Washington D.C.

Trump attackiert Merz: »Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!«

Als US-Präsident Donald Trump Bundeskanzler Friedrich Merz im März im Weißen Haus empfing, waren die Beziehungen zwischen den beiden Regierungschefs besser Foto: picture alliance/dpa

Nach deutlicher Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz an der US-Offensive gegen den Iran hat US-Präsident Donald Trump ihn massiv verbal angegriffen. »Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!«, schrieb Trump mit Blick auf Merz (CDU) auf seiner Plattform Truth Social. Es sei kein Wunder, »dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!«. Er warf dem Kanzler vor, damit einverstanden zu sein, dass der Iran über Atomwaffen verfüge, und lobte sein eigenes Vorgehen.

Eigentlich pflegten der Bundeskanzler und der US-Präsident ein gutes Verhältnis zueinander. So sieht sich Merz selbst als einen von wenigen Politikern, die einen guten Zugang zu Trump haben. Bereits mehrfach war er zudem im Weißen Haus zu Gast, die Treffen verliefen ohne Auseinandersetzung.

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Merz sieht keine US-Exit-Strategie

Zuletzt stimmte Merz allerdings einen neuen Ton an und kritisierte Washington öffentlich. So warf er der US-Regierung vor, keine Exit-Strategie für den Iran-Krieg zu haben. »Weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben«, sagte er bei einer Diskussion mit Schülern in Marsberg im Sauerland.

»Das Problem bei solchen Konflikten ist immer: Da muss man ja nicht nur rein, da muss man auch wieder raus. Das haben wir ganz schmerzhaft bei Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben das im Irak gesehen«, sagte der Bundeskanzler weiter. Die Amerikaner seien im Iran »ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen«. Deshalb sei es umso schwerer, den Konflikt nun wieder zu beenden. »Zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln - oder eben sehr geschickt nicht verhandeln«, sagte Merz. »Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.«

Trump liegt mit Europäern wegen Iran-Krieg im Clinch

Merz ist nicht der erste Spitzenpolitiker in Europa, den Trump massiv attackiert. So war der britische Premierminister Keir Starmer bei dem Republikaner in Ungnade gefallen. Unter anderem wegen der aus seiner Sicht fehlenden Unterstützung im Iran-Krieg griff Trump den Premier verbal immer wieder an. Auch die aus Trumps Sicht mangelnde Unterstützung aus Deutschland für den Krieg dürfte für seine Kritik an Merz beigetragen haben.

Großbritannien, Frankreich und Deutschland wollen nicht in den Krieg der USA und Israels gegen den Iran hineingezogen werden. Stattdessen schwebt ihnen nach dem Krieg eine neutrale Marine-Mission zur Sicherung der derzeit blockierten Straße von Hormus vor, um so den Schiffsverkehr wieder zu ermöglichen.

Die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman ist eine wichtige Schifffahrtsroute, vor allem für den Ölhandel. Die Blockade belastet daher die Weltwirtschaft.

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Auch bei anderen Konflikten geht Merz einen anderen Weg 

Auch bei anderen schwelenden Konflikten ging Merz in Opposition zu Trump. Mit Blick auf eine mögliche US-Intervention in Kuba sagte er: »Von Kuba geht trotz aller Probleme, die dieses Land mit dem kommunistischen Regime innenpolitisch hat, keinerlei erkennbare Gefährdung für Drittstaaten außerhalb Kubas aus«. Er sehe nicht, »auf welcher Grundlage hier eine Intervention stattfinden sollte.« Trump hatte Kuba offen mit einer »Übernahme« gedroht. dpa

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