigsten Menschen und Senatoren, die ich je gekannt habe, ist gestorben!«, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social, kurz nachdem sich die Nachricht in der US-Nacht verbreitet hatte. »Er war immer am Arbeiten und war ein wahrer amerikanischer Patriot. Lindsey wird uns sehr fehlen!!!« 

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich betroffen. Graham sei ein echter Freund und Partner Deutschlands im transatlantischen Bündnis gewesen, schrieb der CDU-Politiker in Englisch auf X. »I will miss him.« (»Ich werde ihn vermissen«), fügte Merz hinzu. 

Besonders groß ist die Anteilnahme in Israel. Graham galt als einer der vehementesten Unterstützer des jüdischen Staates im US-Senat. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte in einem Statement, aus dem die »Times of Israel« zitiert: »Er hat sein Leben der Verteidigung Amerikas, der Stärkung unseres Bündnisses und dem Eintreten für die freie Welt gewidmet.« Israel habe einen seiner größten Freunde verloren. »Amerika hat einen großen Patrioten verloren. Ich habe einen geliebten Freund verloren.«

Präsident Isaac Herzog erklärte laut »Times of Israel«, er sei »schockiert und untröstlich« über den Tod Grahams, den er als »großen amerikanischen Patrioten, einen großen Freund Israels und meinen lieben Freund« bezeichnete.

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»Lindsey war ein Mann mit einem großen Herzen und einem außergewöhnlichen persönlichen Charme«, schrieb Außenminister Gideon Sa’ar auf der Plattform X. »Er besaß eine klare Sicht auf die Realität und ein tiefes Bekenntnis zu seinen Werten. Seine Unterstützung für Israel und dessen Sicherheit war grenzenlos.«

»Konservativer Problemlöser«

Graham vertrat den US-Bundesstaat South Carolina ab Mitte der 90er Jahre zunächst im Repräsentantenhaus. 2003 begann seine erste Amtszeit als Senator. Er galt als erfahrener Außenpolitiker und beschäftigte sich bis zuletzt mit den großen Konfliktherden. Vor wenigen Tagen konnte er der Ukraine die Botschaft überbringen, dass das Weiße Haus ein neues Sanktionsgesetz unterstütze. Im Iran sprach er sich für einen Machtwechsel aus. Merz lobte Graham in dem Zusammenhang bei der Münchner Sicherheitskonferenz, »weil er gesagt hat, dass dieses Regime verschwinden muss«. 

Mit welchem Selbstverständnis Graham Politik gemacht hat, wird direkt im ersten Satz zu seiner Biografie auf seiner Webseite deutlich. »Lindsey Graham hat sich den Ruf als konservativer Problemlöser und als einer der entschiedensten Verfechter einer starken Landesverteidigung erworben«, heißt es dort. Graham sicherte sich 2002 erstmals einen Sitz im Senat und gewann die Wiederwahlen in den Jahren 2008, 2014 und 2020. Zuletzt war er der Vorsitzende des Haushaltsausschusses in der Kongresskammer. 

Von Trumps Kritiker zum guten Freund

»Auf beruflicher Ebene bin ich stolz darauf, von Anfang an dabei gewesen zu sein, als Präsident Trump – allein durch seine Willenskraft – das größte politische Comeback in der amerikanischen Geschichte geschafft hat«, schrieb Graham im vergangenen Jahr auf der Plattform X. »Auf persönlicher Ebene schätze ich unsere Freundschaft sehr. Er ist ein großartiger Golfpartner, den ich bisher noch nicht schlagen konnte.« 

Doch Trump und Graham waren nicht immer so gut befreundet. Als damalige Konkurrenten im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner übte Graham 2015 öffentlich harsche Kritik an Trump. Trump sei ein »rassistischer, fremdenfeindlicher, religiöser Fanatiker«, der nicht die Werte der republikanischen Partei vertrete, sagte Graham im Sender CNN. »Wissen Sie, wie man Amerika wieder großartig macht? Sagen Sie Donald Trump, er soll zur Hölle fahren.«

Höhen und Tiefen 

Nach Trumps Wahl zum Präsidenten näherten sich die beiden Männer aber an. Besonders regelmäßige Treffen zum Golfen hätten dazu beigetragen, hieß es in der »New York Times«. »Lindsey war früher ein großer Feind von mir, und jetzt ist er ein guter Freund von mir«, sagte Trump 2018 während einer Pressekonferenz. »Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber ich mag ihn wirklich sehr«.

Trotzdem äußerte Graham immer wieder Meinungsverschiedenheiten mit Trump. 2021 brach er mit Trump nach der Erstürmung des US-Kapitols durch dessen Anhänger. Graham erkannte zwar selbst über Wochen nicht den Wahlsieg von Demokrat Joe Biden an – mit Blick auf die Versuche von Trump und seinen Anwälten, Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl zu verbreiten, sagte er nach den Krawallen im US-Parlament aber: »Der Präsident muss verstehen, dass sein Handeln das Problem war, nicht die Lösung.« Final war der Bruch nicht – und Graham unterstützte schließlich Trumps erneute Präsidentschaftskandidatur. 

Die Medien verfolgten Grahams Äußerungen genau. Wann immer ein Hauch von Kritik in politischen Fragen zu erkennen war, war Graham die Aufmerksamkeit sicher. In den meisten politischen Fragen folgte er aber in den vergangenen Jahren Trumps Linie. 

»Älter. Aber nicht klüger«

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gehörte Graham zu den Republikanern, die sich für ein stärkeres Vorgehen gegen Russland einsetzten. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha zeigte sich erschüttert über Grahams Tod und erklärte, dessen Führungsstärke, Überzeugung und sein unerschütterliches Engagement für die Ukraine würden niemals in Vergessenheit geraten.

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Der jüngste Ukraine-Besuch sei Grahams Zehnter während des Krieges gewesen, erklärte Präsident Selenskyj mit und würdigte den Senator, der ein wahrhaftiger Verteidiger der Freiheit gewesen sei. Er werde den Austausch mit ihm vermissen. 

Die Videoaufnahmen aus Kiew, wo der Senator am Freitag Unterstützung des Weißen Hauses für ein neues Sanktionspaket gegen Russland verkündete, gehören zu den letzten Bildern von Graham. Festgehalten ist auch das Wiedersehen mit Selenskyj, der dem Senator zum Geburtstag gratuliert und fragt: »Wie geht es Ihnen?« Graham antwortet: »Gut. Älter. Älter. Aber nicht klüger.« dpa/ja

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