Kassel

Schmerzensgeld-Klage nach Antisemitismus auf documenta

Gäste stehen im vergangenen Jahr vor der Documenta-Halle. Foto: picture alliance/dpa

Der Antisemitismusskandal der documenta fifteen hat ein juristisches Nachspiel: Eine jüdische Klägerin fordert von der documenta und Museum Fridericianum gGmbH Schmerzensgeld wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Eine Güteverhandlung vor dem Amtsgericht Kassel endete am Mittwoch ergebnislos. 

Anlass ist das auf der Weltkunstausstellung im Jahr 2022 ausgestellte Werk »People’s Justice« des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi. Die großflächige Banner-Installation wurde kurz nach Beginn der documenta wegen antisemitischer Bildsprache zunächst verhüllt und später abgehängt. 

Zuvor war heftige öffentliche Kritik laut geworden an dem Werk, auf dem unter anderem einen Soldaten mit Schweinsgesicht zu sehen war, der ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift »Mossad« trägt – die Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes. 

Klägerin zu Vergleich bereit

Die Klägerin, eine 77-jährige Jüdin aus dem niedersächsischen Laatzen, fordert wegen »antijüdischer Beleidigung« 1500 Euro Schmerzensgeld von der documenta gGmbH. Die Gesellschaft hätte als Verantwortliche für die Kunstausstellung das Kunstwerk nicht öffentlich darstellen dürfen, argumentierte sie.

Lesen Sie auch

Bei der Verhandlung erklärte sich die Klägerin zu einem Vergleich bereit. Bedingung sei, dass die Gesellschaft ihr Bedauern gegenüber ihr und dem jüdischen Volk ausdrücke und einen symbolischen Betrag von 250 Euro an eine jüdische Gemeinde zahle, führte ihr Anwalt aus. 

documenta will rechtliche Klärung

Die documenta gGmbH lehnte das ab. Man habe seit Beginn des Rechtsstreits Bedauern ausgedrückt und die Betroffenheit der Klägerin anerkannt, erklärten die Justiziare der Gesellschaft. So sehr man ihr Anliegen respektiere, teile man es aber auf rechtlicher Ebene nicht. Eine Entscheidung kündigte das Amtsgericht für den 15. April an.

Die Klägerin zeigte sich nach der Verhandlung tief bewegt. »Sie haben wieder spüren lassen, dass es wieder so weit ist. Man kann in Deutschland gegen Juden öffentlich hetzen.« Sie habe fast ihre gesamte Familie in Auschwitz verloren, sagte sie unter Tränen. Durch die Darstellungen sei sie tief in ihrer Persönlichkeit verletzt. dpa

Leer

Holocaust-Überlebender Weinberg mit 101 Jahren gestorben

Albrecht Weinberg hat drei Konzentrationslager und Todesmärsche überlebt. Für Aufsehen sorgte er mit der Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes. Nun ist er in Leer gestorben

 12.05.2026

Berlin

Verfassungsschutz will über Antisemitismus aufklären

Wassermelone, Krake und Demo-Parolen: Der Verfassungsschutz erklärt, welche Symbole und Slogans seiner Einschätzung nach auf Extremismus und Antisemitismus hindeuten können.

 12.05.2026

Brüssel

Pride Parade nimmt Auflagen für jüdische Teilnehmer zurück

Eine Gruppe war mitgeteilt worden, ihre Mitglieder dürften weder Davidsterne noch das Wort »jüdisch« auf Bannern oder Symbolen zeigen

 12.05.2026

New York

Festnahmen bei Zusammenstößen vor Synagoge in Brooklyn

Israelfeindliche Demonstranten skandieren »Palästina gehört nur uns« und »Fuck Israel«. Es kommt zu Rangeleien mit Gegendemonstranten

 12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Nahost

Bericht: Vereinigte Arabische Emirate griffen den Iran heimlich an

Eine der Attacken soll Anfang April ein großes Feuer auf einer Raffinerie auf der iranischen Insel Lavan verursacht haben

 12.05.2026

Washington D.C.

Trump erwägt neue Militärschläge gegen Iran

Der US-Präsident bezeichnete die Antwort Teherans auf seinen jüngsten Vorschlag für eine dauerhafte Waffenruhe als »Müll«

 12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Berlin

Mehr Straftaten gegen Gedenkstätten im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Volksverhetzung, Diebstahl, Hausfriedensbruch: Die Zahl der Straftaten in und gegen Gedenkstätten ist im vergangenen Jahr gestiegen

 11.05.2026