Iran

Tee beim Diktator

»Freunde auf dem Weg der Liebe«: Reisegruppe beim iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad Foto: dpa

Yavuz Özoguz ist empört, dass die »Zionisten aus allen Rohren ihrer verkommenen Seelen Feuer spucken«. Und das nur, weil der Betreiber des Internetportals Muslim-Markt und Chef der Gruppe »Islamischer Weg« eine harmlose Pilgerfahrt nach Teheran organisiert hat, die durch eine 90-minütige Privataudienz bei Mahmud Ahmadinedschad ihre Krönung erhielt.

Zu Özoguz’ bizarrer Reisegruppe, die Irans Präsident die Hand schütteln durfte, gehörten der FDP-Politiker Claus Hübscher. Auch der Autor Gerhard Wisnewski, der sowohl beim Anschlag 2001 auf das World Trade Center als auch beim Untergang der Titanic 1912 Verschwörungen wittert, war dabei, wie auch das Kölner Paar Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann von der Kölner »Arbeiterfotografie«. Mit von der Partie auch der Publizist Jürgen Elsässer, vor Jahren gelegentlich Autor dieser Zeitung, der inzwischern an einer »Volksinitiative gegen das Finanzkapital« arbeitet und gegen »Zionis-tenfreunde« wettert.

fdp Von seiner Teheran-Reise ist Elsässer tief beeindruckt: Eine Automobilfabrik habe er besichtigen dürfen, berichtet er stolz, sei bei einer »Massenprozession zum Tod der Prophetentochter Fatima« dabei gewesen, und über die Audienz bei Ahmadinedschad habe sogar das iranische Staatsfernsehen berichtet.

Am stärksten der Kritik ausgesetzt ist bislang Claus Hübscher. Der 65-Jährige will für die FDP in den nächsten niedersächsischen Landtag und macht schon seit Jahrzehnten in Delmenhorst Lokalpolitik. Ein »Liberaler ohne Rücksicht auf Verluste«, sei er, sagt Hübscher von sich, und der »Nordwest-Zeitung« verriet er, Ahmadinedschad sei niemals Holocaust-Leugner gewesen. Vom Kampf des iranischen Präsidenten gegen Israel aber »distanziere ich mich in aller Deutlichkeit«.

Hübscher gehört dem Freundeskreis der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst an. Deren Vorsitzender, Pedro Benjamin Becerra, erklärt, seine Mitgliedschaft sei nun nicht mehr akzeptabel. Niedersachsens FDP-Chef Stefan Birkner hält die Reise für »in höchstem Maße irritierend«, und Delmenhorsts Bürgermeister Patrick de La Lanne legt Wert darauf, dass Hübscher »in keins-ter Weise« offiziell unterwegs war.

Hübschers Antwort auf die Vorwürfe: »Ich bin weiterhin der Meinung, das war richtig.« Dass er kritisiert wird, sei jedoch Ausdruck der Pressefreiheit, wie es sie im Iran »tatsächlich nicht so« gebe. »In Israel aber auch nicht«, fügt er hinzu. Derart zurückhaltende Kritik am Gastgeberland, es könne bei der Pressefreiheit vielleicht noch ein bisschen nachbessern, ist von den übrigen Mitgliedern der Reisegruppe nicht zu vernehmen. Sie sind noch beseelt von der »Gnade« (Yavuz Özoguz), zehn Tage durch das Land kutschiert worden zu sein. »Ich glaube nicht, dass ich übertreibe, dass 16 Menschen unterschiedlichster Ausrichtung zu Freunden geworden sind«, schreibt er in seinem Hausportal Muslim-Markt, »Freunde auf dem Weg der Liebe«.

Auch die »Arbeiterfotografen« Fikentscher und Neumann schwelgten in einer Liebeshymne: »Gibt es ein Land, in dem auch die Tätigkeit der Frau in der Familie als vollwertige Arbeit honoriert wird? Gibt es ein Land, in dem die höchstgestellten Politiker Atomwaffen verurteilen? Das Land heißt Islamische Republik Iran.«

Tête-à-Tête Ähnlich beseelt von seinem Tête-à-Tête mit dem Mann, der Israel von der Landkarte streichen möchte und Homosexuelle steinigen lässt, ist Jürgen Elsässer. Wie Fikentscher und Neumann versteht er sich weiter als Linker; vor seiner Reise hatte der frühere Berufsschullehrer geschrieben: »Beten Sie nicht für mich, für mich wird gesorgt. Beten Sie für die Menschen im Iran, egal, ob Muslime, Christen oder Juden. Beten Sie für den Frieden.« Reiseleiter Özoguz hatte bei seinen linken Mitpilgern bemerkt, dass »diese wunderbaren Menschen«, als sie erst einmal »in einem der heiligsten Höfe des Islam« standen, die »Liebe auf sich einwirken« ließen, auch wenn sie es »teilweise gar nicht gemerkt haben«.

Auf Kritik an seiner Reise reagiert Elsässer, der als Chefredakteur ein kleines Magazin namens Compact verantwortet, mit Hohn: »Hoho, bitte mehr davon! Bessere Werbung kann es gar nicht geben!« Kritik an einem wie ihm käme ohnehin nur von »Kriegstreibern«, den Anfang hätten »die üblichen kleinen Pinscher« gemacht, nun aber sei die gesamte »gekaufte Medienmeute ganz gaga«. Erst vor wenigen Monaten war Elsässer mit der rhetorischen Frage aufgefallen, wo der Zentralrat der Juden in Deutschland sich noch überall einmischen wolle, »um uns das bisschen Spaß, das uns geblieben ist, zu vermiesen!«

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