Berlin

Tagung »Digitale Horizonte«: Wie sich Erinnerungskultur im digitalen Zeitalter wandelt

Der Zentralrat der Juden ist im Leo-Baeck-Haus in Berlin untergebracht. Foto: Imanuel Marcus

Wie verändert die Digitalisierung das kollektive Erinnern? Welche Chancen eröffnen neue Technologien – und wo liegen ihre Grenzen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Tagung »Digitale Horizonte – Die Transformation der Erinnerungskultur«, zu der der Zentralrat der Juden in Deutschland am 13. und 14. Januar 2026 nach Berlin einlädt. Wissenschaftler, Pädagogen, Kulturschaffende und Zeitzeugen diskutieren zwei Tage lang über neue Formen des Erinnerns zwischen virtuellen Realitäten, sozialen Medien und klassischer Gedenkstättenarbeit.

Ausgangspunkt der Tagung ist die Beobachtung, dass Erinnerung kein statischer Vorgang ist. Sie verändert sich fortlaufend, prägt Identität und gesellschaftliches Selbstverständnis und wird im digitalen Zeitalter zunehmend von neuen medialen Möglichkeiten beeinflusst. In der Ankündigung heißt es, Erinnerung bewege sich stets »im Spannungsfeld zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft, zwischen persönlichen Erfahrungen und überprüfbaren Quellen«. Digitale Räume verschieben diese Balance und verändern das kulturelle Gedächtnis nachhaltig.

Eröffnet wird die Tagung am Dienstag, den 13. Januar, mit einer Begrüßung durch Vera Szackamer aus dem Präsidium des Zentralrats. In die thematische Ausrichtung führen anschließend Shila Erlbaum sowie Doron Kiesel vom Zentralrat ein. Den ersten wissenschaftlichen Akzent setzt Yael Kupferberg vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien mit einem Vortrag zu »Wahrnehmungsverschiebungen zur Erinnerung im digitalen Zeitalter«.

Digitale Zeitzeugenformate

Am Nachmittag rückt die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen digitaler Darstellung in den Fokus. In einer Podiumsdiskussion zu Virtual Reality sprechen Christina Brüning (Universität Marburg), Oliver Schreer vom Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut, Christian Zipfel von der Filmuniversität Babelsberg sowie Leonore Martin von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft.

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Ein weiterer Schwerpunkt des ersten Tages ist der Einsatz digitaler Zeitzeugenformate. Unter dem Titel »Digital Testimonies – Virtuelle Realitäten und Hologramme als Zeitzeugen« diskutieren Karen Jungblut von Memory Workers LLC und die Zeitzeugin Eva Umlauf über neue Formen der Vermittlung von Überlebendenberichten. Die Moderation übernimmt Ruth Kinet von der Claims Conference. Am Abend folgt eine Podiumsdiskussion zum spielerischen Erinnern in digitalen Formaten, unter anderem mit Felix Zimmermann von der Bundeszentrale für politische Bildung, Milan Weber (Universität Siegen), Nandita Wegehaupt von der Stiftung Digitale Spielekultur und Jakob Saß vom Game Change Lab.

Der zweite Tag beginnt mit einem Grundsatzvortrag von Astrid Erll von der Goethe-Universität Frankfurt zu »Digitaler Kultur und Transformationen der Erinnerung«. Anschließend widmet sich eine Podiumsrunde dem Erinnern in sozialen Netzwerken und auf Plattformen wie TikTok. Die Frage nach der Zukunft der Erinnerungskultur steht im Mittelpunkt einer prominent besetzten Podiumsdiskussion am späten Vormittag.

Offene Diskussion

Am Nachmittag richtet sich der Blick verstärkt auf Bildungsarbeit und Gedenkstättenpädagogik. Robbert-Jan Adriaansen von der Erasmus-Universität Rotterdam spricht über digitales Erinnern als pädagogische Horizonterweiterung. In einer abschließenden Podiumsdiskussion geht es um die Herausforderungen der Vermittlung. Mit einer gemeinsamen Reflexion und einem Ausblick endet die Tagung.

Ziel der Veranstaltung ist es den Veranstaltern zufolge, die sich verschiebenden Horizonte der Erinnerung im digitalen Raum sichtbar zu machen, Entwicklungen kritisch einzuordnen und die Chancen wie Risiken digitaler Erinnerungskultur offen zu diskutieren. im

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