Debatte

Theologen werfen Papst einseitige Sicht auf Nahost-Konflikt vor

Papst Franziskus Foto: picture alliance / Sipa USA

Zwei katholische Hochschullehrer werfen Papst Franziskus eine einseitige Sicht auf den Nahost-Konflikt vor. Rene Dausner und Christian Frevel bewerten ein Schreiben des Papstes an Katholiken im Nahen Osten als Belastung für den jüdisch-christlichen Dialog. »Der Brief nimmt nur die eine Seite des Leidens in den Blick und macht implizit die Gegenseite zu den Verursachern«, argumentieren Dausner und Frevel in einem Gastbeitrag für die Zeitschrift »Publik Forum« (Freitag).

In dem kritisierten Papst-Schreiben sei nur das Leid der palästinensischen Bevölkerung erwähnt. Israel tauche in dem Brief nicht auf. »Es gibt also einen blinden Fleck im Denken des Argentiniers«, betonen die Theologen. Papst Franziskus stammt aus Argentinien.

Lesen Sie auch

»Durch die Offenheit der Formulierungen und die Vielzahl der aufeinander folgenden Metaphern schafft der Brief Interpretationsspielräume, die nolens volens auf eine Täter-Opfer-Umkehr zulaufen«, so der Vorwurf von Dausner und Frevel.

Die beiden Autoren kritisieren, Papst Franziskus nutze mit antijüdischen Klischees. Das widerspreche der gesamtkirchlichen Haltung gegenüber dem Judentum nach der Schoah. Dausner und Frevel werfen dem Papst auch vor, die »antijudaistischste Stelle im Neuen Testament« zu zitieren, ein Streitgespräch zwischen Juden und Jesus im Johannes-Evangelium. kna

Diplomatie

Frankreich verbietet Bezalel Smotrich die Einreise

Wegen der Siedlungspolitik im Westjordanland verhängt Frankreich Sanktionen gegen extremistische Siedler – und untersagt Israels Finanzminister Smotrich die Einreise

 09.06.2026

Meinung

Antisemitismus nach bayrischer Art

Ein Hotel im Bayerischen Wald verschickt eine antisemitische Nachricht an einen Touristen aus Israel. Das könnte eine Gelegenheit sein, Antisemitismus auf dem bayrischen Land zum Thema zu machen. Ein Kommentar

von Leon Stork  09.06.2026

Erfurt

»Echte« Deutsche: AfD streitet über Höcke-These

Thüringens AfD-Chef behauptet, in Westdeutschland gebe es nur noch »deutsch sprechende Amerikaner«, im Osten seien die Deutschen jedoch deutsch geblieben

 09.06.2026

Meinung

Nein, ein Davidstern ist keine Provokation

Im Amtsgericht Flensburg wurde einer Frau der Zutritt zum Saal nur unter der Bedingung gewährt, dass sie ihre Kette mit einem jüdischen Symbol ablegt. Das ist keine Auslegungsfrage, sondern ein Justizskandal

von Annabelle Ganapol-Vučelić  09.06.2026

Berlin

Rechtsextreme Straftaten: Neuer Höchststand in Deutschland

Auch die Zahl antisemitisch motivierter Übergriffe stellt einen Rekord dar

 09.06.2026

USAID

US-Behörde erhebt Terrorvorwürfe gegen UNRWA-Mitarbeiter

Erneut werden Vorwürfe gegen 101 weitere Mitarbeiter des UN-Hilfswerks für die Palästinenser in Gaza erhoben. Sie sollen militante Hamas-Mitglieder sein, sagt USAID. UNRWA hatte entsprechende Vorwürfe in der Vergangenheit dementiert

von Andrea Krogmann  09.06.2026

Interview

»Selbst ernannte progressive Linke haben offenbar das völkische Denken gelernt. Das ist alles so absurd«

Der Kabarettist Dieter Nuhr über den Erhalt des Leo-Baeck-Preises, Solidarität mit Israel und Kritik an seiner Person

von Detlef David Kauschke  09.06.2026

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

Berlin

Kommission gegen Antisemitismus beendet ihre Arbeit

Der Abschlussbericht soll nun ans Landesparlament gehen und dort im Plenum beraten werden

 09.06.2026